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Wegen Klimawandel: Mehr Wildschweine in Bayern | BR24

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Überall im Wald schaut es gerade aus, als ob jemand umgegraben hätte. Die Wildschweine sind unterwegs und suchen nach Wurzeln und Kleintieren, die unter der Erde zu finden sind. Bei den derzeitigen Frühlingstemperaturen haben sie gedeckten Tisch.

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Wegen Klimawandel: Mehr Wildschweine in Bayern

Überall im Wald schaut es gerade aus, als ob jemand umgegraben hätte. Die Wildschweine sind unterwegs und suchen nach Wurzeln und Kleintieren, die unter der Erde zu finden sind. Bei den derzeitigen Frühlingstemperaturen haben sie gedeckten Tisch.

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Seit die Winter immer milder werden, fehlt bei den Wildschweinen die natürliche Dezimierung durch Kälte und Frost. Forstamtsleiter Johannes Wurm erklärt, dass sie bei strenger Kälte einfach viel weniger zu fressen finden und dann eben auch weniger Tiere überleben. Doch der Klimawandel freut die Wildsau, denn sie kann im März bereits den ersten Wurf Frischlinge setzen, der auch zum Großteil überlebt. Kommen dann noch zwei weitere Würfe übers Jahr dazu, dann vervielfacht sich die Population. Die Schweine verfolgen bei ihrer Fortpflanzung die Strategie, möglichst viele Nachkommen in ihrer relativ kurzen Lebenszeit von etwa drei Jahren in die Welt zu setzen.

Zu wenig Schnee im Winter

Wurden bayernweit im Jahr 1985 rund 10.000 Wildschweine geschossen, so waren es 2017 knapp 100.000. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium spricht von Zuwachsraten beim Schwarzwild von bis zu 300 Prozent. Die Jäger können inzwischen ohne Schonzeit jagen, nur führende Bachen, also Elterntiere mit Nachwuchs bei Fuß, sind geschützt. Doch die Tiere sind intelligent und ausdauernd – die Jagd ist nicht einfach. Drückjagden erfordern hohen Aufwand. Für die Einzeljagd müssen die Bedingungen stimmen, Vollmond und Schnee wären gut, doch die Winter sind in den vergangenen Jahren zu schneearm.

Finanzieller Schaden oft hoch

Auf der anderen Seite machen Landwirte Druck, denn eine Rotte Säue auf einem Feld oder Acker richtet massiven Schaden an. Sie kommen in der Nacht, fallen über Maisfelder her, reißen die Kolben von den Stängeln, zertrampeln Pflanzen und wühlen mit ihren starken Nasen den Boden auf. Dabei können sie sich richtig tief in den Boden graben, wenn darunter beispielsweise ein Mäusenest ist, allerdings sieht es dann aus wie ein kleiner Krater. Entdeckt ein Waldbesitzer oder ein Bauer, dass Wildtiere seinen Besitz heimgesucht haben, muss er dies beim Ordnungsamt der Gemeinde anzeigen, so der Deutsche Anwaltverein. Nach dem Bundesjagdgesetz muss für Wildschäden die Jagdgenossenschaft zahlen. In solchen Genossenschaften sind alle Grundstückseigentümer einer Gemeinde zusammengeschlossen, die zu einem Jagdbezirk gehören. Aber oft überträgt die Jagdgenossenschaft die Zahlungspflicht auf den Pächter, also den örtlichen Jäger. Dieser ist meist eine Privatperson und darf durch den Jagdpachtvertrag auf der Fläche jagen, ebenso wie auf fremden Grundstücken.

Wildschwein hat keine Fressfeinde

Dazu kommt, dass die Tiere, die ausgewachsen bis zu 150 Kilo schwer werden können, bei uns keine natürlichen Feinde haben. Große Beutegreifer wie Wolf, Bär oder Luchs gibt es im Nürnberger Reichswald bisher nicht. Andererseits ist das Problem mit der großen Anzahl an Wildschweinen auch teilweise hausgemacht, meint Ralf Straußberger, Jagdreferent beim Bund Naturschutz. Durch den vermehrten Anbau von Mais haben die Schweine ideale Bedingungen, das Fressen vor der Haustür und dazu noch Deckung gegen die Jäger. In warmen und trockenen Jahren findet auch der Nachwuchs damit ideale Bedingungen vor.