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Kirchen stellen sich gegen Rechtspopulisten in eigenen Reihen | BR24

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Auf einer PEGIDA-Demonstration wird neben Deutschlandfahnen auch ein Kreuz mitgetragen. (Symbolfoto)

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Kirchen stellen sich gegen Rechtspopulisten in eigenen Reihen

Kirchen sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Rechtspopulistische Tendenzen machen auch vor ihren Pforten nicht halt. In Bayern ringen die Kirchen daher um Lösungen, wie sie mit Rechtspopulismus in den eigenen Reihen umgehen sollen.

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Viele Kirchengemeinden in Bayern müssen sich verstärkt mit rechtspopulistischen Tendenzen auseinandersetzen: Ehrenamtliche werden beschimpft oder bedroht, weil sie sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Einige Christen halten mit Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen und nationalem Gedankengut nicht hinter dem Berg.

Positionen innerhalb der Kirchen verschärfen sich

Die Positionen innerhalb der Kirchen verschärfen sich. Regelmäßig bekommt Martin Becher von der Projektstelle gegen Rechtsextremismus in Bayern Anfragen von Kirchenmitgliedern und Kirchenmitarbeitern zu rechtspopulistischen Tendenzen: "Das ist die Auseinandersetzung um Homosexualität, also Homophobie, das ist das Thema Gender und Gleichberechtigung und das ist das Thema Islam." Seit einiger Zeit stelle er fest, so Becher, dass Rechtspopulisten versuchen, einen Brückenschlag zur Kirche zu machen und sich dort zu verankern.

Das Forum deutscher Katholiken kritisierte beispielsweise unlängst bei seinem Kongress in Ingolstadt Regierungsvertreter dafür, das grundgesetzlich verbriefte Wort "Deutsches Volk" in "Bevölkerung" umgewandelt zu haben - eine Kritik mit deutlich rechtspopulistischem Zungenschlag.

Rechtspopulisten dringen in konservativ-bürgerlichen Kreisen ein

Nach Einschätzungen von Becher versuchen Rechtspopulisten vor allem in konservativ-bürgerlichen Kreisen ihre Themen zu setzen. Das hat Folgen: Der Diskurs innerhalb der Kirchen hat sich verschärft, beobachtet auch Siegfried Grillmeyer vom katholischen "Kompetenzzentrum für Demokratie und Menschenwürde" in Nürnberg.

Grillmeyer hat festgestellt, dass auch in Pfarrgemeinden die Positionen mittlerweile verhärtet sind. Das habe "nach 2015 mit der Diskussion um den Umgang mit Geflüchteten, mit Migration, ganz stark zugenommen".

"Hier überhaupt wieder Räume zu schaffen, dass man unterschiedliche Positionen diskutieren kann, ist schon einmal die größte Herausforderung." Siegfried Grillmeyer, "Kompetenzzentrum für Demokratie und Menschenwürde"

Kirchen veröffentlichen Handreichungen

Eine Entgiftung des Klimas sei dringend notwendig, sagt Grillmeyer. Die katholische Kirche hat deshalb im Juni eine Handreichung veröffentlicht, die mit Blick auf das christliche Menschenbild populistischem Denken eine Absage erteilt, aber auch Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Die evangelische Kirche hatte bereits Anfang des Jahres eine "Orientierungshilfe für Kirchenvorstände zum Umgang mit Rechtspopulismus" herausgegeben. Der evangelische Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche sieht bei menschenverachtenden Äußerungen eine Grenze erreicht. Es gebe Dinge, die müssten unsagbar bleiben und seien auch nicht vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt.

Rote Linie: christliches Menschenbild

Mit Blick auf die Kirchenvorstandswahlen habe die evangelische Kirche ihr Regeln geändert, so Nitsche. So sei für Kandidaten der Satz aufgenommen worden: "Sie wissen sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet." Dies sei genau die rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe, so der Regionalbischof.

"Es gibt Dinge, die sind bei uns nicht tragbar und darüber müssen wir reden und gegebenenfalls auch Konsequenzen ziehen." Regionalbischof Stefan Ark Nitsche

Bei rechtspopulistischen Äußerungen droht Amtsentzug

Das heißt: Gewählten Kirchenvorständen oder Kirchenparlamentariern, die sich rechtspopulistisch äußern, drohen Konsequenzen. Sie können ihr Amt verlieren. Das trifft auch auf Angestellte und Pfarrer zu. Bislang kennt Nitsche allerdings keinen Fall, wo dies geschehen ist.

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