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Kleinvermieter im Allgäu stehen wegen Corona vor dem Ruin | BR24

© BR/Christoph Scheule
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Britta Pedersen

Wenn Touristen ins Allgäu kommen, buchen sie ihre Unterkunft häufig bei sogenannten Kleinvermietern. Wegen des Lockdowns kommen aber keine Urlauber. Corona-Hilfen bekommen Kleinvermieter trotzdem nicht. Viele kämpfen ums finanzielle Überleben.

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Kleinvermieter im Allgäu stehen wegen Corona vor dem Ruin

Wenn Touristen ins Allgäu kommen, buchen sie ihre Unterkunft häufig bei sogenannten Kleinvermietern. Wegen des Lockdowns kommen aber keine Urlauber. Corona-Hilfen bekommen Kleinvermieter trotzdem nicht. Viele kämpfen ums finanzielle Überleben.

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Von
  • Christoph Scheule
  • Johanna Kempter

Sie zählen zur Keimzelle des Tourismus im Allgäu: die Vermieter von Gästezimmern oder Ferienwohnungen. Von diesen sogenannten Kleinvermietern gibt es derzeit etwa 5.000. Sie stellen gut ein Drittel aller Betten für Touristen im Allgäu. Aber wegen des monatelangen Beherbergungsverbots fehlen die Gäste und damit die Einnahmen. Corona-Hilfen sind für die Vermieter aber nicht vorgesehen, da sie als Kleinbetriebe zählen.

Verzweiflung bei den Kleinvermietern im Allgäu

Viele Kleinvermieter haben sich im Verein "Gastgeber mit Herz" organisiert – und wenden sich jetzt verzweifelt an die Vereinsvorsitzende Margret Hohberger. Im BR-Interview erzählt die 66-Jährige aus Bolsterlang von weinenden Anrufern, die in den vergangenen Jahren investiert haben, um ihre Gäste "in wunderschönen Ferienwohnungen" begrüßen zu können.

Schulden wegen Investitionen in die Ferienwohnungen

Der Verein habe vor einigen Jahren extra eine Qualitätsoffensive gestartet, damit die Vermieter Geld in die Hand nehmen und die Betriebe auf Vordermann bringen. "Jetzt haben sie investiert, haben Kredite aufgenommen – und können sie nicht mehr bedienen", fasst Hohberger die Misere zusammen. Oftmals dienen die Einnahmen der Zimmervermietung seit Jahrzehnten als Rentenzusatz oder als kleine Existenz für Familien. Auch Hohberger selbst ist betroffen: Sie lebt eigentlich von ihren Übernachtungsgästen. Ihr Mann ist ein Pflegefall.

Hilferuf an Gesundheitsminister Holetschek

Die Kleinvermieter wollen sich jetzt an Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek wenden und ihn auf ihre Situation aufmerksam machen. Auch eine stille Demo ist geplant. "Wir wollen nicht hetzen oder beschuldigen, sondern um Hilfe rufen", sagt Margret Hohberger. Die Forderung der "Gastgeber mit Herz": die baldige Erlaubnis, wieder öffnen zu dürfen. Da die meisten Gäste immer noch mit dem Auto anreisen und dann völlig autark in den Ferienwohnungen ohne Fremdkontakt Urlaub machen, könne nicht von einem erhöhten Ansteckungsrisiko gesprochen werden, erläutert Hohberger.

Ausgleichszahlung gefordert

Bis es soweit ist, wollen die Allgäuer Kleinvermieter einen unbürokratischen Ausgleich pro Bett und pro Monat in Höhe von 300 Euro. Vermieterin Sonja Tesdorf aus Fischen spricht von einem Rettungsschirm. Die 55-Jährige ist schwerbehindert und muss von 600 Euro Rente im Monat leben. Die Einnahmen, die ihre Ferienwohnung bringen, sollten als Schutz vor der Altersarmut dienen. "Ich bin bereit, die Corona-Maßnahmen mit Geduld zu tragen, wenn ich nicht absaufen würde", macht sie ihre Lage klar. Kein Ertrinkender sei geduldig, sondern werde irgendwann laut und schreie um Hilfe. An diesem Punkt sind die Allgäuer Kleinvermieter längst angekommen.

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