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Kinderheim Reitenbuch: Bistum sucht Missbrauchsopfer

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Kinderheim Reitenbuch: Bistum sucht Missbrauchsopfer

Es geht um Prügelattacken und sexuellen Missbrauch: Das Bistum Augsburg möchte die Vorfälle im Kinderheim Reitenbuch aufklären, wo es vor mehreren Jahrzehnten zu Übergriffen auf Kinder gekommen sei. Jetzt werden weitere mögliche Opfer gesucht.

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Alle Hinweise würden vertraulich behandelt. "Wir wollen Licht ins Dunkel bringen", so Elisabeth Mette, die frühere Präsidentin des Bayerischen Landessozialgerichts. "wir wenden uns an alle, die bisher geschwiegen haben oder nicht ausreichend gehört wurden". Sie zieht dabei eine Parallele zu den Vorfällen im Kinderheim Hl. Kreuz/Cassianeum in Donauwörth: "Ich habe den Bericht übers Cassianeum gelesen, das ist so harte Kost, das können Sie nicht an einem Stück durchlesen. Und ich fürchte, dass mir solche schwere Kost auch bevorsteht".

Hinweise werden vertraulich behandelt

Alle Hinweise würden vertraulich behandelt. Das Bistum Augsburg will die lange zurück liegenden Missbrauchsfälle im Kinderheim Reitenbuch im westlichen Landkreis Augsburg aufklären und hat daher heute mögliche Opfer aufgerufen, sich zu melden. Unter der Telefonnummer 0821/3166-8393 oder unter projektgruppe.reitenbuch@bistum-augsburg.de können Betroffene Kontakt aufnehmen mit der unabhängigen Projektgruppe rund um Elisabeth Mette.

Prügelattacken und sexueller Missbrauch

Wie Diözesandirektor Andreas Magg dem BR sagt, sollen sich von 1956 bis 1983 drei Geistliche übergriffig gegenüber Heimkindern geworden sein, 16 Fälle seien bislang bekannt, die Vorwürfe betreffen körperliche Gewalt, "regelrechte Prügelattacken", aber auch sexuellen Missbrauch.

Es gehe derzeit um 15 Buben und ein Mädchen. Tatort sei etwa das Pfarrhaus oder ein Bienenhaus gewesen. Auch ein Nachbar des Kinderheims soll sich an einem Kind vergangen haben. Auch Klosterschwestern sollen Gewalt angewendet haben.

Haupttäter bereits verstorben

Die Haupttäter seien alle verstorben, so Magg: "Nichts desto trotz wollen wir aufklären (...) den Menschen gerecht werden und ihrer leidvollen Geschichte." Magg sagte weiter, diese "Vorfälle gehen an mir nicht spurlos vorüber", zu erfahren, "bis hin zum Ekel, was da passiert ist".

Reiner Sroka, der Rechtsdirektor der Diözese Augsburg, teilte mit, dass acht Betroffene bereits Entschädigungen erhalten haben, in Höhe von insgesamt 73.000 Euro. Der Appell der Projektgruppe umfasst auch ehemalige Zöglinge des Marienheims in Baschenegg bei Ustersbach, obwohl es von dort derzeit keine Hinweise auf Gewalt oder Missbrauch gebe, so Sroka.

Elisabeth Mette arbeitet sich derzeit in die vorliegenden Akten ein und rechnet damit, dass weitere Fälle bekannt werden. Für sie dränge sich die Frage auf, sagte sie dem BR, ob eine Struktur dahinter stehen - oder wie es sein könne, dass drei Geistliche in Folge "diesen Makel auf sich laden" konnten.