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Klimawandel trifft Bayern: Fast 5 Grad wärmer bis zum Jahr 2100 | BR24

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Bildrechte: pa/dpa/ Josef Reisner

Der Freistaat Bayern bekommt die Folgen des Klimawandels heftiger zu spüren, als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Klimareport, den Umweltminister Glauber (FW) heute in München vorstellt hat.

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Klimawandel trifft Bayern: Fast 5 Grad wärmer bis zum Jahr 2100

Der Freistaat Bayern bekommt die Folgen des Klimawandels heftiger zu spüren als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt der Klima-Report 2021, den Umweltminister Thorsten Glauber (FW) vorgestellt hat.

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Von
  • Eva Huber
  • Gabriele Dunkel
  • BR24 Redaktion

Der Klima-Report 2021 sei "eine Warnung der Wissenschaft", so Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. Bis zum Jahr 2100 könnte die Durchschnittstemperatur in Bayern um 4,8 Grad Celsius steigen, wenn jetzt nicht konsequent gegengesteuert wird – so die Expertise der Wissenschaftler. Das sind 0,3 Grad Celsius mehr als bei den bisherigen Prognosen aus dem Jahr 2015.

Mehr Hitzetage, mehr Tropennächte

Aber auch mit Gegenmaßnahmen wird Bayern die Auswirkungen des Klimawandels spüren: Es wird mehr Hitzetage, mehr Tropennächte und mehr Starkregenereignisse geben. Das zeigten bereits die letzten Jahre, so der Umweltminister.

So könnten pro Jahr bis zu 36 weitere Hitzetage hinzukommen, also Tage mit einer Temperatur von mindestens 30 Grad Celsius. Zum Vergleich: Zwischen 1971 und 2000 gab es gerade einmal vier Hitzetage pro Jahr. Auch kühle Nächte dürften seltener werden. Der Bericht rechnet damit, dass bis zu 18 Tropennächte mit einer Temperatur über 20 Grad Celsius in Bayern möglich sind.

Klima-Paket II: Fotovoltaik und Moore

Umweltminister Glauber sieht im Report nicht nur einen Handlungsauftrag, sondern auch eine Bestätigung für das Ziel, den Freistaat bis spätestens 2050 klimaneutral aufzustellen. "Wir sind herausgefordert, das Thema mit ganzer Kraft anzugehen. Der Klima-Report lässt aufhorchen," sagte er bei der Pressekonferenz. Auch wenn die Weichen für mehr Klimaschutz in Bayern bereits gestellt seien, will er mehr für den Klimaschutz tun und kündigte ein Klima-Paket II an. Dieses soll das erst kürzlich verabschiedete Bayerische Klimaschutzgesetz ergänzen.

Ab dem Jahr 2022 sollen alle staatlichen Liegenschaften dazu verpflichtet werden, Fotovoltaikanlagen auf ihren Dächern zu installieren. Zudem will Glauber auch eine Verpflichtung für die Dächer von gewerblichen Bauten. Im letzten Schritt sollen dann idealerweise auch private Hausbesitzer verpflichtet werden, auf ihre Dächer Solaranlagen zu bauen. Am Ende dürfe man kein Wohnhaus mehr bauen lassen, ohne die Photovoltaikanlage mitzudenken.

Außerdem will der Umweltminister verhindern, dass weiter Moore trockengelegt werden. Denn dabei entweicht extrem viel CO2. Dafür sind in seinem Ministerium im aktuellen Haushalt 13 Millionen Euro an Fördermitteln bereitgestellt.

SPD: "Klimapolitisches Totalversagen der Staatsregierung"

Die Kritik der Opposition am Klima-Report und an den neu vorgestellten Maßnahmen von Glauber fällt harsch aus. Der SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn spricht von einer "Horror-Prognose", die das "klimapolitische Totalversagen" der Staatsregierung offenlege. Dass Glauber von richtig gestellten Weichen spreche, sei eine "Frechheit", schreibt er in einer Pressemitteilung.

Grüne: Warum Solardächer erst ab 2022?

Rosi Steinberger von Bündnis 90/Grüne sagte dem BR, die Anstrengungen gingen nicht weit und nicht schnell genug: "Wenn wir die erneuerbaren Energien voranbringen sollen, dann reicht es nicht aus, nur von Solaranlagen zu sprechen – die könnte man auch noch viel früher auf die öffentlichen Dächer bringen." Warum erst 2022, wenn die Dramatik doch erkannt wurde, fragt sie.

Der klimapolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Christoph Skutella, forderte finanzielle Hilfen für die Kommunen, damit diese sich auf die Klimaveränderungen vorbereiten könnten. Zugleich müsse Bayern sich auch international mehr für den Schutz engagieren.

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Bayerns Umweltminister Glauber setzt beim Klimaschutz auf den Ausbau der Photovoltaik. Für die Umweltökonomin Pittel, Mitglied im bayerischen Klimarat, reicht das nicht aus. Im Interview mahnt sie zudem mehr Druck bei den Klimaschutzmaßnahmen an.

Glauber: "10h-Regel muss weg"

Übereinstimmend mit der Opposition fordert auch der Umweltminister, die 10h-Regel zu kippen. "Ich war für die Freien Wähler der Klagende gegen das 10H-Gesetz und meine persönliche Meinung verstecke ich auch jetzt nicht", betonte Thorsten Glauber. Doch der Koalitionsvertrag gelte auch für ihn – demnach hält die Staatsregierung am Mindestabstand beim Bau von Windrädern zu Wohnhäusern fest. Glauber kritisiert das, da die Regel den Ausbau auf Null bremse.

Abmilderung des Temperaturanstiegs weiter möglich

Noch könne der längst eingesetzte Klimawandel zumindest abgemildert werden, heißt es in dem Bericht. Sollte das Pariser Klimaabkommen weltweit erfolgreich umgesetzt werden, würde die Temperatur in Bayern spätestens ab 2050 nicht mehr nennenswert steigen. Im Mittel wären dies 1,1 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts. Die Chancen hierfür gelten aber nicht gerade als besonders hoch.

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Klimaneutral leben - geht das? Dafür muss ich erstmal wissen: Wie klimaschädlich lebe ich eigentlich? Zwei Reporter starten darum ein ganz spezielles Klima-Experiment - und zwar mit Hilfe des Systems der Seite eingutertag.org.