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Kirchen und Frieden – Diskussion mit Marx und Bedford-Strohm | BR24

© Rundschau Magazin

Am Mittwochabend fanden die Augsburger Friedensgespräche zum Thema "Braucht der Frieden die Kirchen? Kirche der Zukunft - Zukunft der Kirche" mit dem evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx statt.

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Kirchen und Frieden – Diskussion mit Marx und Bedford-Strohm

"Braucht der Frieden die Kirchen?" Darüber diskutierten Kardinal Marx und der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm bei den "Augsburger Friedensgesprächen". Eine wichtige Frage in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen von den Kirchen abwenden.

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Der Goldene Saal im Augsburger Rathaus war voll besetzt. Hunderte waren gekommen, um bei der Begegnung von Kardinal Reinhard Marx und dem Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Heinrich Bedford-Strohm dabei zu sein. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, welche gesellschaftliche Kraft die Kirchen noch entfalten können, während sich immer mehr Menschen in Deutschland von ihnen abwenden.

Bedford-Strohm betont gesellschaftliche Kraft der Kirchen

Der EKD-Ratsvorsitzende und evangelische Landesbischof Bedford-Strohm verwies darauf, dass die Mehrheit der Deutschen Mitglied einer Kirche ist. Die Kirchen seien damit eine gesellschaftliche Kraft, die eine Kraft der Versöhnung sein sollte. Auch angesichts der Kriegsgefahr im Mittleren Osten komme den Kirchen wegen ihrer weltweiten Vernetzung eine besondere Bedeutung zu. Bedford-Strohm betonte aber, die Kirchen könnten nicht die Aufgabe der Politik übernehmen. In erster Linie sei bei der Lösung von Konflikten die Diplomatie gefragt.

Kardinal Marx warnt vor Missbrauch von Religion

Auch Kardinal Marx erklärte, die Kirchen seien keine politischen Akteure. Man könne nur mahnen und sich für Frieden und Versöhnung einsetzen. Er glaube, sagte Marx, alle Religionen dienten im Kern dem Frieden, kritisierte aber auch: "Manchmal ist dieser Kern sehr verschüttet." Marx betonte, Religion dürfe nicht gegen Menschen eingesetzt oder zum Machterhalt missbraucht werden.

Annäherung der Kirchen – Beispiel für einen Weg zum Frieden

Im Interview mit dem Rundschau Magazin erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm, auch die Kirchen selbst seien ein Zeichen des Friedens. So habe man etwa das Reformationsjubiläumsjahr 2017 gemeinsam gefeiert. Nach 500 Jahren Krieg, Gewalt und wechselseitiger Herabsetzung zwischen den Kirchen sei es möglich, Frieden und Gemeinschaft zu erreichen.

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Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche Deutschland, Bedford-Strohm, sieht die christliche Ökumene als Zeichen des Friedens. Auch zum Thema private Seenotrettung äußert er sich.

Bedford-Strohm verteidigt private Seenotrettung

Bedford-Strohm verteidigte auch sein Engagement für die private Seenotrettung im Mittelmeer. Diese hatte ihm Kritik aber auch Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen eingebracht. Bedford-Strohm betonte, die Seenotrettung sei Teil einer Gesamtstrategie. Es gehe darum, die Ursachen der Flüchtlingsbewegung zu bekämpfen und Menschen eine Perspektive zu geben. Bedford-Strohm sieht aber auch eine Verantwortung für Menschen in Notlagen: "Das ist einfach unsere menschliche Grundpflicht. Das muss klar sein. Wir lassen sie nicht ertrinken." Die Gastgeber der Friedensgespräche in Augsburg erklärten sich solidarisch mit Bedford-Strohm – und bekamen vom Publikum dafür viel Applaus.

Augsburger Friedensgespräche thematisieren religiöse Vielfalt

Im Rahmen der "Augsburger Friedensgespräche" tauschen sich zweimal im Jahr unter anderem Politiker, Wissenschaftler und Religionsvertreter aus. Immer geht es darum, was unsere Gesellschaft mit ihrer religiösen und kulturellen Vielfalt zusammenhält. Die Organisatoren sehen die Veranstaltungsreihe in der Tradition des Augsburger Religionsfriedens von 1555. Damals wurde der Grundstein für ein friedliches Verhältnis von Luthertum und Katholizismus gelegt.