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Waffenerlaubnisse in Bayern boomen – auch unter Rechtsextremen | BR24

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Immer Bürger in Bayern bewaffnen sich. Vor allem die Zahl der kleinen Waffenscheine geht nach oben. Besorgniserregend ist, dass insbesondere Rechtsextreme verstärkt zu Schreckschuss- und ähnlichen Waffen greifen.

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Waffenerlaubnisse in Bayern boomen – auch unter Rechtsextremen

Die Zahl der kleinen Waffenscheine geht in Bayern nach oben. Besorgniserregend ist für Innenminister Herrmann, dass insbesondere Rechtsextreme verstärkt zu Schreckschuss- und ähnlichen Waffen greifen.

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Während die Zahl der sogenannten großen Waffenscheine, die zum Führen von Schusswaffen außerhalb der eigenen Wohnung berechtigen, gesunken ist, stieg die Zahl der Waffenbesitzkarten und noch stärker die der kleinen Waffenscheine. Letztere legitimieren das Mitführen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Seit 2014 hat sich die Zahl der Besitzer des kleinen Waffenscheins mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Antwort des bayerischen Innenministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor.

Schulze sieht "Trend zur Selbstbewaffnung"

Deren Landtags-Fraktionschefin, Katharina Schulze, hält das für keine gute Entwicklung. "Wenn man die Zahlen insgesamt anschaut, kann man klar sagen, der Trend zur Selbstbewaffnung in Bayern nimmt weiter zu. Und das ist ein insgesamtes Problem", erklärt Schulze. "Wenn von den 13 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern in Bayern fast jeder Neunte statistisch eine Schusswaffe oder eine Waffe hat, dann finde ich das besorgniserregend." In Bayern gab es Ende 2018 fast 1,2 Millionen registrierte Schusswaffen.

Herrmann spricht von "hoher Gefahr" bei Reichsbürgern

Besonders problematisch ist für Schulze, dass sich unter deren Besitzern eine wachsende Zahl an Personen befindet, die dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann beobachtet diese Entwicklung mit Sorge – allein, was die Szene der Reichsbürger angeht. "Wo wir feststellen, dass die weit überdurchschnittlich in Waffenbesitz sind als Jäger, als Sportschützen. Dass von denen auch eine hohe Gefahr ausgeht und sie offensichtlich auch bereit sind, diese Schusswaffen gegen andere Menschen dann auch einzusetzen", so Herrmann.

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In Bayern ist die Zahl der kleinen Waffenscheine zuletzt deutlich gestiegen. Doch wozu berechtigt dieses Dokument überhaupt? Und wie viele Waffen gibt es in Bayern?

200 bekannte Rechtsextremisten mit Waffenschein in Bayern

Insgesamt waren im vergangenen Jahr bayernweit fast 200 dem Verfassungsschutz bekannte Rechtsextremisten im Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis, einer davon hatte sogar den großen Waffenschein. Insgesamt ist die Zahl innerhalb eines Jahres um rund 40 Prozent gestiegen. Herrmann würde sie gerne entwaffnen – gleichzeitig lehnt er eine zwingend vorgeschriebene Waffenbesitzkarte für Schreckschusswaffen ab: "Ich sehe jedenfalls da kein großes Problem. Und mit einer Schreckschusswaffe kann ich ja keine schwere Gewalttat verüben."

Schulze fordert Waffenschein für Besitz einer Schreckschusswaffe

Das sieht Grünen-Fraktionschefin Schulze ganz anders: "Man erkennt im ersten Augenblick ja gar nicht: Ist das eine echte Waffe oder ist das eine Schreckschusspistole? Es kann also Panik entstehen, dein Gegenüber weiß nicht genau, was da los ist", sagt Schulze und fordert deswegen: "Allein für den Besitz einer Schreckschusswaffe soll man in Zukunft schon den kleinen Waffenschein benötigen."

Bei Waffenanträgen soll nach dem Willen der Grünen auch eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz erfolgen. Dies sei bereits der Fall, kontert Innenminister Herrmann: "Das Landeskriminalamt prüft alle waffenrechtlichen Genehmigungen und checkt das im Regelfall auch mit Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ab."

Schulze: "Neonazi-Szene ist selbstbewusst"

Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze jedenfalls sieht Handlungsbedarf angesichts von mehr Waffen in rechten Händen: "Wir haben ja auch gesehen, an dem schrecklichen Mord an Walter Lübcke, dass die Neonazi-Szene selbstbewusst durch dieses Land marschiert und dass es von den Worten irgendwann zu Taten kommt."

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Immer mehr Bürger in Bayern bewaffnen sich. Und zwar vor allem mit Schreckschuss-Pistolen und ähnlichen Waffen. Das geht aus Zahlen des bayerischen Innenministeriums hervor. Vor allem unter den Rechtsextremen gibt es immer mehr Waffenbesitzer.