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Kinderpornografie aus der Whatsapp-Gruppe? | BR24

© DPA-Bildfunk

Soziale Netzwerke wie Whatsapp oder Telegram können zum Verschicken von illegalen Bild- oder Videodateien verwendet werden. (Symbolbild)

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    Kinderpornografie aus der Whatsapp-Gruppe?

    Die Polizei hat mehrere Wohnungen in den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg nach kinder- und jugendpornografischen Dateien durchsucht. Teilweise haben die Beschuldigten die Dateien in Sozialen Netzwerken zugeschickt bekommen.

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    In sogenannten Messenger-Apps wie Whatsapp oder Telegram werden Videos und Fotos, die in Gruppen gepostet werden, normalerweise automatisch heruntergeladen. Der IT-Rechtsanwalt Christian Solmecke aus Köln sagt: Damit könne man sich bereits strafbar machen. Denn: Das kinderpornografische Foto oder Video wird auf dem Gerät des Empfängers automatisch gespeichert. Der Empfänger befindet sich also rechtlich im Besitz der illegalen Datei: "Wenn man solche Videos zugeschickt bekommen hat, ist man direkt im Besitz von kinderpornografischem Material", so Solmecke.

    Vorsatz oder Versehen?

    Bei solchen Fällen kommt es nach Angaben des Internet-Experten aber auch noch darauf an, in welchen Gruppen solche Dateien geteilt werden. "Es kommt auf den Vorsatz an, man muss 'wollen', dass man solche Videos zugeschickt bekommt, man muss auch den Besitz wollen", sagt Rechtsanwalt Solmecke. Sollte man also eine entsprechende Whatsapp-Gruppe abonniert haben, in der solche Videos geteilt werden, wäre es bereits eine Straftat, wenn einem eine solche Datei zugeschickt wird. Es macht also einen Unterschied, ob es sich um eine "einschlägige" Gruppe handelt oder eine ganz andere Gruppe, in der ein Benutzer solche Fotos oder Videos sozusagen "unerwartet" teilt. Wenn man im zweiten Fall gleich zur Polizei gehe, sagt der Anwalt, habe man gute Chancen, straffrei aus der Sache herauszukommen.

    Strafmündigkeit und Verantwortung der Eltern

    Fünf der neun Tatverdächtigen, so heißt es von der Polizei, sind Minderjährige, der Jüngste ist erst 13 Jahre alt. Weil Kinder unter 14 Jahren grundsätzlich strafunmündig sind, kann sich der 13-jährige Tatverdächtige also nicht strafbar machen. Und auch die Eltern werden zunächst nicht belangt. Laut Rechtsanwalt Solmecke kann in solchen Fällen aber das Jugendamt eingreifen, um beispielsweise zu prüfen, ob die Eltern grob ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Das wäre dann etwa der Fall, wenn sie wissentlich toleriert haben, dass ihr Kind derartige Dateien besitzt. Hier komme es aber ganz auf den jeweiligen Fall an – eine pauschale Aussage könne man nicht treffen.

    Regelmäßige Kontrolle und "darüber reden"

    Die Polizei rät Eltern deswegen auch, die Smartphones ihrer Kinder regelmäßig zu kontrollieren. Darüber mit Teenagern zu diskutieren, ist nicht einfach. Ein gangbarer Weg könnte für Eltern aber sein, mit ihren Kindern offen über das Thema zu sprechen, sie auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die ihnen selbst oft gar nicht bewusst sind.

    Nur mit Bekannten chatten

    Eine ganz konkrete Vorsichtsmaßnahme zum Beispiel könnte sein, sich nur an solchen Chatgruppen zu beteiligen, bei denen man alle Teilnehmer persönlich kennt. Außerdem lässt sich in den Einstellungen von Messenger-Apps wie Whatsapp auch festlegen, dass Videos und Bilder nicht sofort automatisch heruntergeladen werden, sobald jemand sie in einer Gruppe teilt. So kann man den strafbaren Inhalt eventuell vorher erkennen und das Foto oder Video gar nicht erst herunterladen.

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