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Schädlinge, Trockenheit und steigende Temperaturen machen vielen Bäumen zu schaffen. Südöstlich von Regensburg soll der Wald nach und nach fit für die Zukunft gemacht werden. Schon heute sind hier die Folgen des Klimawandels zu sehen.

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Klimastress für Bäume: Der Wald braucht Hilfe

Schädlinge, Trockenheit und steigende Temperaturen machen vielen Bäumen zu schaffen. Südöstlich von Regensburg soll der Wald nach und nach fit für die Zukunft gemacht werden. Schon heute sind hier die Folgen des Klimawandels zu sehen.

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Von
  • Andreas Wenleder
  • BR24 Redaktion

Der Wald im Südosten von Regensburg ist etwas Besonderes, sagt Michael Roßkopf vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Regensburg. Der Grundwasserspiegel ist hier eigentlich höher als in anderen Gegenden, doch das ändert sich. Während der Grundwasserpegel sinkt, fällt hier im "wärmsten Teil des Landkreises" auch weniger Regen, vor allem im Sommer, so Roßkopf. An einer Stelle im Wald haben Wildschweine den Boden umgepflügt. Die tiefen Stellen zeigen: Hier herrscht schon jetzt im Frühling Trockenheit.

Trockenheit und Wärme nehmen zu

Die fehlenden Sommerniederschläge sind das eine, auch die Temperaturen nehmen hier stetig zu, sagt Roßkopf. An einer nahegelegenen Messstation hat der Leiter der Forst-Bereichsleiter am AELF die Wetterdaten der letzten 30 Jahre ausgelesen. Seit 1990 sei die Jahresdurchschnittstemperatur alle zehn Jahre um ein halbes Grad gestiegen, betont er.

Die Staatsregierung würde in ihrem neuesten Klimareport davon ausgehen, dass noch einmal 1,5 Grad in Bayern dazukommen - selbst wenn die Klimaziele von Paris eingehalten werden. "Wir hatten in Regensburg vor 30 Jahren eine Jahresdurchschnittstemperatur von acht Grad, wir landen dann bei elf Grad. Das entspricht Bozen und dem Alpensüdrand in Italien und da schaut es doch ein bisschen anders aus als bei uns", sagt Roßkopf.

Suche nach geeigneten Alternativen

Mit diesen Bedingungen wird der Wald künftig klarkommen müssen. Doch dafür braucht er Unterstützung. Förster Joshua Gerstenmeier zeigt eine Waldparzelle, in der erst kürzlich neue Bäume gepflanzt wurden. Von den früher hier stehenden Fichten sind nur noch wenige übrig. Die Trockenheit setzt den Flachwurzlern zu. Von unten fehlt das Grundwasser, von oben vor allem die Sommerniederschläge. Das macht sie auch anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer.

Bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von über zehn Grad, wie sie der Gegend bevorsteht, gerät die Fichte an ihre natürlichen Grenzen. Als Alternativen kommen hier Eichen und Buchen in Betracht, sagt Gerstenmeier. Da der Wald von den privaten Besitzern auch weiterhin einigermaßen rentabel bewirtschaftet werden soll, können auch schnellerwachsende Tannen eine Alternative sein.

An anderen Stellen und in anderen Lagen können dagegen wieder ganz andere Baumarten ihre Vorteile ausspielen. Im Bereich des südöstlichen Landkreises Regensburg ist Gerstenmeier ab jetzt für genau diese Fragen zuständig. Er ist der Verantwortliche vor Ort für ein großangelegtes Beratungsprojekt. Knapp 2.000 Waldbesitzer gibt es in der Gegend, auf die er in den kommenden eineinhalb Jahren aktiv zugehen will.

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Joshua Gerstenmeier und Michael Roßkopf stellen das Beratungsprojekt für knapp 2.000 Waldbesitzer vor.

"Totholzinseln" sollen Arten zurückbringen

Die Beratung sei wichtig, da je nach Lage und Böden andere Maßnahmen getroffen werden können. Auf nasseren Waldböden-Abschnitten stehen derzeit noch zahlreiche Eschen. Diesen setzt aber aktuell ein eingeschleppter asiatischer Pilz zu, der die Bestände komplett zerstört. Anders als die Fichten können die Eschen aber nicht einfach mit Eichen ersetzt werden. Hier könnte stattdessen unter anderem die Flatterulme eine Alternative sein, sagt Förster Gerstenmeier.

Neben diesem Beratungsangebot soll das Projekt, das Teil der Initiative "Zukunftswald Bayern" ist, auch den allgemeinen Naturschutz fördern. Sogenannte Totholzinseln könnten unter anderem gefördert werden, um die Artenvielfalt zu beleben.

Jeder Waldbesitzer entscheidet selbst

Der Waldumbau soll den Waldbesitzern aber nicht von oben aufgedrückt werden, betont Michael Roßkopf. Die Verantwortlichen erhoffen sich ein Miteinander. Denn letztendlich entscheidet jeder Waldbesitzer alleine, was auf seinem Stück Land passiert. Auch staatliche Hilfen werden im Projekt in Aussicht gestellt. Denn einen Wald, der kaum mehr Rendite abwirft, kostenintensiv umzubauen, ist für viele Waldbesitzer aktuell nicht rentabel.

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