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Den "Grünen Gockel", das kircheneigene Umweltzertifikat der Evangelischen Kirche in Bayern, haben bisher nur wenige Gemeinden bekommen.

    Großer Nachholbedarf: Klimaschutz in bayerischen Kirchen

    Kirchen in Bayern haben beim Klimaschutz noch großen Nachholbedarf, kritisiert die Umweltbewegung "Christians for Future". Doch es beginnt ein Umdenken: Immer mehr evangelische Gemeinden bewerben sich um das Umweltzertifikat "Grüner Gockel".

    Von
    Ariane DreisbachAriane DreisbachBR24  RedaktionBR24 Redaktion

    Die Kirchen in Deutschland sollen Klimaschutz und Nachhaltigkeit konsequenter vorantreiben. Das haben die "Christians for Future", ein Ableger der Umweltbewegung "Fridays for Future" vor einigen Wochen gefordert. Großen Nachholbedarf hat auch die Evangelische Kirche in Bayern. Das zeigt die geringe Zahl der Kirchengemeinden, die bisher in Bayern mit dem kircheneigenen Umweltzertifikat "Grüner Gockel" ausgezeichnet worden sind. Lediglich zehn Prozent der Gemeinden sind dabei.

    Nachfrage nach dem "Grünen Gockel" steigt

    In vergangener Zeit wächst aber die Nachfrage in den Kirchengemeinden, ihre Häuser auf Nachhaltigkeit zu überprüfen. Auch das Prodekanat München-Süd in Solln möchte das Klimasiegel "Grünen Gockel" haben und muss sich deshalb einer Prüfung unterziehen: Heizung, Büromaterial, Internetanschluss, Kaffeepulver – alles wird auf Nachhaltigkeit untersucht.

    Nicole Schröder-Rogalla leitet als "Umweltauditorin" der evangelischen Landeskirche Bayern die Kontrollen solcher Gebäude. Ehrenamtlich berät sie Gemeinden und Einrichtungen, mit welchen Maßnahmen sie den "Grünen Gockel" bekommen können.

    Nur wenige Kirchen haben den "Grünen Gockel"

    "Das ist ein neues Gebäude. Hier erwarte ich keine größeren Umweltsünden", meint Nicole Schröder-Rogalla vor der Kontrolle. Ihre Helfer schauen genau hin: Wo wird Strom verbraucht? Wie wird geheizt? Tropft der Wasserhahn? Mit dabei ist auch Christina Mertens, Umweltbeauftragte im Prodekanat München-Süd. Sie ist landeskirchenweit für den "Grünen Gockel" zuständig.

    Bisher haben nur etwa 190 der 1.537 evangelischen Kirchengemeinden in Bayern dieses Umwelt-Zertifikat, das sich am EU-Umweltsiegel EMAS orientiert. "Natürlich ist das noch nicht wahnsinnig viel", sagt Mertens. Aber sie habe das Gefühl, dass sich die Stimmung innerhalb der Kirche gerade wandelt: "Ich bekomme zur Zeit pro Woche zwei bis vier Anfragen von Gemeinden oder Einrichtungen, die sich damit neu auf den Weg machen wollen."

    Ist der "Grüne Gockel" grün genug?

    Die christliche Umweltbewegung "Christians for Future" meint allerdings, die Umweltstandards des "Grünen Gockels" seien noch unzureichend. Prinzipiell sei es gut, dass es ein Umweltzertifikat gebe, sagt Sprecher Georg Sauerwein: "Aber dann sollte man es auch mit einem Klimaziel verbinden, das dem Pariser Abkommen entspricht." Als Beispiel nennt er, dass die CO2-Emissionen in Deutschland bis 2035 auf Null reduziert werden sollten. Die Maßnahmen, die mit dem Grünen Gockel zertifiziert werden, seien längst nicht ausreichend dafür.

    Für die Umweltbeauftragte der bayerischen Landeskirche Christina Mertens ist der "Grüne Gockel" auch ohne dieses konkrete Ziel ein Schritt die richtige Richtung. Er verpflichte die Gemeinden zwar nur dazu, sich um kontinuierliche Verbesserungen in ihren Umweltleistungen zu bemühen, "aber natürlich soll das mit dem Ziel passieren, dass die Klimaneutralität möglichst bald erreicht wird".

    Gemeinden zum Klimaschutz motivieren

    Beim Nachhaltigkeits-Check im Gebäude des Prodekanats München-Süd haben Umweltauditorin Nicole Schröder-Rogalla und ihr Team keine großen Verstöße gefunden. Am Gebäude ist alles in Ordnung. Bei Kirchen ist das oft anders, denn viele sind schlecht gedämmt oder haben veraltete Heizungen.

    Das Prodekanat will mit seiner Zertifizierung auch andere Gemeinden motivieren, den Klimaschutz aktiver anzugehen und konkrete Maßnahmen zu formulieren, wie die Umweltbilanz weiter verbessert werden kann. Demnächst ziert dann der "Grüne Gockel" auch die Hauswand des Prodekanats München-Süd in Solln.

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