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Klimaforscher Schellnhuber: "Neue Normalität ist das Extreme" | BR24

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Hitzewellen, schwere Unwetter, längere Trockenphasen und Überschwemmungen. Auf diese "Achterbahnfahrt" muss sich das östliche Bayern einstellen, sagte Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber dem BR.

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Klimaforscher Schellnhuber: "Neue Normalität ist das Extreme"

Hitzewellen, schwere Unwetter, längere Trockenphasen und Überschwemmungen. Auf diese "Achterbahnfahrt" muss sich das östliche Bayern einstellen, sagte Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber dem BR. Heute spricht er an der Uni Regensburg.

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Die Auswirkungen des Klimawandels sind aktuell großes Thema an der Universität Regensburg. Seit Mittwochnachmittag besetzen Studierende einen Hörsaal, um auf die Klimaproblematik hinzuweisen. Der Zeitpunkt wurde wegen des für heute geplanten Vortrags des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber gewählt. Dessen Festrede beim "Dies academicus" soll live in den besetzten Hörsaal übertragen werden.

Erwärmung bringt Ökosysteme durcheinander

Die Auswirkungen des Klimawandels seien längst offensichtlich, auch in Ostbayern, sagt Schellnhuber. Nach zwei extrem trockenen Jahren könne man sehen, wie ganze Waldökosysteme in Deutschland zusammenbrechen. Es sei festzustellen, wie Stürme sich häufen und das Bruchholz zusammen mit milden Wintern den Borkenkäfer-Befall begünstigen. Die Erderwärmung bringe das gesamte Ökosystem durcheinander, es entstehe eine Dynamik, so Schellnhuber. Exotische Insektenarten würden nach Deutschland einwandern, das Dengue-Fieber werde irgendwann hier heimisch werden.

Schellnhuber erwartet Achterbahnfahrt mit Wetterextremen

Laut Klimafolgenforscher Schellnhuber ist eine Achterbahnfahrt mit Hitzewellen und Überflutungen zu erwarten. Das habe mit dem sogenannten Jetstream zu tun, also dem Starkwind, der rund um den Globus in 8 bis 12 km Höhe von Westen nach Osten weht und jetzt laut Schellnhuber "größere Schlaufen" ausbildet. Dies habe man beim jüngsten Hochwasser in Venedig beobachten können.

Für die Donau bedeute der Klimawandel, dass es Jahre mit extremem Niedrigwasser und dann wieder Jahre mit schweren Überflutungen geben wird. Die neue Normalität ist das Extreme, sagt Schellnhuber im BR-Interview.

Schellnhuber: "Unheilvoller Weg in die Erwärmung"

Schellnhuber warnt zusammen mit weiteren führenden Klimaforschern davor, dass sogenannte Kipppunkte im Erdsystem noch schneller erreicht werden und die globale Erwärmung dadurch noch drastischer ausfallen könnten. Als "Kipppunkte" bezeichnen Klimaforscher Phasen in der Erdgeschichte, in denen das Erdklima sprunghaft von einem Zustand in einen anderen übergeht. Als würde man einen Schalter umlegen.

Das Risiko solcher unumkehrbaren Veränderungen sei bislang womöglich unterschätzt worden, heißt es in dem Kommentar, den Schellnhuber und seine Kollegen am Mittwoch gemeinsam im Fachblatt "Nature" veröffentlichten.

Die Autoren verweisen in dem Artikel unter anderem auf neuere Erkenntnisse zur Destabilisierung der Eisschilde rund um Nord- und Südpol sowie des Amazonas-Regenwalds. Sie warnen zudem vor bisher möglicherweise unterschätzten Kettenreaktionen und Rückkopplungen zwischen Ökosystemen.

Dafür gibt es nach ihrer Ansicht erste Hinweise - etwa in der Form, dass der Eisverlust der Arktis die Erwärmung der Region verstärkt, was wieder den Eisverlust fördert. Das schnellere Abschmelzen der Gletscher auf Grönland könne wiederum wichtige Atlantik-Meeresströmungen stören, was Folgen für den Monsun in Westafrika und die Feuchtigkeit des Amazonas-Beckens mit seinen Regenwäldern habe könne.