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Kirchenasyl gewährt: Strafbefehl für Pfarrer aus Immenstadt | BR24

© BR/Florian Regensburger

Erstmals hat ein bayerischer Pfarrer einen Strafbefehl erhalten, weil er einem Flüchtling Kirchenasyl gewährt hatte. Der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Immenstadt, Ulrich Gampert, soll 4.000 Euro zahlen.

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Kirchenasyl gewährt: Strafbefehl für Pfarrer aus Immenstadt

Immer wieder wird gegen Pfarrer, die Kirchenasyl gewähren, ermittelt. Die Verfahren wurden in der Regel eingestellt. Doch jetzt hat ein bayerischer Pfarrer erstmals von einem Gericht einen Strafbefehl erhalten.

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Über ein Jahr lang hatte der evangelische Pfarrer Ulrich Gampert einem Afghanen Asyl in seiner Kirche in Immenstadt gewährt. Nun soll er 4.000 Euro Strafe zahlen. Ein entsprechender Strafbefehl des Amtsgerichts Sonthofen sei ihm zugestellt worden, bestätigte der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Immenstadt dem Evangelischen Pressedienst epd. Der Grund lautet "Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt" für den 22-jährigen Reza Jafari.

Abschiebestopp nach erfolgreicher Petition

Der Afghane hatte sich bereits zweimal einer geplanten Abschiebung entzogen. Vergangene Woche hatte der Petitionsausschuss des bayerischen Landtags einen sechsmonatigen Abschiebestopp für den jungen Mann beschlossen. Jafari konnte daraufhin das Kirchenasyl verlassen.

Es ist das erste Mal, dass ein bayerischer Pfarrer rechtlich belangt wird, weil er einem Flüchtling Kirchenasyl gewährt hat, meldet der epd unter Berufung auf die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. Bisher waren die Ermittlungen immer eingestellt worden.

Evangelische Landeskirche kritisiert Amtsgericht Sonthofen

Die Landeskirche kritisierte das Vorgehen der Justizbehörden. Es sei "bedauerlich, dass das Eintreten für Geflüchtete, das für uns Ausdruck von Humanität ist, bestraft wird", sagte die Ansprechpartnerin für Kirchenasyl in evangelischen Kirchengemeinden in Bayern, Susanne Henninger, dem epd. Nach Angaben der Evangelisch-Lutherischen Kirche gibt es derzeit in Bayern 33 Fälle von Kirchenasyl mit insgesamt 41 Personen.

Verlängerte Fristen machen es den Kirchengemeinden schwer

Nach dem 1. August 2018 gab es nach Angaben der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) für einige Monate einen Rückgang bei den Kirchenasylen. Zu diesem Datum hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Frist, innerhalb der Flüchtlinge in das Land zurückgeschickt werden können, über das sie eingereist sind, von sechs auf 18 Monate verlängert. Dies macht es für Kirchengemeinden schwieriger, Menschen vor einer Abschiebung zu bewahren.