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Das Kleinwalsertal gehört zu Vorarlberg und ist damit aktuell als Risikogebiet eingestuft. Obwohl es dort keinen Corona-Fall gibt.

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Kleinwalsertal – Risikogebiet ohne Corona-Fall

Für die Kleinwalsertaler fühlt es sich an wie ein zweiter Lockdown. Der einzige Weg ins Tal führt über Deutschland. Dort wurde Vorarlberg und damit auch das Kleinwalsertal zum Risikogebiet erklärt – obwohl es im Tal keinen Corona-Fall gibt.

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Von
  • Rupert Waldmüller
  • Beate Mangold

Vor einer Woche hat das Robert-Koch-Institut das österreichische Bundesland Vorarlberg zum Corona-Risiko-Gebiet erklärt. Für die Einwohner des Kleinwalsertals bei Oberstdorf ist das eine mittlere Katastrophe: Das Tal gehört zwar zu Vorarlberg, ist aber nur von Deutschland aus erreichbar. Die Walser sind damit weitgehend eingesperrt und fühlen sich stark an den Lockdown erinnert.

Aktuell kein aktiver Corona-Fall im Kleinwalsertal

Denn schon damals war es so, dass es im Kleinwalsertal praktisch keine Corona-Fälle gab, die Einwohner das Tal aber nicht verlassen konnten. Aktuell gibt es keinen Corona-Kranken dort, insgesamt gab es während der Pandemie nur drei Fälle.

Hotelbuchungen werden storniert

"Weniger als null geht halt nicht", meint dazu Patricia Wachter vom Hotel Rosenhof im Kleinwalsertal. Für sie ist es einfach nicht verständlich, warum das Tal zum Risikogebiert erklärt wird. Gleichzeitig rufen bei ihr laufend Gäste an, die zur besten Wanderzeit ihre Buchungen stornieren. Die Reaktion der Gäste sei verständlich, denn viele Arbeitgeber verböten, in ein Risikogebiet zu reisen, so Wachter.

Viele Betriebe im Kleinwalsertal vor dem Aus

Viele Betriebe im Tal mussten mangels Gästen schon jetzt zusperren, weil es sich nicht mehr lohnt, so Patricia Wachter. Die Stimmung bei den Hoteliers sei angespannt. Den ganzen Sommer über hätten sie sich darum bemüht, ein sensationelles Urlaubserlebnis für die Gäste zu gestalten. "Wir haben hohe Sicherheitsstandards, alle haben sich drum gekümmert und jetzt stehen wir plötzlich vor dem Aus."

Ausreise nur für dringende Termine und Arbeit

Doch aktuell gilt: Wer sich länger als 48 Stunden im Kleinwalsertal aufhält, muss nach der Rückreise nach Deutschland in Quarantäne oder einen negativen Corona-Test vorweisen. Die 5.000 Bewohner des Tals sind quasi eingesperrt. Sie dürfen das Tal nur für die Arbeit, die Schule oder dringende Arzttermine verlassen. Seit gestern sind immerhin Einkäufe für den täglichen Bedarf möglich.

Tal ist stark vom Tourismus abhängig

Für die Talbewohner fühlt es sich an wie ein zweiter Lockdown. Denn einen anderen Weg aus dem Tal als den über das Allgäu gibt es nicht. Das Kleinwalsertal ist stark vom Tourismus abhängig und in allen Bereichen aufs Engste mit dem Oberallgäu verbunden. Die Einstufung als Risikogebiet bezeichnet deshalb auch Bürgermeister Andi Hais als Katastrophe – und unter den gegebenen Umständen als völlig unverständlich.

Online-Petition für Sonderlösung gestartet

Schon seit dem Lockdown im Frühjahr fordern die Kleinwalsertaler eine Sonderlösung für ihr Tal. Getan hat sich bislang aber wenig. Patricia Wachter vom Rosenhof hat deshalb eine Online-Petition aufgesetzt und binnen weniger Tage Tausende Unterstützer gefunden. Sie hofft darauf, dass das etwas bewegt bei den Politikern in Wien und Berlin und dass bald eine Lösung gefunden wird für das Risikogebiet ohne Corona-Fall.

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  • Rupert Waldmüller
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