Eine Hand hält ein Telefon
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Eine Hand hält ein Telefon (Symbolbild)

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Klarer Wandel beim Trickbetrug – mit zigfach höherem Schaden

Beim Trickbetrug hat sich ein Wandel vollzogen: Anstelle von Anrufen falscher Polizisten häufen sich die Schockanrufe. Der finanzielle Schaden der neuen Masche ist ungleich höher, heißt es aus dem Polizeipräsidium München.

Der Trickbetrug am Telefon hat eine einschneidende Wandlung vollzogen. Wie ein Ermittler des Münchner Polizeipräsidiums am Donnerstag ausführte, sind Anrufe durch falsche Polizisten fast völlig verschwunden. Dafür haben sogenannte Schockanrufe zugenommen und für einen massiv gestiegenen Schaden gesorgt.

Anrufe mit schockierenden Geschichten

Anrufe von falschen Polizisten, die wegen angeblicher Einbrüche ihre Opfer aufforderten, ihre Wertsachen sicherheitshalber der Polizei zu übergeben, seien fast völlig verschwunden. Solche Anrufe aus Callcentern gibt es quasi nicht mehr, so Hans-Peter Chloupek, Leiter der Arbeitsgruppe Phänomene im Münchner Polizeipräsidium.

Dafür grassieren seit rund einem Jahr sogenannte Schockanrufe, in denen den Opfern erklärt wird, dass Angehörige einen tödlichen Unfall verursacht hätten und eine Kautionszahlung für die Vermeidung einer Untersuchungshaft dringend geleistet werden müsse. Bei solchen Schockanrufen werden die Menschen - wie schon zuvor durch den Falsche-Polizisten-Trick - psychisch massiv unter Druck gesetzt, so Chloupek.

Millionenschaden durch Schockanrufe

Während im vergangenen Jahr allein in München ältere Menschen durch Trickbetrug am Telefon um 240.000 Euro geschädigt wurden, stieg die Schadenssumme vor allem durch Schockanrufe in diesem Jahr allein in der Landeshauptstadt auf bis jetzt 4,2 Millionen Euro.

Wege Geldwäscher kaum nachzuverfolgen

Auch die Bandenstrukturen haben sich laut Chloupek verändert. Während die Beute früher zentral weitergegeben wurde, durchläuft sie jetzt mehrere Stationen in europäischen Ländern, so dass durch diese Geldwäsche die Weitergabe für die Ermittler kaum nachzuverfolgen ist.

Zudem kommen die Anrufe nicht mehr aus Callcentern, sondern aus anderen Ländern Europas, wo früher der Enkeltrick ausgeübt wurde. In den vergangenen Monaten sind mehrere polnische Staatsbürger als mutmaßliche Täter in Bayern gefasst worden.

Wie Chloupek berichtete, wurde vor rund zwei Wochen ein 45-Jähriger im Raum Bamberg gefasst. Ihm wird die Beteiligung an 15 Fällen mit einem Schaden von 1,2 Millionen Euro zur Last gelegt. In Großmehring im Landkreis Eichstätt ging diese Woche ein Ehepaar zum Schein auf einen Schockanruf ein. So gelang es, zwei mutmaßliche Geldabholer festzunehmen, beide aus Polen.

Beim Trickbetrug hat sich ein Wandel vollzogen. Anstelle von Anrufen von falschen Polizisten häufen sich die Schockanrufe. Der finanzielle Schaden der neuen Masche ist ungleich höher, heißt es aus dem Polizeipräsidium München.
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Statt falsche Polizisten Trickbetrüger

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