BR24 Logo
BR24 Logo
Kommunalwahlen

Kleine Schlammschlacht im Regensburger Wahlkampf | BR24

© BR/Uli Scherr

Politiker und ihre Doktorarbeiten sind immer Themen. So eines wird jetzt auch im Regensburger Wahlkampf ausgepackt - und es wird etwas schmutzig. Es geht um die Doktorarbeit von CSU-Oberbürgermeisterkandidatin Astrid Freudenstein.

1
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kleine Schlammschlacht im Regensburger Wahlkampf

Politiker und ihre Doktorarbeiten sind immer Themen. Jetzt auch im Regensburger Wahlkampf. Und es wird etwas schmutzig: Es geht um die Doktorarbeit von CSU-Oberbürgermeisterkandidatin Astrid Freudenstein - und Joachim Wolbergs spielt eine Rolle.

1
Per Mail sharen
Teilen
"Frauen sind in politischen Führungspositionen keine Seltenheit mehr. (…) Frauen drängen an die Spitze der Politik, sie wollen Macht – oder sie scheitern kurz davor." Passage in Doktorarbeit von Astrid Freudenstein

Das hat Astrid Freudenstein, die Oberbürgermeisterkandidatin der CSU in Regensburg, 2009 geschrieben in ihrer Doktorarbeit mit dem Titel "Die Machtphysikerin gegen den Medienkanzler". Darin hat sie den Kanzlerwahlkampf zwischen Gerhard Schröder und Angela Merkel untersucht - ausgerechnet Wahlkampf.

Wolbergs bringt Geschichte ins Rollen

Zehn Jahre später macht Freudenstein selber Wahlkampf - und plötzlich ist auch ihre Doktorarbeit Thema. Gleich drei OB-Kandidaten sind in eine kleine Schlammschlacht im Regensburger Kommunalwahlkampf involviert: Neben Freudenstein noch die amtierende SPD-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Und der wegen Korruptionsvorwürfen suspendierte OB Joachim Wolbergs, der die SPD im Streit verlassen hat.

Wolbergs brachte die Geschichte ins Rollen, als er Anfang der Woche in einem Facebook-Video über mögliche Unregelmäßigkeiten in Freudensteins Dissertation spekulierte. Pikant: Die Infos will er ausgerechnet vom Wahlkampfmanager seiner Kontrahentin, SPD-Kandidatin Maltz-Schwarzfischer, bekommen haben. Er habe die Doktorarbeit von Frau Dr. Freudenstein untersuchen lassen. Die sei zwar schlampig erarbeitet worden sei, so Wolbergs in der Video-Botschaft. Aber substantiell sei sie nicht in einer Weise zu bemängeln, die der SPD helfen würde.

Wolbergs selber will bei der OB-Wahl für den von ihm gegründeten Wahlverein "Brücke" kandidieren. Jetzt gibt er sich entsetzt, "dass diese Art des Hinterherschnüffelns inzwischen bei manchen wohl zum politischen Handwerkszeug gehört. Ich will mit solchen Machenschaften nichts zu tun haben."

Maltz-Schwarzfischer: "Mit mir gibt es keinen schmutzigen Wahlkampf"

Den Vorwurf, die SPD würde belastendes Material über die politischen Gegner sammeln, weist SPD-Kandidatin Maltz-Schwarzfischer zurück. Mit ihr werde es keinen schmutzigen Wahlkampf geben, schreibt sie in einer Stellungnahme. Bei SPD-Wahlkampfmanager Gerhard Schmid, dem Mann, der mit Wolbergs über die Doktorarbeit von CSU-Kandidatin Freudenstein gesprochen hat, klingt das allerdings ein bisschen anders. "Ich habe nun jahrelang Erfahrung mit Wahlkämpfen. Da kommt es immer mal vor, dass die andere Seite sich nicht an die ordentlichen Regeln hält, sondern irgendwie mit Dreck wirft", sagt Schmid.

Schmid ist ein erfahrener SPD-Politiker und Wahlkämpfer, der 25 Jahre lang im EU-Parlament gesessen hat.

"Wir haben nicht die Absicht, irgendeinen Schmutzwahlkampf gegen die Frau Freudenstein zu führen. Mich hat das nur interessiert. Falls es von der anderen Seite losgehen sollte, ist es immer gut, wenn man irgendwas in der Schublade hat. Aber sonst interessiert mich das überhaupt nicht." SPD-Wahlkampfmanager Gerhard Schmid

SPD sollte Konsequenzen ziehen

Irgendwas in der Schublade haben? Für den Regensburger CSU-Chef Michael Lehner macht sich ein SPD-Wahlkampfmanager mit solchen Aussagen untragbar. "Ich würde der SPD raten, Konsequenzen zu ziehen. Wir machen unseren inhaltlichen Wahlkampf so weiter wie bisher. Von dem her rate ich der SPD zu überlegen, ob das die richtige Strategie ist", so Lehner.

CSU-OB-Kandidatin Freudenstein, deren Doktorarbeit im Mittelpunkt der kleinen Schlammschlacht steht, will zu der ganzen Angelegenheit lieber nichts sagen.