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Kirche und Corona: So reagiert das Bistum Augsburg | BR24

© picture-alliance/dpa

Ein neuer Bischof für Augsburg: Bertram Meier

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    Kirche und Corona: So reagiert das Bistum Augsburg

    Im kirchlichen Rahmen kommen normalerweise viele Menschen zusammen. Doch die Corona-Krise ändert auch hier alles. Gottesdienste wurden abgesagt. Doch was ist nun etwa mit Beerdigungen oder Taufen? Der Augsburger Bischof Bertram Meier im Gespräch.

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    Herr Bischof Meier, wie geht Ihr Bistum mit der Krise um?

    "Ich denke, dass es hier um einen Spagat geht. Auf der einen Seite teilen wir die Sorge das auch bei uns die Corona-Welle, die eher eine Walze ist, die uns gerade überrollt, dass wir ihr nicht mehr Herr werden können. Wir können sie ohnehin nicht stoppen. Wir können höchstens ihre Wucht bremsen. Mit anderen Worten: Wir müssen alle Maßnahmen, die der Staat und die damit verbundenen Behörden ergreifen, nicht nur tolerieren. Wir müssen sie unterstützen, tragen und fördern. Das andere ist aber, dass die Kirche auch etwas zu bieten hat, was über die Welt hinausgeht. Wir haben eine Schatztruhe von Heilsmitteln, die auch jetzt in dieser schweren Zeit geöffnet werden soll. Denn viele Menschen hungern danach, dass ihnen auch über die Gesundheit des Leibes etwas für die Seele angeboten wird."

    Was heißt das konkret?

    "Auch in Notsituationen werden Sakramente gespendet. Wir suchen auch nach Möglichkeiten, dass ohne Gottesdienste in Seniorenheimen und den Krankenhäusern auch an einzelne die Heilige Kommunion ausgeteilt wird. Diesen Spagat wollen wir aushalten und müssen wir auch, um die Krise zu bewältigten. Ansonsten empfehlen wir, kirchliche Feiern wie Taufen, Trauungen, Firmungen und Erstkommunion bis Ende April bereits jetzt abzusagen. Aufgrund des Coronavirus sind derzeit Gottesdienste nur in leeren Kirchen möglich. Sie werden dann im Fernsehen, im Internet oder im Radio übertragen. Und Kirchen können nur noch für das persönliche Gebet geöffnet werden. Aber wie gesagt: Beichten und Krankensalbung bzw. Krankenkommunion bei Alten, Kranken und Sterbenden sind weiterhin Aufgabe der Seelsorger.

    Das Thema Beerdigung: Die müssen ja weiter stattfinden. Aber da haben sie sich bestimmte Auflagen gemacht, oder?

    "Ja, die Beerdigungen müssen stattfinden, aber die Feier des Requiems, die wir ja in der katholischen Kirche kennen, also den eigentlichen Trauergottesdienst, den wollen wir nach hinten verschieben. Und wir butten darum, den Kreis der Anwesenden klein zu halten. Ansonsten: Viele Seelsorgerinnen und Seelsorger, zuvorderst die Priester und Diakone, aber auch ich, wir kommen uns vor wie Spieler, die auf der Reservebank sitzen, aber nicht zum Einsatz kommen. Ich habe aber ganz deutlich in Gesprächen gesagt, dass diese Zeit jetzt nicht bedeutet: Wir machen pastorale Kurzarbeit."

    Wie wollen Sie die Menschen denn nun erreichen?

    "Wir müssen halt einfach fantasievoll sein. Seelsorge ist Beziehungsarbeit, und das kann man auch mit den neuen Medien, die wir alle zur Hand haben. Und ich kenne viele, auch gerade junge Geistliche, die hier echte Spezialisten sind. Die müssen wir einsetzen, um mit den Menschen in Verbindung zu kommen, um ins Gespräch zu kommen. Und da geht es auch um einen menschlichen Dienst. Denn der Weg der Kirche, ja, der Weg Gottes, ist der Mensch. Und das ist, glaube ich, jetzt wichtig. Wenn alle weggehen, muss die Kirche bleiben, ohne natürlich zum Sicherheitsrisiko zu werben."

    Was wäre Ihre Botschaft in diesen Tagen? Was können wir für uns tun?

    "Also ich glaube, dass diese Wochen eine Wüstenzeit sind, und das sage ich allen über die konfessionellen und religiösen Grenzen hinaus. Ich selber habe jetzt viel, viel mehr Zeit. Ich sage auch: Erstmal regt euch nicht auf, wir werden aus der Krise rauskommen. Wir müssen nur aufpassen, wie wir sie bestehen. Zweitens: Übernehmt füreinander Verantwortung, haltet die Hygienevorschriften ein. Aber zieht euch nicht zurück, grenzt auch alte, betagte, kranke Menschen nicht aus. Man kann einfache Dinge zum Beispiel Einkaufsdienste übernehmen. Überhaupt: Wie können wir wieder zum Kern der Menschlichkeit zurückkehren? Könnte es vielleicht auch dazu führen, noch enger zusammenzurücken als Menschen, als Gesellschaft, als Kirchen und Konfessionen untereinander? Ich habe in den letzten Monaten oft gesagt uns geht's zu gut in Bayern und in Deutschland. Deshalb machen wir oft Schattengefechte. Vielleicht ist das jetzt eine Relativierung."

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