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Grabungen im Spessart bei Goldbach
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Autoren

Carol Lupu
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Grabungen im Spessart bei Goldbach

Bislang gingen die Geschichtsschreiber von Goldbach davon aus, dass hier auf dem Kugelberg keine richtige Burg gestanden hat. Sie vermuteten eine Attrappe, einen hohen weißen Turm, der abschrecken sollte und höchstens ein militärischer Ausguck war oder nur als zeitweiliger Schutz bei Gefahr diente.

"Die Burg war für eine Wohnburg zu klein und scheint mehr als Fliehburg vor inneren und äußeren Feinden gedient zu haben." Aus der Goldbacher Ortsgeschichte

Doch genau das haben die Archäologen nun widerlegt:

"Und dann haben wir begonnen zu graben. Und beim Graben findet man Objekte des Alltags: die kleinen Dinge, die man täglich in der Hand gehabt hat, vom Kochtopf bis zur Schwertscheide." Harald Rosmanitz, Grabungsleiter

Wenn jetzt bei den Grabungen Dinge des Alltags gefunden werden, dann war die Burg also doch bewohnt. Dass der Archäologe Harald Rosmanitz und seine Helfer auch Teile von Schwertscheiden gefunden haben, zeigt, dass die Burg auch Verteidigungsort gewesen sein muss.

Keramik aus dem Rheinland gefunden

Wie eine Trophäe hält der Ausgrabungsleiter Tonscherben in der Hand, vier Stück: beige mit Farbkreisen und Tupfern in dunkelbraun.

"Das ist sogenannte Pingstdorfware, die ist aus dem 12. Jahrhundert und ist eine Luxusware. In dieser Art hat man ursprünglich Schankkannen bemalt, und die waren dann beim Burgherrn auf dem Tisch gestanden." Harald Rosmanitz, Grabungsleiter

Pingstdorf liegt im Rheinland bei Bonn. Die Werkstätten, die diese Art Keramik herstellten, waren im 11. Jahrhundert am Niederrhein verteilt, bis zur heute niederländischen Grenze. Die Forscher interpretieren diesen Fund so: Hier müssen wohlhabende Burgherren, Adelige ansässig gewesen sein, die auch die Handelswege kannten.

Ein spektakulärer Fund

Aber dann kam am letzten Freitag ein Fund an die Oberfläche, der seinesgleichen sucht: Eine Münze mit ganz besonderer Prägung. Bislang gab es weltweit nur zwei Münzen dieser Art, eine in Berlin und eine in den Niederlanden. Hier in Goldbach haben die freiwilligen Helfer die dritte gefunden.

"Das fast nicht mehr erkennbare Männchen ist Erzbischof Adalbert. Und auf der Rückseite sieht man den Grundriss der Stadt Mainz, der sich deutlich abzeichnet." Harald Rosmanitz, Grabungsleiter

Was nunmehr immer klarer wird, ist die Entstehung der Burg. Vom 10. bis zum 12. Jahrhundert hatte sie ihre Blütezeit.

Laienhelfer finden prähistorische Scherbe

Die Studenten Kenny Rautenberg und Sophie Matejcek, die beiden Laienhelfer, machen in diesen Tagen den zweiten großen Fund, und auch der lässt die Geschichtsschreiber von Goldbach aufhorchen.

"Dadurch, dass wir jetzt die prähistorische Scherbe gefunden haben, ist das eine ganz andere Sichtweise auf die Geschichte Goldbachs. Die 800 Jahre, die sind ja sicher gewesen. Aber dass es vorher auch bevölkert war, das ist eine ganz neue Denkweise für mich." Kenny Rautenberg, Laienhelfer

Goldbach ist also eine noch ältere Siedlung als bisher vermutet.