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Pfarrer-Ehepaar will junge Menschen erreichen

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"Kirche neu denken" – Hochschulpfarrerpaar startet in Erlangen

"Kirche neu denken" – Hochschulpfarrerpaar startet in Erlangen

Ann-Sophie und Martin Hoepfner werden auch die "Videopfarrer" genannt – denn seit dem ersten Lockdown laden sie Gottesdienste und Musikvideos bei YouTube hoch. Jetzt hat das Ehepaar einen neuen Job: Kirche für junge Menschen an der Uni Erlangen.

"Auf zu neuen Ufern..." singt das Pfarrers-Ehepaar Ann-Sophie und Martin Hoepfner in seinem neuesten Musikvideo, während sie im Auto Richtung Erlangen fahren. Der Vorstellungsfilm, den sie auf ihrem eigenen YouTube-Kanal hochgeladen haben, richtet sich an die Studierenden der Universität Erlangen-Nürnberg. Denn die beiden sind seit Oktober die neuen Pfarrer an der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG). Angestellt bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern sind sie künftig für die Seelsorge an der Hochschule zuständig. Sie freuen sich sehr auf die Arbeit mit den jungen Menschen, weil sie "Kirche gerne neu denken", sagt Pfarrer Martin Hoepfner.

Gemeinsam Kochen, Spielen, Tanzen

Bereits vor ihrem ersten Gottesdienst wird gemeinsam gekocht. Zusammen mit einigen Studierenden schälen die Pfarrer kiloweise Kartoffeln, schneiden Auberginen und Kürbisse – alles kommt für ein indisches Gemüsecurry in einen riesigen Topf. An der ESG werden auch Spieleabende, Tanzkurse und gemeinsame Fahrten angeboten. Auf die neuen Aufgaben freuen sie sich sehr, sagt Martin Hoepfner: "Ausschlaggebend war tatsächlich die Arbeit mit den jungen Menschen, außerhalb einer klassischen Kirchengemeinde, die seit Jahrhunderten gewachsen ist. Hier verändert sie sich ständig, allein schon deshalb, weil die Studierenden mit ihren Wohnorten kommen und gehen."

Gottesdienst mit Wohnzimmer-Atmosphäre

Im dritten Stock der alten Villa, in der die ESG untergebracht ist, befindet sich die Kapelle. Ein großer Raum mit bodentiefen Fenstern, durch die man ins Grüne blickt. Vor dem Fenster steht ein schlichtes Holzkreuz, daneben einige Kerzen, einen Altar gibt es nicht. Der Raum ist mit Teppichboden ausgelegt, die Studierenden verteilen sich auf dem Boden oder auf bunten Sitzkissen. Der Gottesdienst steht unter dem Motto: "Was glaubst denn Du?" Die beiden Pfarrer stehen selbst nur mit Strümpfen, Kapuzenpulli und Jeans bekleidet vorne und gehen der Frage nach, wo Gott zu finden sein könnte.

Gelebte Ökumene

Untern den Teilnehmern sind auch viele katholische Studierende, denn die evangelische und die katholische Hochschulgemeinde arbeiten in Erlangen eng zusammen. Alle Gottesdienste finden als ökumenische Gottesdienste statt. Konfessionsunterschiede spielen auch für das Pfarrers-Ehepaar keine Rolle. In der ESG sei jeder willkommen, egal woher er kommt oder an was er glaubt. Auch wer Hilfe braucht ist hier willkommen – niemand müsse einen "Glaubensnachweis" vorlegen, um diese in Anspruch zu nehmen. Bei der Seelsorge geht es oft auch um ganz irdische Dinge wie Liebeskummer oder Geldsorgen.

"Kirche muss zu den Menschen hingehen"

Anschließen versammeln sich mehr als 30 Studierende in der Cafeteria, die Pfarrer verteilen das selbst gekochte Gemüsecurry. Kirche wird hier als eine fröhliche Gemeinschaft junger Christen gelebt. Dafür müsse man aber dorthin gehen, wo die Menschen sind, sagen Ann-Sophie und Martin Hoepfner, sei es an der Hochschule oder in den sozialen Netzwerken. Deshalb wollen sie ihre wöchentlichen Video-Andachten auf jeden Fall beibehalten. Aber auch neue Formate testen, die sich an jüngere Gläubige richten. Sie machen sich auf dem Weg zu neuen Ufern, um junge Leute auch heute noch für Kirche zu begeistern.

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