BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Christoph Scheule
Bildrechte: pa/dpa/Arne Dedert

Wegen der Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie hat die Polizei im Allgäu 21 Wohnungen durchsucht. Strafbar macht sich bereits, wer solche Dateien etwa auf dem Smartphone herunterlädt. So war ein Beschuldigter zum Tatzeitpunkt erst zwölf.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kinderporno-Razzia: Durchsuchungen bei jungen Allgäuern

Wegen der Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie hat die Polizei im Allgäu 21 Wohnungen durchsucht. Strafbar macht sich bereits, wer solche Dateien etwa auf dem Smartphone herunterlädt. So war ein Beschuldigter zum Tatzeitpunkt erst zwölf.

Per Mail sharen
Von
  • Christoph Scheule
  • Johanna Kempter

Es ist ein deutliches Signal, das Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Kempten mit ihrer erneuten Kinderporno-Razzia aussenden wollen. "Wir fahren da ganz klar null Toleranz", sagte Kripo-Chef Josef Ischwang bei einer Pressekonferenz. Nach seinen Angaben durchsuchten Polizisten am Dienstagmorgen ab sechs Uhr 21 Wohnungen und Häuser im südlichen Oberallgäu. Die Beschuldigten: junge Männer und Frauen, die zur Tatzeit im November 2019 zwischen 18 und 23 Jahre alt waren. Einer der Beschuldigten war damals gar erst zwölf.

Kinderpornografisches Video über Chat-Gruppe verbreitet

Sie stehen unter Verdacht, Bildmaterial von sexualisierter Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche besessen oder verbreitet zu haben - oder beides. Die Einsatzkräfte beschlagnahmten 21 Smartphones. Anlass für die Razzia war ein kinderpornografisches Video, das im vergangenen Jahr sichergestellt wurde und das einer der nun Beschuldigten im November 2019 in einer Chat-Gruppe verbreitet hatte. "Da haben Eltern große Augen bekommen, als wir morgens um sechs Uhr klingelten und die Wohnung durchsuchten, da ihr Kind eben in dieser Gruppe war", kommentierte Kripo-Chef Ischwang die Aktion. Beim Verdacht der Kinderpornografie mache es keinen Unterschied, welches Alter der Handy- oder der Internetnutzer habe.

Schon Download und Besitz strafbar

Die Ermittler wiesen bei der Pressekonferenz darauf hin, dass bereits der Besitz solcher Abbildungen von sexualisierter Gewalt einen Straftatbestand darstellen. Mehr noch: Bereits das automatisierte Herunterladen über soziale Medien und Messenger-Dienste auf das Handy könne den Straftatbestand erfüllen. Das wüssten viele nicht, hieß es in Kempten.

Aufklärung von Kindern und Jugendlichen

Polizei und Staatsanwaltschaft erhoffen sich von der Aktion nun auch eine präventive Signalwirkung. Sie forderten alle Eltern auf, mit ihren Kindern über die Gefahren solcher Gruppen und Bilder zu sprechen und sie dafür zu sensibilisieren.

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder

Oberstaatsanwältin Katrin Eger sagte, die Bilder und Videos seine virtuell und schnell weitergeleitet. "Aber der Missbrauch, den sie zeigen, der ist echt!", mahnte sie. "Hinter jeder kinderpornografischen Datei steht ein Kind, das sexuelle Gewalt erfahren hat. Und deswegen werden wir auch hinter jeder dieser Dateien her sein."

Die sichergestellten Smartphones der Beschuldigten werden jetzt ausgewertet. Nach Abschluss solcher Verfahren erhalten die Betroffenen ihre Geräte häufig nicht mehr zurück, sondern müssen stattdessen in der Regel sogar eine Geldstrafe zahlen, so die Polizei. Das Strafmaß erstrecke sich von Sozialstunden für Jugendliche über Geldbußen bis hin zu Freiheitsstrafen.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick - kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!