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Klima-Proteste motivieren Schüler zur Selbständigkeit | BR24

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In insgesamt 129 Staaten wollen Bürger für besseren Klimaschutz demonstrieren. Den Startschuss gaben Australien und kleinere Inselstaaten im Pazifik. In Bayern sind in 90 Städten Demonstrationen geplant.

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Klima-Proteste motivieren Schüler zur Selbständigkeit

Weniger Erderwärmung, das ist das große politische Ziel von "Fridays For Future". Für die Umsetzung der Pariser Klima-Erklärung gehen viele Jugendliche jeden Freitag auf die Straße. Aber dabei soll es nicht bleiben.

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Am heutigen weltweiten Klimatag sind so viele junge Menschen in Bayern zum Protest aufgerufen wie nie zuvor. Doch der lautstarke Protest auf der Straße wirkt sich auch auf die Schüler persönlich aus: Sie hinterfragen ihr eigenes Konsumverhalten und setzen sich eigene Ziele, wie zum Beispiel am Ammersee-Gymnasium im oberbayerischen Dießen.

Schüler in Dießen gründen Umwelt-AG

"Mehr Radfahren": Mit einem dicken, blauen Textmarker schreibt Melina diese Worte auf einen pinken Stofffetzen, ein Stück von einem alten T-Shirt. Weniger von den Eltern mit dem Auto chauffieren lassen, das ist ihr persönliches Klimaziel. Die 16-Jährige engagiert sich bei der Umwelt-AG an ihrer Schule, dem Ammersee-Gymnasium im oberbayerischen Dießen. Ihr Vorsatz flattert nun gemeinsam mit hunderten anderen Vorsätzen aus Stoff als lange, bunte Tibet-Fahne auf dem Pausenhof.

Melina und ihre Mitstreiter wollen was verändern, konkret vor Ort, in ihrem persönlichen Umfeld. Ideen haben sie viele- gesammelt haben sie diese in der Schule, beim "Nachsitzen". "Alle Schüler, die wegen einer FFF-Demonstration den Unterricht geschwänzt haben, sind von unserem Direktor zum Nachsitzen reinbestellt worden.", erzählt die 16-jährige. “An einem Freitagnachmittag haben wir uns dann alle in der Aula getroffen, um über konkrete Möglichkeiten in unserer Schule zu sprechen.“

Schulentwicklung statt Schulstrafe

Etwa 50 Schüler mussten im Frühjahr nachsitzen. Heute hat sich aus diesem ersten Treffen in der Aula eine Umwelt-AG entwickelt. 20 Schüler treffen sich regelmäßig am Nachmittag und planen Aktionen an der Schule. Am globalen Klima-Streiktag findet am Ammersee-Gymnasium ein Info-Tag zum Klimaschutz statt, mit Schüler-Vorträgen, Rollenspielen, einer Podiumsdiskussion mit Politikern und eben dem Festschreiben persönlicher Klima-Ziele auf Stoff-Wimpeln. Direktor Alfred Lippl freut sich über diese kreativen Ideen und unterstützt das Engagement, so gut es geht.

"Jetzt wollen die Schüler mehr Mülltrennung in unserer Schule. Die neuen Müll-Inseln für Papier, Plastik und Restmüll müssen aber auch brandschutzsicher sein.“ Direktor Alfred Lippl

Schulstrafen wegen Klimademos hält er für sinnlos, wenngleich er das Demonstrieren während der Unterrichtszeit aus schulrechtlichen Gründen ablehnt. "Viel wichtiger finde ich es, dass die Schüler nun das eigene Konsumverhalten überdenken."

FFF-Bewegung politisiert die Jugendlichen

Tibet-Fahnen aus alten T-Shirts, Müll-Trennung, Plastiksparen am Schulkiosk- gerade diese Vielfalt an Ideen macht den Charme der FFF-Bewegung aus.

"Die FFF-Bewegung motiviert die Schüler zu eigenverantwortlichem Handeln. Sie bekommen keine Vorgaben übergestülpt, keine festen Vereinsziele vorgegeben, sondern sie können selbst Ideen vor Ort entwickeln, schauen, was ihnen wichtig sind." Moritz Angstwurm, Jugendorganisation des Bund Naturschutz

Seiner Beobachtung nach engagieren sich bei FFF-Aktionen viele Jugendliche, die sich bislang noch in keinem anderen Bereich engagiert haben.

Viele der FFF-Klima-Demonstranten sind zum ersten Mal auf einer Demo, und sind von ihrem Freundeskreis mobilisiert worden. Wie eine Studie des Deutschen Jugendinstitutes zeigt, halten die Jugendlichen Demos für ein wirkungsvolles Mittel, um politischen Einfluss auszuüben.

"Wer bei einer FFF-Demo teilnimmt, der macht schon als junger Mensch wichtige politische Erfahrungen und wird sich auch eher an Wahlen beteiligen." Martina Gille, Soziologin vom Deutschen Jugendinstitut München

Vom engen Lehrplan zur offenen Mitgestaltung

Begleitet werden die Schüler der Umwelt-AG am Ammersee-Gymnasium von vier Lehrern. Für Stephanie Pröll und Steffi Brudereck sind diese Nachmittagstreffen eine tolle Ergänzung zum Regelunterricht.

"Der Lehrplan hat oft so feste Vorgaben und Erwartungen an die Schüler. In der Umwelt-AG können sie frei denken, wir sind immer wieder überrascht, wie kreativ und selbständig die Jugendlichen sein können." Stephanie Pröll, Lehrerin am Ammersee-Gymnasium

Am Klimatag stellen sie mit einer Menschenkette den Schriftzug "NO CO2" nach. Dazu hat der 16-Jährige die Jugendfeuerwehr bestellt, um mit der Drehleiter das Foto von oben machen zu können.

Eines haben Melina und ihre Mitstreiter der Umwelt-AG schon erreicht: Am Kiosk gibt es jetzt weniger Plastik-Verpackungen. Die Kiosk-Betreiberin backt nun selbst Schokokekse und verkauft diese auf Papier-Serviette.