Emeritierter Papst Benedikt XVI.
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Emeritierter Papst Benedikt XVI.

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Klage gegen Benedikt XVI.: Ex-Papst muss sich äußern

Nachdem ein bayerisches Missbrauchsopfer unter anderem gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. geklagt hatte, hat nun das Landgericht Traunstein ein zivilrechtliches Vorverfahren eingeleitet. Die Beklagten wurden aufgefordert, sich zu äußern.

Die Klage eines Missbrauchsopfers aus Bayern, die sich auch gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. richtet, ist juristisch einen Schritt weiter: Das Landgericht Traunstein hat nun ein zivilrechtliches Vorverfahren eingeleitet. Das geht aus einer Verfügung hervor, die dem BR, der Zeit und dem Recherchezentrum Correctiv vorliegt.

Das Landgericht Traunstein hat die Beklagten im Missbrauchsfall Peter H. demnach dazu aufgefordert, sich zu der Klage zu äußern. Für den emeritierten Papst Benedikt XVI. heißt das, dass er binnen einer Frist von vier Wochen durch einen Anwalt mitteilen muss, ob er sich in der Sache verteidigen will.

Missbrauchstäter in Gemeinde versetzt

Ein 38-jähriger Mann aus Bayern, der als Kind in den 1990er-Jahren im Landkreis Altötting von seinem Gemeindepfarrer Peter H. missbraucht wurde, hatte die Klage Ende Juni beim Landgericht Traunstein eingereicht – und zwar nicht nur gegen den Täter. Beklagt sind auch der Papst im Ruhestand sowie der ehemalige Münchner Erzbischof, Kardinal Friederich Wetter, und das Erzbistum München und Freising.

Der Kläger sieht die Kirchenmänner in einer institutionellen Verantwortung. Seine Argumentation: Peter H. wurde eingesetzt, obwohl er wegen sexueller Übergriffe auf Kinder bereits aktenkundig war. Strafrechtlich ist der Missbrauchsfall bereits verjährt. Deshalb will der Betroffene das Gericht mit einer zivilrechtlichen Feststellungsklage die Sache rückwirkend klären lassen. Es soll prüfen, ob auch die damals in der Verantwortung stehenden Kirchenmänner verpflichtet sind, für den Schaden des Opfers zu haften.

Anwalt des Klägers: "Kirche muss sich positionieren"

Scheitern könnte das, wenn die beklagten Kirchenmänner die Einrede der Verjährung geltend machen. Die Kirche müsse sich positionieren, so der Berliner Anwalt des Klägers, Andreas Schulz, ob sie zu ihrer Verantwortung stehe oder sich nur formal verteidige in dem Zivilprozess. Wenn die Beklagten die gesetzte Frist verstreichen lassen, kann das Gericht ein so genanntes Versäumnisurteil verhängen, bei dem nur "auf der Grundlage des klägerischen Sachvortrags entschieden" wird.

Für den Täter Peter H., das Erzbistum München und Freising sowie seinen emeritierten Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter, gilt laut Verfügung eine Frist von zwei Wochen, für den emeritierten Papst Benedikt eine Frist von vier Wochen aufgrund seines Wohnsitzes im Ausland.

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