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Klare Worte von Würzburgs Bischof Jung zu sexuellem Missbrauch | BR24

© Markus Hauck (POW)

Bischof Franz Jung

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    Klare Worte von Würzburgs Bischof Jung zu sexuellem Missbrauch

    Unter der Überschrift "Der Herr weint über Jerusalem" hat der Würzburger Diözesanbischof Franz Jung den sexuellen Missbrauch in der Kirche in den Mittelpunkt seines ersten Hirtenbriefs zur Fastenzeit gestellt, der an diesem Wochenende verlesen wird.

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    Bischof Jung erinnerte an die biblische Szene im Lukasevangelium, als Jesus vor den Toren Jerusalems in Tränen ausgebrochen sei über das "unheilige Jerusalem". Diese Szene sei ihm in diesen Tagen immer wieder in den Sinn gekommen, so Jung angesichts der Debatte um den sexuellen Missbrauch in der Kirche:

    "Der Herr weint über Jerusalem. Er weint über seine Kirche, die einen solch erbärmlichen Anblick bietet. Er weint über eine Kirche, der es wichtiger war, ihr Ansehen und das Ansehen ihrer Amtsträger zu schützen als sich um diejenigen zu sorgen, denen durch diese Kirche schwerstes Unrecht zugefügt wurde. In seine Tränen mischen sich die Tränen der Betroffenen selbst, denen unsagbares Leid widerfuhr." Franz Jung, Würzburger Diözesanbischof

    Unerträgliche Heuchelei

    In die Tränen mischten sich auch die Tränen des Zorns und der Empörung derjenigen, die sich durch diese Kirche getäuscht sehen und ihre Heuchelei unerträglich finden, so Bischof Jung. Verstehe man den Missbrauchsskandal als Aufruf zur Umkehr, könne er helfen, dass die Kirche sich von innen her erneuere.

    "Wir haben gelernt, dass wir Unterstützung von außen benötigen. Der Außenblick der Betroffenen hilft uns, das Ausmaß dessen zu erkennen, was geschehen ist. Denn das Kreisen um sich selbst hat diese Wahrnehmung bislang verhindert. Der Außenblick durch fremden Sachverstand hilft uns, zu erkennen, wer wir wirklich sind und wie wir besser werden können." Franz Jung, Würzburger Diözesanbischof

    Viele vom sexuellen Missbrauch Betroffene fühlten sich überdies im Nachhinein eingeschüchtert, so Bischof Jung. Anstatt ermutigt zu werden, ihre Erfahrungen zu schildern, würden sie sich bedroht fühlen. Sie hätten sich plötzlich auf der Anklagebank wiedergefunden, anstatt die notwendige Hilfe zu finden. Weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte, sei der Missbrauch klein geredet oder vertuscht worden: "Die Wahrheit wurde gebeugt, die Betroffenen ein zweites Mal traumatisiert. Das Ansehen der Kirche und ihrer Amtsträger stand oft über der Sorge um die Opfer der Institution. Macht zeigt sich so von ihrer hässlichen Seite."

    Einfallstor des Bösen

    Die Täter konnten sich angesichts der Lebensform Zölibat in fataler Weise sicher sein, dass ihre Übergriffe vor der Öffentlichkeit verborgen blieben, sagte Bischof Jung weiter in seinem Hirtenbrief. Ihre Sicherheit gründete auf der Überzeugung vieler Menschen, ein geistlicher Würdenträger würde sich korrekt gegenüber Schutzbefohlenen verhalten. Deshalb durfte er auch davon ausgehen, dass den Betroffenen kein Glauben geschenkt würde, wenn sie erzählten, was ihnen widerfahren ist.

    "Falsche Selbstsicherheit wird im Leben immer zum Einfallstor des Bösen. Denn sie verleitet zur Nachlässigkeit. Umdenken tut Not. Die Kirche ist zum einen als Sakrament Zeichen und Werkzeug des Heils für die Welt. Zum anderen müssen wir dies immer neu werden. Und wir müssen beständig die eigene Institution, ihre Abläufe und ihre Handlungsträger wachsam in den Blick nehmen. Nur so können wir Sorge dafür tragen, mögliches Fehlverhalten und seine Ursachen rechtzeitig zu erkennen und ihm entgegen zu steuern." Franz Jung, Würzburger Diözesanbischof

    Missbrauch nachhaltig unterbinden

    Er wisse, so Bischof Jung, dass viele Menschen der Kirche nicht zutrauen, den Missbrauch aufzuarbeiten. Dagegen würden keine Worte helfen, sondern nur Taten, an denen man sich messen lassen müsse. Er wisse auch, dass viele Menschen sich rasches Handeln wünschten. Das sei nachvollziehbar: "Dennoch wird es einige Zeit in Anspruch nehmen, weil wir diesen Weg der Erneuerung nicht alleine gehen wollen, sondern in Zusammenarbeit mit vielen anderen Kräften unserer Gesellschaft, die mit uns das Ziel verfolgen, Missbrauch nachhaltig zu unterbinden."