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Kinderpsychiater warnen vor Lockdown-Folgen | BR24

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Kontaktbeschränkungen und Heimunterricht statt Schule und Freunde treffen. Für die Kinder- und Jugendlichen ist die Situation schwierig. Kinder- und Jugendpsychiater warnen vor den Folgen. Notfälle - auch schwere - nehmen unter ihren Patienten zu.

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Kinderpsychiater warnen vor Lockdown-Folgen

Geschlossene Schulen und Kontaktbeschränkungen statt Freunde treffen: Der Corona-Alltag trifft Kinder und Jugendliche hart. Psychiatrische Einrichtungen bestätigen, dass das Folgen für junge Patienten hat.

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Von
  • Andreas Wenleder
  • BR24 Redaktion

Sabine Kübber und Ute Spät haben in ihrer Regensburger Praxis eigentlich immer viel zu tun. Durch die Corona-Einschränkungen haben die Kinderpsychiaterin und die Sozialpädagogin zwar insgesamt nicht mehr Patienten, doch die Störungsbilder seien deutlich ausgeprägter als in den Vorjahren, sagt Psychiaterin Kübber. "Die ganze soziale Situation hat sich für die Kinder verändert. Dann spitzt sich eine Symptomatik oft zu, die vielleicht vorher schon vorhanden war."

Symptome verstärken sich

Angst-Störungen, depressive Verstimmungen, aber auch Essstörungen, wie Magersucht oder starke Gewichtszunahme, müssen Kübber und ihr Team zurzeit immer wieder beobachten. Gerade in Familien, in denen die Eltern durch die derzeitige Situation selbst stark belastet sind, übertrage sich das auch auf die Kinder. Zwar gebe es auch viele Familien, die den Einschränkungen auch etwas positives abgewinnen können, sagt Sozialpädagogin Ute Spät: Mehr gemeinsame Zeit, weniger Termine und Verpflichtungen etwa. Doch mit zunehmender Dauer der Einschränkungen falle auch das schwerer, sagt Spät.

Mehr Notfälle am Bezirksklinikum

Auch am Regensburger Bezirksklinikum sind die Pandemie-Folgen schon seit Monaten sichtbar. Insgesamt sei die Zahl der Patienten 2020 im Vergleich zu den Vorjahren zwar nicht gestiegen, sagt der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie Romuald Brunner, doch nach dem ersten Lockdown habe die Zahl der Notfälle mit ein wenig Verspätung deutlich zugenommen. Die Jugendlichen berichten, dass ihnen vor allem die Kontaktbeschränkungen zu schaffen machen. Aber auch der Druck, den ausgefallenen Unterricht nachzuholen, sei für viele Patienten ein Problem. "Sie machen sich jetzt schon Sorgen, wie ihnen der Einstieg gelingen wird, wenn die Schulen wieder öffnen", sagt Brunner. Gerade auf Schüler, die sich schon vor der Pandemie schwergetan haben, müsse deshalb jetzt besonders geachtet werden.

Struktur und Bewegung können hilfreich sein

Bei Problemen können sich Eltern und Kinder an Erziehungsberatungsstellen, an den Kinderschutzbund (Eltern-Hotline: 0800 – 111 0 550; Kinder-Notruf: 0800 - 111 0 333) oder zum Beispiel auch an den Hausarzt wenden, sagt Sozialpädagogin Ute Spät. Auch wenn nicht immer eine schwerwiegende psychiatrische Krankheit bestehen muss, kann es ein Warnzeichen sein, wenn sich Kinder und Jugendliche stark isolieren, Schlaf- oder Essstörungen entwickeln. Vorbeugend kann bei der Bewältigung eine feste Tagesstruktur helfen. Gemeinsame Mahlzeiten und ein geordneter Tagesablauf seien sinnvoll, sagt Spät. Ebenso könne Bewegung helfen. Auch sei es wichtig, dass jeder in der Familie einen Rückzugsort habe, so die Sozialpädagogin.

Kinderpsychiaterin plädiert für Schulöffnungen

Gerade in sozial schwächeren Familien ist das aber nicht immer möglich. In vielen fehlen zudem die Ressourcen und Möglichkeiten, die Kinder während des Heimunterrichts zu unterstützen. Aus Sicht ihres Berufsstands sollten Schulen und Kitas deshalb schnell wieder öffnen, sagt Kinderpsychiaterin Sabine Kübber. Lehrern und Erziehern würden Fehlentwicklungen bei Kindern und Familien oft schneller erkennen. Das sei derzeit aber kaum möglich. "Ich mache mir um die Kinder und Familien Sorgen, die vorher schon nicht gut aufgestellt waren", sagt Kübber. Kinder, die in dieser Zeit besser gefördert werden, ziehen an den weniger gut geförderten vorbei, prognostiziert die Psychiaterin. "Da stellt sich schon die Frage: Wie werden diese Kinder das aufholen können?"

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