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Bildrechte: BR/ Christian Wölfel

Weil sie Kirchenasyl gewährt hat, muss sich eine Ordensfrau der Oberzeller Franziskanerinnen wegen Beihilfe zu unerlaubtem Aufenthalt vor dem Würzburger Amtsgericht verantworten. BR-Reporter Christian Wölfel war beim Prozessauftakt vor Ort.

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Kirchenasyl-Prozess: Geldstrafe für Würzburger Ordensfrau

Das Amtsgericht Würzburg hat eine Ordensfrau zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie Kirchenasyl gewährt hatte. Es ist der zweite Prozess dieser Art in Bayern innerhalb weniger Wochen. Ein Mönch aus Münsterschwarzach war freigesprochen worden.

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Von
  • Christian Wölfel
  • Julia Dechet

Kirchenasyl – ein Thema, das in der Gesellschaft kontrovers diskutiert wird. Aus juristischer Sicht ist Kirchenasyl Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt, weshalb sich auch Schwester Juliana Seelmann von den Oberzeller Franziskanerinnen in Würzburg vor Gericht verantworten musste - und schuldig gesprochen wurde.

Würzburger Amtsgericht verhängt Geldstrafe

Das Amtsgericht Würzburg sah es als erwiesen an, dass die Ordensfrau einer Nigerianerin Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt gewährt habe. Der Richter sprach eine Verwarnung mit Strafvorbehalt aus. 500 Euro muss die Ordensschwester als Auflage zahlen. Zudem wird eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen je 20 Euro fällig, wenn sie innerhalb von zwei Jahren gegen ihre Bewährungsauflagen verstößt. "Wir leben in einer Demokratie, nicht in einem Gottesstaat", sagte der Richter. Das sei offener Rechtsbruch gewesen, der nicht entschuldigt werden könne.

Einer von zwei Fällen eingestellt

Ursprünglich standen zwei Fälle von Kirchenasyl zur Anklage. Ein Fall wurde vorläufig eingestellt. Grund dafür ist, dass unklar ist, ob eine Fristverlängerung zur Überstellung der Nigerianerin nach Italien den dortigen Behörden mitgeteilt wurde. Wäre dies nicht der Fall, könnte es sein, dass Deutschland bereits für das Asylverfahren der Frau zuständig war. Dann wäre das Kirchenasyl überflüssig gewesen.

Ordensfrau: "Ich hatte keine andere Wahl"

Schwester Juliana Seelmann erklärte vor Gericht, sie hätte im Fall der beiden Frauen keine andere Wahl gehabt, als diese ins Kirchenasyl zu nehmen. Sie habe so gehandelt, "weil ich nicht anders konnte, nach meinem Gewissen und Glauben." Den 23- und 34-jährigen Flüchtlingsfrauen hätte nach ihrer Überzeugung bei Rückführung erneut die Zwangsprostitution gedroht. Diese hätten sie bereits auf ihrer Flucht in dem europäischen Land erlebt und wiederum als sie nach einer ersten Flucht nach Deutschland freiwillig nach Italien zurückgingen.

Ob die Ordensfrau Berufung gegen das Urteil einlegt, ist offen. Zuvor sagte sie in einem BR-Interview, dass sie einen Schuldspruch nicht akzeptieren wolle. Menschlichkeit sei kein Verbrechen.

Strafbefehl zuvor nicht hingenommen

Die 38-jährige Ordensfrau hatte im Kloster der Oberzeller Franziskanerinnen zwei Nigerianerinnen für zwei beziehungsweise vier Monate aufgenommen, als diese nach Italien abgeschoben werden sollten. Zum Prozess kam es, weil Seelmann einen Strafbefehl über 1.200 Euro nicht akzeptiert hatte.

Mönch aus Münsterschwarzach kürzlich freigesprochen

Am 26. April saß der Benediktinermönch Abraham Sauer aus Münsterschwarzach auf der Anklagebank des Amtsgerichts Kitzingen, ebenfalls, weil er Kirchenasyl gewährt hatte. In diesem Fall entschied sich die Richterin aber für einen Freispruch. Am Ende stand für die Juristin fest: Der Mönch habe aus seinem Glauben heraus gehandelt. Und die Gewissens- und Glaubensfreiheit ist im Grundgesetz geschützt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, Rechtsmittel einzulegen.

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