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Die Gebäudeheizung gilt als eine der schwierigsten Baustellen auf dem Weg zur Klimaneutralität

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    Klimaneutral heizen: Wie viel in Bayern noch zu tun ist

    Bayern soll bis 2040 klimaneutral sein – so lautet das Ziel der bayerischen Staatsregierung. Vielleicht am schwierigsten wird das im Bereich der Gebäudeheizung, denn bisher laufen noch drei Viertel der Heizungen in Bayern mit Erdgas oder Öl.

    Von
    Lorenz StorchLorenz Storch
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    Die Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) hat Szenarien durchgerechnet, wie der Weg zur Klimaneutralität des Freistaats in Sachen Heizung aussehen könnte. Was dabei herauskommt, sind beeindruckende Zahlen: 118.000 Heizungsanlagen jährlich müssten auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Also zum Beispiel auf Wärmepumpe, Biomasse oder Fernwärme. Das entspräche pro Monat einer Stadt wie Hof.

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    Drei Viertel der Wohnungen in Bayern werden noch mit fossilen Brennstoffen beheizt.

    Altbauten müssten viel schneller mit besserer Dämmung versehen werden als bisher – was schon lange gefordert wird, jedoch bisher nie umgesetzt wurde. Doch selbst unter optimalen Bedingungen wird es schwierig, so Serafin von Roon von der FfE: "Wenn wir rechnen, was wir uns unter besten Bedingungen vorstellen können, dann sehen wir, dass wir 2040 wahrscheinlich knapp verfehlen." Aus seiner Sicht ist das ehrgeizige Ziel trotzdem richtig, um Druck für möglichst schnelles Handeln auszuüben.

    Sogar im Neubau noch ein Drittel Gasheizungen

    Bisher ist die Entwicklung Bayerns bei der Gebäudeheizung von einem Optimalszenario allerdings noch weit entfernt. Sogar bei Neubauten werden noch immer in fast einem Drittel der Fälle Gasheizungen eingebaut. Die bleiben im Schnitt 25 Jahre in Betrieb, und damit über 2040 hinaus. Wenn die Gasheizungen dann klimaneutral sein sollen, müssten sie auf Wasserstoff oder andere künstlich hergestellte Gase umgestellt werden. Was wahrscheinlich teuer käme, und es müsste technisch auch erst einmal ermöglicht werden.

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    Selbst bei Neubauten wird noch fast ein Drittel Gasheizungen eingebaut.

    Der Wärmesektor ist sehr träge

    Das ehrgeizige Ziel der Staatsregierung "Bayern klimaneutral bis 2040" ist nach Ansicht der Forscher trotzdem richtig – nur müsse jetzt dringend schnell viel passieren, um das Ziel zumindest annähernd zu erreichen. Mehr Dämmung im Bestand, mehr Nahwärmenetze und mehr Wärmepumpen lauten die Stichworte. Eigentlich sind die Lösungen für die Wärmewende alle entwickelt, so von Roon, aus Sicht von Ingenieuren eigentlich alles kein Problem. "Nur bei der Umsetzung hapert es. Der Wärmesektor ist sehr träge. Hier passiert alles sehr langsam."

    Das kann auch Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern bestätigen. Deren Aufgabe ist es, die Energiewende an der Basis in Ober- und Mittelfranken anzuschieben. Und auch Ruckdeschel bestätigt: "Die Wärmewende ist definitiv das dickste Brett, das wir bohren müssen."

    Gößweinstein: Viele Bürger verschmähen Nahwärme

    Beispiel Gößweinstein in der Fränkischen Schweiz. Hier hat die Kommune mit Partnern ein Nahwärmenetz initiiert, beheizt mit Hackschnitzeln, das gerade in Betrieb gegangen ist. Die Energieagentur Nordbayern war beratend dabei. Als das Projekt vorgestellt wurde, waren erst mal viele Gößweinsteiner interessiert, 167 von ihnen ließen sich als Interessenten registrieren. Aber dann ging der Heizölpreis zu Beginn des vergangenen Jahres kurzfristig in den Keller. Der Großteil der ursprünglichen Interessenten wollte daraufhin doch keinen Wärmeliefervertrag mehr unterschreiben. Weil es sich kurzfristig scheinbar nicht lohnte.

    Der Ölpreis war nur kurz wieder billig

    Das Gößweinsteiner Nahwärmenetz musste daraufhin viel kleiner werden als zunächst geplant. Inzwischen sind die Heizölpreise wieder stark gestiegen, und so manche, die Nahwärme abgelehnt haben, bedauern es inzwischen – doch es ist zu spät.

    Wer weiter fossil heizt, zahlt langfristig drauf

    Die Beharrungskräfte sind groß, seufzt Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern – dabei ist jetzt schon klar, dass Öl und Gas in den kommenden Jahren immer teurer werden. Schon wegen des CO2-Preises, den die Bundesregierung eingeführt hat. Trotzdem kennt Ruckdeschel sogar Beispiele von Bürgern, die noch extra eine Ölheizung auf Vorrat kaufen wollen, bevor das ab 2026 verboten ist. Das sei auf jeden Fall unnötig, betont er, es gebe Alternativen. Wärmepumpen und Biomasse sind die zwei großen Möglichkeiten klimaneutral zu heizen, fasst Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern zusammen. Dazu eine möglichst gute Dämmung. Auch im Altbau sei mit Wärmepumpen inzwischen mehr möglich als viele denken. Für energetische Sanierungen zahlt der Bund außerdem über seine Förderbank KfW hohe Zuschüsse.

    Allerdings gebe es nicht die eine Standardlösung, die überall passt. Je nach Art des Gebäudes und der Nutzung könne ein Energieberater Wege zur klimafreundlichen Heizung aufzeigen.

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