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Kinderärzte in Bayern am Limit | BR24

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Aufnahmestopp in vielen Kinderarztpraxen. Besonders betroffen sind Schwangere und Familien, die wegen eines Umzugs den Arzt wechseln wollen. Das Problem: Die Planung der Politik geht am tatsächlichen Bedarf vorbei. Eine Lösung scheint nicht in Sicht.

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Kinderärzte in Bayern am Limit

Aufnahmestopp in vielen Kinderarztpraxen. Besonders betroffen sind Schwangere und Familien, die wegen eines Umzugs den Arzt wechseln wollen. Das Problem: Die Planung der Politik geht am tatsächlichen Bedarf vorbei. Eine Lösung scheint nicht in Sicht.

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Familie Rotschuh ist kürzlich in ein Neubaugebiet im Münchner Norden umgezogen. Eigentlich sollte alles gut sein im neuen Zuhause. Doch wird eines der Kinder krank, wird es schwierig. Denn ohne Auto gleicht der Weg zum Kinderarzt einer Odyssee.

"Wir sind dann eineinhalb Stunden in eine Richtung unterwegs - also drei Stunden insgesamt - wir laufen erst 20 Minuten zur Tram-Haltestelle, fahren dann mit der Tram, der U-Bahn und dem Bus. Das ist ganz schön happig." Frauke Rotschuh

4.500 Menschen - und alle Kinderärzte sind voll

Denn keine der Kinderarztpraxen in ihrer Nähe nimmt neue Patienten auf. Alle sind voll.

"Ich habe bestimmt bei 15 Kinderärzten angerufen, die haben alle gesagt, wir haben Aufnahmestopp. Das hat dann solche Auswüchse, dass ich mit meiner Tochter bei meinem Hausarzt war. Die sagen alle, wir können keinen mehr aufnehmen - tut uns leid." Frauke Rotschuh

Und das obwohl in dem Neubaugebiet Prinz Eugen Park in München bald 4.500 Menschen wohnen sollen - viele davon Kinder.

Sonderbedarf in Kinderarztpraxis nicht anerkannt

Auch die Kinderarztpraxis von Lampros Kampouridis im Landkreis Ebersberg ist völlig überlastet – seit Jahren muss Kampouridis regelmäßig Kinder ablehnen: "Es stellt sich schon die Frage, ob Kinder und Jugendliche gleich behandelt werden wie Erwachsene. Natürlich sind wir die Hausärzte der Kinder, werden aber nicht so eingeteilt." Denn Kinderärzte gelten als Fachärzte - und sind deshalb im Vergleich für mehr Patienten zuständig als beispielsweise ein normaler Hausarzt.

Lampros Kampouridis wollte an seiner Notsituation etwas ändern und hat bei der kassenärztlichen Vereinigung einen Sonderbedarf beantragt, um offiziell eine weitere Ärztin beschäftigen zu dürfen. Nach drei Jahren Papierkrieg hat er verloren. Es hieß: kein Sonderbedarf.

Überversorgte Regionen? Die Realität sieht anders aus

Das Problem ist, dass Kinderärzte sich vielerorts nicht niederlassen dürfen - denn laut der Kassenärztlichen Vereinigung sind fast alle Regionen in Bayern überversorgt. Rein rechnerisch. Die Realität sieht oft anders aus. So auch in der Augsburger Kinderarztpraxis von Martin Lang. Sein Personal befindet sich im Dauerstress, Eltern müssen mit ihren kranken Kindern stundenlang warten - und Schwangere wollen sich bereits vor der Geburt anmelden, weil sie Angst haben, später keinen Arzt zu finden. Für Kinderarzt Martin Lang sind das unhaltbare Zustände.

"Ich finde das armselig für unsere Gesellschaft, dass wir heute, wenn wir Kinder kriegen, darum betteln müssen, dass wir eine adäquate Versorgung kriegen. Ich finde, das sollte selbstverständlich sein." Martin Lang, Kinderarzt

Neue Richtlinien und ein veränderter Schlüssel sollen im kommenden Jahr zusätzliche Kinderärzte bringen. Aber ob sich diese Kinderärzte dann auch dort niederlassen dürfen, wo es brennt, ist völlig offen.