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Kletterunfall bei Buttenheim: Mehr Haken sollen gesetzt werden | BR24

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In der Fränkischen Schweiz häufen sich die Kletterunfälle an Umlaufhaken. Bestehende Routen werden kaum gewartet, weil es dort keine Verkehrssicherungspflicht gibt. Nun sollen mehr Kletterhaken gesetzt werden.

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Kletterunfall bei Buttenheim: Mehr Haken sollen gesetzt werden

Im Sommer war ein Haken an der Ammerthaler Wand gebrochen: Zwei Kletterer wurden schwer verletzt. Mitte November flog ein Haken bei Buttenheim aus der Wand. Ein Mann prallte gegen die Felswand. Eine Interessensgemeinschaft will jetzt reagieren.

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Von
  • Carlo Schindhelm

Sascha Taras ist leidenschaftlicher Kletterer. Immer wieder ist er an den Felsen in der Fränkischen Schweiz unterwegs, so auch am 18. November, als der Alptraum eines jeden Kletterers wahr wird. An der "Vajoletkante" im Klettergarten Frankendorf bei Buttenheim seilt sein Partner ihn ab. Plötzlich fliegt ihm der Haken entgegen, und er stürzt. Der einzemmentierte Umlenkhaken aus den 1970er Jahren bricht vollständig aus.

Kletterhaken wegen Risse im Felsen ausgebrochen

Die Kletterroute und sechs weitere an dem Felsen werden vorübergehend gesperrt. Die Polizei ermittelt zur Unfallursache. Der Klettersachverständige Wolfgang Pfeffer schließt ein Materialversagen aus. Über die Jahre hätten sich Risse im Fels gebildet. Schuld sei auch der Frost. Der Haken sei schließlich mitsamt einem zwei Handflächen großem Stück Gestein aus der Wand gebrochen.

Verdacht auf einen fehlerhaft gesetzten Haken

Sascha Taras hatte großes Glück. Zwar stürzte er fünf Meter tief in einen Karabiner, den er beim Aufstieg gesetzt hatte und prallte unkontrolliert gegen den Fels. Entgegen ersten Unfallmeldungen in denen die Polizei von einem Schwerverletzten spricht, verletzt er sich aber nur am Finger und zieht sich Prellungen zu.

Keine Pflicht zur Überprüfung der Kletterrouten

An der Ammerthaler Wand im Landkreis Amberg-Sulzbach in der Oberpfalz hatten zwei Kletterer in diesem Sommer weniger Glück. Dort brach ein Haken. Ein Kletterer stürzte aus sieben Metern Höhe auf seinen Sicherungspartner. Beide wurden schwer verletzt. Noch laufen Ermittlungen zu dem Kletterunfall. Laut Sicherheitsforschung des Deutschen Alpenvereins bestehe jedoch der Verdacht, dass das Bohrloch nicht tief genug war. Der Haken habe ein Stück herausgestanden und eine erhöhte Biegebelastung aushalten müssen. Bestehende Kletterrouten in der Fränkischen Schweiz müssten nicht gewartet werden, sagt Wolfgang Pfeffer von der Polizei. Es gebe keine Verkehrssicherungspflicht.

Zweiter Haken neben Umlenkhaken sorgt für mehr Sicherheit

Unter anderem kümmert sich die Interessensgemeinschaft (IG) Klettern um den Erhalt von Kletterrouten in der Fränkischen Schweiz. Wenn die Mitglieder von alten oder wackligen Haken hören, tauschen die Kletterer sie aus. Als Lehre aus den Unfällen will die IG im Frankenjura, Fichtelgebirge und Bayerischen Wald künftig bei Sanierungen und stark frequentierten Kletterrouten einen zusätzlichen Haken neben den Umlenkhaken setzen, sagt Jürgen Kollert von der IG Klettern. Sollte der eine ausbrechen, wirke dann der zweite.

© BR/Sandra Jozipovic

Im Sommer war ein Umlenkhaken an der Ammerthaler Wand gebrochen: Zwei Kletterer wurden schwer verletzt. Mitte November flog erneut ein Umlenkhaken bei Buttenheim aus der Wand. Ein Kletterer prallte unkontrolliert gegen die Felswand.

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