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Kirche in Poing erhält weltweit anerkannten Architekturpreis | BR24

© Gemeinde St. Michael, Poing

Neubau der katholischen Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer in Poing

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Kirche in Poing erhält weltweit anerkannten Architekturpreis

Für den Neubau der katholischen Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer in Poing hat ein Münchner Architekturbüro einen weltweit renommierten Preis gewonnen. Das Dach des auffälligen Gebäudes ist inspiriert von einem Fingerspiel für Kinder.

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Von
  • Tanja Gronde
  • Susanne Hagenmaier

Seit dem Jahr 2018 hat Poing im Landkreis Ebersberg einen Blickfang in der Ortsmitte. Prominent an der Hauptstraße erhebt sich ein äußerst ungewöhnliches Gebäude: eine niedrige Basis aus Stein, darauf ein riesiges, weiß gekacheltes, mehrfach gefaltetes Dach. Allein das Kreuz auf der höchsten Spitze macht deutlich, dass man vor einer Kirche steht.

Für dieses Gebäude, die katholische Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer, hat das Münchner Architektenbüro "meck architekten" jetzt einen weltweit renommierten Architekturpreis für Kirchenbauten gewonnen, den "International Prize for Sacred Architecture Fondazione Frate Sole". Unter 113 Einreichungen aus 33 Ländern hat sich die Poinger Kirche als Sieger durchgesetzt.

Kirche in Poing: ein Dach wie gefaltetes Papier

Von außen weckt das gefaltete Dach aus weißen Keramik-Kacheln viele Assoziationen. Manche Menschen fühlen sich an ein überdimensioniertes Stück Origami erinnert, also an japanische Papierfaltkunst – und sind damit gar nicht so weit weg von der ersten Idee der Architekten Andreas Meck und Axel Frühauf. Sie hatten "Himmel und Hölle" gefaltet, das alte Kinderfingerspiel, das sich leicht aus einem quadratischen Papier falten lässt.

Das Ergebnis hat vier Spitzen, lässt sich über vier Finger stülpen und dann in zwei Richtungen öffnen. Innen sind die Felder bemalt: Blau für den Himmel , Rot für die Hölle. So lässt sich mit einem Griff weissagen, ob das Gegenüber in den Himmel oder in die Hölle kommen wird – als Spiel wohlgemerkt.

© picture alliance/imageBROKER/Manfred Bail

Auch im Inneren der katholischen Kirche in Poing lässt sich das außergewöhnliche Dach erleben.

Das Kreuz: Man spürt es, aber sieht es nicht

Im Inneren der Kirche fällt auf: Nirgendwo hängt ein Kreuz. Nicht in der Mitte des Raums und auch nicht hinter dem Altar. Das Kreuz versteckt sich in der statischen Konstruktion der Decke, es entsteht durch die Dachfaltung – und dass es da ist, merke man, so Architekt Axel Frühauf: "Ich bin der Überzeugung, dass so etwas spürbar ist im Raum. Viele Dinge müssen wir nicht verstehen, sondern es reicht, wenn wir es fühlen."

Architekturpreis eine Bestätigung für die Architekten

Entgegen dem Trend ist Poing eine wachsende Kirchengemeinde. Beim Gottesdienst sei die Kirche immer voll, erzählt der Kirchenpfleger. Doch das Gebäude polarisiert auch die Gemeinde. Umso mehr freut man sich im Architekturbüro Meck über die Auszeichnung: "Der Preis ist für alle, die an diesem Bauwerk mitgewirkt haben, und er ist auch Ansporn, den Weg weiter zu gehen", sagt Geschäftsführer Axel Frühauf.

Sein Kollege Andreas Meck konnte den Preis nicht mehr entgegen nehmen. Er starb 2019 nach kurzer schwerer Krankheit. Und so sei der Preis auch ihm gewidmet, sagt Frühauf.

© BR

Vor zwei Jahren wurde die Kirche "Seliger Pater Rupert Mayer" in Poing geweiht. Wegen ihres Aussehens wird sie scherzhaft als "Sprungschanze Gottes" bezeichnet. Ihre Architekten erhielten nun die weltweit höchste Auszeichnung für sakrale Architektur.

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