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"Klimahysterie": Aiwanger wettert gegen Unwort des Jahres | BR24

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Freien Wähler Chef und stellvertertender Ministerpräsident von Bayern, Hubert Aiwanger, zum Thema Klimahysterie.

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"Klimahysterie": Aiwanger wettert gegen Unwort des Jahres

Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger ist die Kür von "Klimahysterie" zum "Unwort des Jahres" ein Dorn im Auge: In der Klimadebatte werde durchaus Hysterie verbreitet, die Bewegung habe einen "fast bewaffneten Arm". Der Bund Naturschutz kontert.

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Der bayerische Vize-Ministerpräsident machte seinem Unmut schnell Luft. Gleich zu Beginn seines Auftritts im Münchner PresseClub lenkte Hubert Aiwanger (Freie Wähler) des Gespräch auf das frisch gekürte "Unwort des Jahres" - Klimahysterie. Er warf der Jury aus Sprachwissenschaftlern vor, sich politisch anzumaßen, "zu sagen, die Klimabewegung darf nicht diffamiert werden". Dabei werde von Teilen der Klimabewegung sehr wohl Hysterie verbreitet, betonte Aiwanger.

Zwar gebe es in der Klimabewegung vernünftige Leute, aber eben auch einen "fast bewaffneten Arm", der sich auf die Straße setze, den Verkehr lahmlege, beklagte der Wirtschaftsminister. Das reiche bis hin zu Leuten, die im Namen der Klimabewegung Autohäuser anzündeten. "Das ist ein fließender Übergang."

Aiwanger: "Schießt übers Ziel hinaus"

Kurze Zeit später kritisierte Aiwanger die Unwort-Entscheidung vor Mikrofonen und Kameras noch einmal: "Wenn man gewissen Leuten nicht mehr vorwerfen darf, Hysterie zu verbreiten in Zusammenhang mit Klima, sondern dann gleich als politisch unkorrekt dasteht, dann schießt es übers Ziel hinaus und segnet alles ab, was momentan unter der Überschrift Klimaschutz geschieht." Es sei falsch zu sagen, "man darf das Wort Klimahysterie nicht mehr in den Mund nehmen".

Bundesumweltministerin begrüßt Entscheidung

Die Jury der sprachkritischen Aktion hatte die Entscheidung am Vormittag bekanntgeben - und wandte sich damit gegen die Kritiker von Klimaschutzbemühungen. Mit dem Wort würden die Klimaschutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert, teilte die Darmstädter Sprachwissenschaftlerin Nina Janich mit, die Sprecherin der Aktion ist. Der Begriff pathologisiere pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektive Psychose. "Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel ist das Wort zudem irreführend und stützt in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen."

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) lobte insbesondere die Begründung der Jury: Es könne nicht sein, dass man notwendige Dinge als Hysterie bezeichnet - "also so tut, als wären wir krank". Der Umweltexperte der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn, twitterte, die Entscheidung unterstreiche "wie demagogisch und verantwortungslos dieses Unwort wirkt".

Kritik auch von FDP und AfD

Dagegen äußerte sich auch der bayerische FDP-Fraktionschef Martin Hagen kritisch. In Deutschland gebe es generell die Tendenz, manche Debatten hysterisch zu diskutieren, "anstatt mit Vernunft" heranzugehen. "Der Klimawandel ist real. Der Klimawandel ist eine der ganz großen Herausforderungen für die Menschheit. Aber dem können wir eben nur mit kühlem Kopf begegnen und nicht mit Hysterie", sagte Hagen dem BR. "Und da ist es auch aus meiner Sicht so, dass mancher Wortbeitrag mehr von Hysterie zeugt als von einer vernünftigen Politik."

Für den AfD-Landtagsabgeordneten Andreas Winhart ist Klimahysterie nicht das Unwort, "sondern das Wort des Jahres". Wobei Klimahysterie schon "ein Unding" sei, twitterte er. "Wir sollten in Sachen Klima einen kühlen Kopf bewahren."

Bund Naturschutz kontert

Aiwanger legte nach seinem Termin im PresseClub auf Facebook und Twitter noch einmal nach und wiederholte dort seine Kritik an der Entscheidung der Unwort-Jury: "Schon interessant wie hier Meinung gemacht wird", beklagte er. "Soll man keine Kritik mehr üben an Auswüchsen der 'Klimabewegung'? Das geht zu weit!"

Der Vorsitzende des Bunds Naturschutz in Bayern, Richard Mergner, zeigte sich enttäuscht über die Äußerungen Aiwangers. Auf Twitter fragte er den Minister: "Lieber Hubert Aiwanger, wo bleibt Dein bäuerliches Grundwissen von Waldsterben 2.0, brennenden und vertrocknenden Feldern und Wiesen, wenn Du Klimakrisenleugner, Kohle-, Öl- und Gaslobbyisten und alte Atomfreunde in CDU/CSU nicht für den Kampfbegriff massiv kritisierst?"

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