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"Klimatour": Jugendliche appellieren an Ministerpräsident Söder | BR24

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Ministerpräsident Söder hat heute zur "Klimatour" auf die Zugspitze geladen. Mit Umweltminister Glauber tauschte er sich mit Wissenschaftlern über den Klimawandel aus. Empfangen wurden die Politiker aber von jungen Klimaschützern.

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"Klimatour": Jugendliche appellieren an Ministerpräsident Söder

Ministerpräsident Söder hat heute zur "Klimatour" auf die Zugspitze geladen. Mit Umweltminister Glauber tauschte er sich mit Wissenschaftlern über den Klimawandel aus. Empfangen wurden die Politiker aber von jungen Klimaschützern.

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Schwarze Urnen mit weißen Kreuzen, darin Schmelzwasser aus bayerischen Gletschern - es ist eine ungewöhnliche Gabe, mit der junge Klimaschützer Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) an diesem Mittwoch in der Zugspitz-Region empfangen haben. Ihr Vorwurf ist klar: Die Regierenden agieren beim Klimaschutz zu langsam. Auf einem schwarzen Banner steht in großen Lettern: "Do your job".

Söder verweist auf Klima-Kabinett

Der Anlass des nicht alltäglichen Zusammentreffens: Söder und Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) haben an diesem Mittwoch zur sogenannten "Klimatour" geladen. Im Gespräch mit Wissenschaftlern ließen sich die beiden auf Deutschlands höchstem Berg über die Auswirkungen des Klimawandels informieren.

Gegenüber den jungen Aktivisten verwies Söder auf das Klima-Kabinett der Bundesregierung, das in rund zwei Wochen ein umfassendes Klimaschutz-Konzept beschließen will. Bereits an diesem Wochenende will der CSU-Vorstand ebenfalls ein entsprechendes Papier vorstellen.

Gletscherforscher: "Wir sollten reagieren"

Dass die Zeit drängt, zeigt auch ein Blick auf die Reste des Schneeferner-Gletschers auf der Zugspitze. Forscher Matthias Bernhardt zufolge ist der Gletscher nicht mehr zu retten. Bernhardt sagte aber auch, dass es noch nicht zu spät sei, um dem Klimawandel hierzulande effektiv zu begegnen. "Wir in Bayern befinden uns in der luxuriösen Situation, dass wir noch reagieren können - und das auch tun sollten."

Söder wiederum nahm diese Vorlage gerne auf. Er will in Sachen Klimaschutz konkrete Anreize schaffen: günstigeres Bahnfahren, einen Klima-Bonus für energetisches Sanieren, eine subventionierte Umstellung von Öl auf nachhaltige Heizformen sowie eine Million neue Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. Von Wirtschaft und Wissenschaft forderte der CSU-Politiker erneut Innovationen für neue Technologien, etwa im Bereich der Mobilität.

© BR/Nikolaus Neumaier

Ministerpräsident Söder (CSU, r.) im Gespräch mit Greenpeace-Vertreterinnen, die Urnen mit geschmolzenem Gletscherwasser in den Händen halten

Seit mehreren Monaten vergeht kaum eine Woche, in der die schwarz-orange Staatsregierung nicht mit neuen Klimaschutz-Vorstößen für Schlagzeilen sorgt. Verbot von Einweg-Plastiktüten, Millionen zusätzliche Baumsetzlinge in Bayern, Klimaschutz in die Verfassung - das ist nur eine Auswahl. Söder beteuert seit längerem, man habe die Zeichen der Zeit erkannt, auch wenn die Maßnahmen gegen den Klimawandel kostspielig seien.

CSU lehnt CO2-Steuer weiter ab

Der CSU-Chef wiederholte am Mittwoch zudem, dass er nichts von einer CO2-Steuer hält. Stattdessen erwartet er einen CO2-Zertifikate-Handel. "Mein Eindruck ist, es sind alle gewillt", sagte Söder. Allerdings liegen die Meinungen von Union und SPD beim Thema CO2-Bepreisung bisher weit auseinander. Generell betonte Söder am Mittwoch: Der angekündigte Klima-Pakt müsse auch mit den Bundesländern, den Gemeinden und der Wirtschaft geschlossen werden.

Dagegen warnte Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup die Bundesregierung davor, dass sie ihre Klimaziele ohne einen schnellen Ausstieg aus Verbrennungsmotoren nicht mehr erreichen könne. "Wenn die Bundesregierung weiterhin wirksame Klimaschutz-Instrumente wie den Ausstieg aus Benzin und Diesel bis 2025 ausschließt, wird sie auch das Klimaziel für das Jahr 2030 krachend verfehlen", sagte Austrup der "Rheinischen Post".

Söders "Klimatour" sorgte vor Ort jedenfalls durchaus auch für positive Reaktionen. Die Wissenschaftler von der Forschungsstation auf der Zugspitze wirkten beinahe erleichtert, dass das, was sie seit Jahrzehnten predigen, nun auch politisch gehört zu werden scheint.