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Kirchenaustritte: Kirchen in Bayern laufen Gläubige weg | BR24

© picture alliance/Felix Hörhager/dpa

Eine Wartemarke, eine Urkunde zum Kirchenaustritt und eine christliche Ikone mit Maria und dem Jesuskind liegt in München auf einem Tisch.

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Kirchenaustritte: Kirchen in Bayern laufen Gläubige weg

Immer mehr Gläubige verlassen die beiden großen Kirchen in Bayern. Heute veröffentlichte Zahlen zeigen, dass 2018 64.246 Mitglieder die katholische Kirche verlassen haben, die evangelische Kirche 27.673. Besonders hart trifft es das Bistum Eichstätt.

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Der seit Jahren anhaltende Trend beschleunigt sich: Die katholische Kirche in Bayern verzeichnet für 2018 64.246 Austritte. Im Vergleich zum Jahr 2017 (48.377 Kirchenaustritte) kehrten damit fast ein Drittel mehr Menschen ihrer Kirche den Rücken (32,83 Prozent). Ähnlich sieht es bei den Protestanten in Bayern aus. Laut der heute veröffentlichten Zahlen verließen 27.673 Menschen die evangelische Landeskirche. Im Jahr zuvor waren es noch 23.647 Kirchenaustritte - ein Anstieg von 17,03 Prozent.

Besonders viele Kirchenaustritte im Bistum Eichstätt

Besonders schwer trifft es das Bistum Eichstätt. Dort schossen die Austritte mit einer Zahl von 3.866 im Vergleich zu 2017 (2.591) um knapp die Hälfte (49,21 Prozent) nach oben. Schuld daran ist vermutlich der Finanzskandal: hier entstand ein Millionenverlust durch riskante Immobiliengeschäfte. Auch das Bistum Würzburg muss mit 6.532 Austritten eine Steigerung zum Vorjahr von 44,23 Prozent verkraften.

Der sich beschleunigende Austritts-Trend ist auch in allen anderen bayerischen Diözesen zu beobachten: Im Bistum Augsburg traten 12.981 Menschen aus (2017: 9.342 +38,95%), im Erzbistum Bamberg 6.398 (2017: 4.819 +32,77%). Im Erzbistum München und Freising verließen 22.580 Menschen die Kirche (2017: 17.998 +25,46%), im Bistum Passau 3.568 (2017: 2.599 +37,28%) und im Bistum Regensburg 8.321 +28,04%).

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Kirche in Bayern 2018: Kirchenaustritte, Todesfälle, Kircheneintritte und Taufen

Gut Hälfte der Deutschen gehört einer der beiden großen Kirchen an

Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Deutschen gehört somit der evangelischen oder katholischen Kirche an. 53,2 Prozent der Gesamtbevölkerung waren 2018 Kirchenmitglieder, 2017 waren es noch 54,2 Prozent.

Rund 220.000 Menschen haben 2018 die evangelische Kirche verlassen, das sind 11,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Für den EKD Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm eine schmerzliche Nachricht: Die Kirche müsse noch deutlicher machen, warum "die christliche Botschaft eine so starke Lebensgrundlage" sei.

Möglicher Grund: Missbrauch in der katholischen Kirche

Die katholische Kirche ist besonders vom Mitgliederrückgang betroffen. Mehr als 216.000 Katholikinnen und Katholiken sind 2018 ausgetreten. Das ist ein Plus von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein möglicher Grund für diesen Anstieg: Im September 2018 hatte die katholische Bischofskonferenz eine Studie veröffentlicht, die den massenhaften Missbrauch von Minderjährigen untersucht hat.

Mit Bestürzung und dem bekundeten Willen zu Veränderungen haben Bayerns Kirchenleitungen auf den neuen Höchststand bei den Austritten reagiert. Der Münchner Generalvikar Peter Beer rief dazu auf, den Mitgliederschwund als "Ansporn" zu verstehen: "Wie können wir unsere Angebote qualitativ besser machen? Wie können wir Menschen erreichen?" Man müsse spürbar machen, dass der christliche Glaube wirklich Sinn stifte und dem Leben eine gute Richtung gebe.

Zunächst keine Auswirkung auf Kirchensteuer-Einnahmen

Auf die finanzielle Situation der Kirchen haben die Kirchenaustritte zunächst keine gravierenden Auswirkungen. Aufgrund der guten Konjunktur und der positiven Entwicklung der Löhne und Einkommen stieg 2018 das Kirchensteueraufkommen.

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Mann steht vor einer Kirche

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Warum treten Menschen aus der Kirche aus?