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Kita-Kind darf nicht "Wurschtbrot" sagen - Dialektpfleger sauer | BR24

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Belegtes Brot

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Kita-Kind darf nicht "Wurschtbrot" sagen - Dialektpfleger sauer

Eine Erzieherin in Schwandorf hat offenbar einem Mädchen untersagt, im Oberpfälzer Dialekt "Wurschtbrot" zu sagen. Der Verein "Bund Bairische Sprache" bekam davon Wind, wandte sich an die Medien und verteidigt die Dialektsprache.

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Eine Schwandorfer Kindergärtnerin hat offenbar einem dialektsprechenden Mädchen verboten, "Wurschtbrot" zu sagen. Korrekt heiße es "Wurstbrot", soll die Kindergärtnerin laut dem Verein "Bund Bairische Sprache" zu dem Vorschulkind gesagt haben. Mit einer Facebook-Nachricht wurde der Fall dem Verein zugespielt. Der plädiert mit sachlichen Argumenten für das Dialekt-Sprechen. Der Vereinsvorsitzende Sepp Obermeier kritisierte die Erziehungsmethode des Schwandorfer Kindergartens als rückschrittlich.

"Dialekt-Sprechen steigert Sprachvermögen"

Es sei eine Irrlehre der 1970er-Jahre, Kinder nur in Schriftdeutsch zu erziehen, sagte Obermeier dem BR. Damals hieß es, Dialekte hemmten den schulischen und beruflichen Erfolg. "Heute weiß man, dass es anders ist", so Obermeier. Auch das Kultusministerium habe anerkannt, dass Dialektsprechen bei Kindern das Sprachvermögen langfristig steigere. Es sei erwiesen, dass die "innere Mehrsprachigkeit" bei Schülern höherer Klassen für bessere Deutsch-Noten sorge. "Einsprachige" Kinder benötigten bei der Wortfindung den langen lexikalischen Weg. Dialektsprechende Kinder dagegen verfügten über Synapsen, die eine Wortzuordnung nach Klang ermöglichen würden.

Kindergarten legt Wert auf Sprachförderung

Die Leitung des Kindergartens will auf BR-Anfrage nichts von dem Fall gehört haben. Generell verbiete man aber keinem Kind, Dialekt zu sprechen, versicherte die Kindergarten-Leitung dem BR. Die Kinder dürften so sprechen, wie sie es von zu Hause gewohnt sind. Die Schriftsprache würden Kinder ohnehin noch in der Schule lernen. Auf seiner Internetseite wirbt der Kindergarten mit spezieller Sprachförderung: Unter anderem mit dem sogenannten "Würzburger Trainingsprogramm Hören – Lauschen – Lernen zur Vorbereitung auf den Erwerb der Schriftsprache."

Dialekt wichtig für Identität

Dass das Dialekt-Sprechen sich auf das Denken ähnlich positiv auswirkt wie Zweisprachigkeit, erklärt Astrid Rank vom Lehrstuhl für Grundschulpädagogik an der Universität Regensburg. Für Schüler sei es später aber wichtig, auch die sogenannte Bildungssprache zu beherrschen. Es komme auf die Sprech-Situation an, sagt Rank, die selbst niederbayerischen Dialekt spricht. Beim Essen sei das "Wurschtbrot" in Ordnung, beim Vorlesen sollte man aber auf Hochdeutsch achten. Weil das Dialekt-Sprechen zur Identität von Kindern gehöre, sollte man es aber niemals verbieten, so die Pädagogin.

Abgesehen von dem aktuellen "Wurschtbrot-Fall" hat Sepp Obermeier vom Verein "Bund Bairische Sprache" schon "ganz andere Sachen gehört". Im Altmühltal habe es kürzlich einen Fall gegeben, in dem ein Kind wegen Dialekt-Sprechens zur Strafe in die Ecke gestellt wurde. "Was man da mit der Kinderseele macht! Das Kind wird doch geprägt für sein ganzes Leben."

Audio: Bayern und seine Sprachen

© picture-alliance/dpa, Montage BR

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Autor
  • Sebastian Wintermeier
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