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"Kleinste Ernte seit 1985" - Weinlese in Franken startet | BR24

© dpa Picture-Alliance Philipp von Ditfurth

Weinlese in Franken startet

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    "Kleinste Ernte seit 1985" - Weinlese in Franken startet

    In Franken beginnt offiziell die Weinlese. Den Startschuss geben Landwirtschaftsministerin Kaniber, Weinbauverbands-Präsident Steinmann und die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer. Trotz massiver Ernte-Einbußen wird es wohl ein starker Jahrgang.

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    Von
    • Carolin Hasenauer

    Eine kleine, aber feine Lese: Trotz der geringen Ernte heuer ist Weinbauverbands-Präsident Artur Steinmann positiv gestimmt: "Wir haben ja schon im letzten Jahr davon gesprochen, dass es die kleinste Ernte seit 1985 wird. Und in diesem Jahr wird sie noch kleiner werden - aber sie wird sicherlich gut."

    Sowohl im Winter als auch im Frühjahr blieb der Niederschlag aus - und das nach den beiden Hitzesommern von 2018 und 2019. Dann schlugen die Eisheiligen zu: In der Nacht zum 12. Mai 2020 fielen die Temperaturen mancherorts unter Null Grad - vor allem an der Mainschleife um Volkach, Sommerach und Fahr am Main erforen bis zu 80 Prozent der Reben.

    Weniger Wein, als in normalem Jahr

    So etwa bei Winzer Martin Münch in Sommerach: "Wegen einer Nacht. Das ist schon hart zu sehen, wie viel Arbeit man da das Jahr über reingesteckt hat. Und die Arbeit wird auch bei Lese aufwändiger: Wir müssen in die Weinberge zwei bis vier Mal rein." Denn es werde versuchen, auch die zweite und dritte Generation Trauben, die nach dem Frost ausgetrieben sind, zu retten.

    Münch ist Mitglied in der Genossenschaft "Winzerkeller Sommerach". Deren Geschäftsführer und Vorsitzender Frank Dietrich erwartet, dass die Weinernte heuer nur einen Ertrag von 40 bis 45 Prozent im Vergleich zu einem normalen Jahr ergibt. "Es wird weniger Wein geben, einzelne wahrscheinlich sogar gar nicht, weil sie schlichtweg nicht gewachsen sind. Zumindest hier in Sommerach und von der Weininsel."

    Trockenheit und Frost machen Probleme

    Ganz anders ist die Situation ein paar Kilometer weiter in Randersacker: Winzer Karl Schmitt vom Weingut Schmitt's Kinder ist optimistisch. "Es kann, wenn das Wetter in den nächsten vier Wochen mitspielt, grandiose Sachen geben", so Schmitt. Doch obwohl er vom Frost im Mai verschont geblieben ist, machen ihm die heißer werdenden Sommer Sorgen. "Das war wirklich herausfordernd, die Trockenheit war im Frühjahr schon zu spüren. Dann war der Juli extrem trocken, dazu kommt die Intensität der Strahlung. Also ich möchte in so einem Monat kein Weinstock sein!"

    Vorteil für den Geschmack

    Dass die Temperaturen in diesem Sommer nur einige Tage die 30-Grad-Marke überschritten, kam den Trauben wiederum zugute, erklärt Steinmann: "Ich erwarte einen Jahrgang mit starker Fruchtausprägung. Durch die langsame Reifung konnte der Rebstock mehr Mineralien aus dem Boden aufnehmen. Dann stecken mehr Inhaltsstoffe in der Traube und sie schmeckt besser. Und wenn die Traube besser schmeckt, schmeckt der Wein besser." Die Ortega-Trauben für den Federweißen wurden heuer ab dem 25. August gelesen, also etwas später als im Vorjahr.

    Die Hauptlese beginnt wie immer etwa drei Wochen darauf und wird bis etwa Ende Oktober dauern. Den ersten Wein aus diesem Jahrgang wird es voraussichtlich im März 2021 zu kaufen geben. Mit mehr als 6.000 Hektar Rebflächen ist Franken eines der größeren Weinanbaugebiete in Deutschland.

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