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Darf man mitten in so einer Ausnahmesituation streiken? Und: Wieweit gehen gesellschaftliche Solidarität und gegenseitige Wertschätzung noch?

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Kita-Streik in Corona-Zeiten: Wie angemessen ist das?

Der Streik in Augsburger Kitas sorgt für viel Kritik bei BR24-Lesern. Viele können nicht verstehen, warum in Corona-Zeiten die Arbeit niedergelegt wird. Eltern hätten es schon schwer genug. Doch es gibt auch Unterstützung für die Gewerkschaft.

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Von
  • Andreas Herz

Öffentliche Kitas in Augsburg sollen wie auch der Nahverkehr an diesem Dienstag bestreikt werden. Das sorgt für viel Kritik von BR24-Lesern: "Ich bin selbst Erzieherin und kann es NICHT nachvollziehen, dass in solchen Zeiten in Kitas gestreikt werden muss", schreibt etwa Userin "Sonnenschein1975". Weiter heißt es: "Die Eltern sind eh schon arm dran. Viele haben keinen Urlaub mehr, keine Überstunden und die wenigsten können auf Großeltern zurückgreifen."

"Moralisch und ethisch bedenklich"

Kritik, die etliche User teilen. "Was mich allerdings schon erstaunt, ist der Zeitpunkt", schreibt "Sun". "Haben die Eltern der Kita-Kids zurzeit nicht eh schon genug zu stemmen? Ich empfinde das gewählte Streik-Zeitfenster moralisch und ethisch genauso bedenklich, wie den Streik meiner Klinik-Kolleg/innen in der Hoch-Zeit der Pandemie", heißt es weiter in dem Posting.

"So ganz scheint Verdi nicht begriffen zu haben, in welcher Situation wir uns gerad befinden", schreibt "Elo": "Kurzarbeit, Job weg, sinkende Einnahmen der Kommunen, etc. Das ist definitiv ein selten dämlicher Zeitpunkt für Streiks." Problem seien seiner Meinung nach weniger zu geringe Löhne, als vielmehr hohe Lebenshaltungskosten, verursacht durch künstlich hoch getriebene Wohnkosten und immer mehr Eigenverantwortung dort, wo die Verantwortung eigentlich bei Staat und Gesellschaft liege. "Die Gewerkschaften schauen dort auch seit Jahrzehnten tatenlos zu und behandeln lediglich Symptome. Die paar Prozent mehr Lohn bringen rein gar nichts insbesondere bei kleinen Einkommen!", so "Elo" weiter.

Einige User verteidigen Verdi

In einigen Kommentaren wird das Vorgehen der Gewerkschaft jedoch verteidigt. "Haben doch Recht, ich selber bin in der Gewerkschaft. (...) Die Leute da draußen müssen es spüren, die Kliniken sollen streiken wie der Öpnv und Kitas! Ein Klatschen reicht nicht! ", schreibt "Ironiepur" mit Bezug auf den Beginn der Corona-Pandemie. Zu der Zeit wurden vielfach Videos in den sozialen Netzwerken geteilt, in denen etwa Pflegepersonal applaudiert wurde.

Und User "T_izian" erinnert in seinem Kommentar an die Rechte, die die Gewerkschaften auch durch Streiks erstritten haben: "Den Usern, die sich so über die Gewerkschaft ereifern noch soviel: Ihre Löhne haben Sie wem zu verdanken? Den Urlaub, die Fortzahlung im Krankheitsfall, Mutterschutz, Erziehungszeiten, Kündigungsschutz?"

Das sagt die Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Verdi beklagt in einem Schreiben, dass es bislang kein Lohn-Angebot der Arbeitgeber gegeben habe. Zudem hätten sich die Kitas in der Pandemie von ihrem Träger der Stadt Augsburg oft allein gelassen gefühlt.

"Auch ich persönlich musste während der Pandemie die Erfahrung machen, was es heißt, für die Kinder keine Kindergartenbetreuung zu haben", so Verdi-Sprecher Erdem Altinisik. Die komplette Schließung von Kitas sei nicht beabsichtigt, könnte aber nicht ausgeschlossen werden. In dringenden Fällen sollte die Betreuung möglich sein. Die Eltern seien bereits am Freitag informiert worden, damit sie sich auf die Situation einstellen können, so Verdi.

Anm. d. Red: Die Kommentare wurden bezüglich der Rechtschreibung korrigiert

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