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Kinder vor Folgen psychischer Gewalt schützen | BR24

© picture alliance/chromorange

Psychische Gewalt kann für die betroffenen Kinder gravierende Folgen haben.

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Kinder vor Folgen psychischer Gewalt schützen

Ängstlich, regungslos, schreckhaft: Das sind häufige Symptome bei Kindern, die psychischer Gewalt ausgesetzt waren. Experten warnen vor den Spätfolgen und fordern ein härteres Durchgreifen gegen gewalttätige Erzieherinnen und Erzieher.

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Sie seien "wie ein faules Ei" im Kita-Team: Erzieherinnen, die Kindern gegenüber psychische Gewalt anwenden. So formuliert es die Erdinger Kita-Leiterin Birgit Parnklip. "Täterinnen" nennt sie Anke Ballmann vom Institut für kindgerechte Pädagogik. Sie hat schon viele Fälle beobachtet, in denen Betreuer Kindern psychische Schäden zugefügt haben und fordert harte Konsequenzen.

Kinder-Experte warnt vor Spätfolgen

Die betroffenen Kinder haben lange mit den Folgen zu kämpfen und brauchen Hilfe. Professor Karl-Heinz Brisch kennt die Fälle. Er ist Experte für frühkindliche Entwicklung, war Leiter der psychosomatischen Abteilung der Haunerschen Kinderklinik in München und leitet jetzt den Lehrstuhl Early Lifecare an einer Universität in Salzburg. Er warnt: "Wenn das nicht irgendwie aufgegriffen wird, behandelt wird, dann kann das Spätfolgen haben, weil die Kinder dann später auch in Beziehungen eher Angst haben und Stress erleben, als dass sie dort emotionale Sicherheit erleben können."

Anzeichen für seelische Misshandlungen

Brisch ist klar, dass Eltern oft gar nichts von der psychischen Gewalt in der Kita erfahren, weil ihre Kinder sich nicht trauen, davon zu erzählen – oder noch gar nicht sprechen können. Mögliche Anzeichen seien schon ab dem vierten Lebensmonat feststellbar. Die Kleinen zeigten sich dann oft ängstlich, abweisend, regungslos, schreckhaft oder angespannt. Sie könnten auch Ess- und Schlafstörungen entwickeln.

Manche Kinder würden von körperlichen Beschwerden berichten, die sie de facto nicht haben, um so auf psychische Schmerzen aufmerksam zu machen. Bei ernsten Anzeichen sollten Eltern auf jeden Fall professionelle Hilfe aufsuchen, rät Anke Ballmann vom Institut für kindgerechte Pädagogik. Und: Eltern müssten das Gespräch mit der Kita-Leitung suchen.

© BR/Reinhard Weber

Anke Ballmann vom Institut für kindgerechte Pädagogik fordert ein härteres Durchgreifen gegen gewalttätige Erzieherinnen.

Im Ernstfall: Anzeige bei der Polizei erstatten

Hilft das Gespräch in der Kita nicht, empfiehlt Anke Ballmann, sich an den Kita-Träger zu wenden oder an das übergeordnete Jugendamt beziehungsweise an das Landesjugendamt. In schwerwiegenden Fällen könnten Eltern auch Anzeige bei der Polizei erstatten.

Personalmangel als Ursache für psychische Gewalt an Kindern

Wie kommt es zu psychischer Gewalt in Kitas? Birgit Parnklip, die Leitung der Kita des Kinderland e.V. Erding, sieht eine Ursache im chronischen Personalmangel. Das Problem: es gibt zu wenig Erzieherinnen und Erzieher. Per Gesetz haben Eltern seit 2013 Anspruch auf einen Kitaplatz. Nur in der Ausbildung von Fachkräften kommt man dem rasant gestiegenen Bedarf nicht hinterher.

Zwar müsse die Kita den sogenannten Fachkraftschlüssel halten, so Parnklip, entscheidend sei aber die Qualität des Personals. Ihr Fazit: "Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass man lieber mit weniger Leuten arbeitet, aber dafür mit guten." So könne man schwierige Situationen besser auffangen, als wenn man jemand im Team habe, der wie ein faules Ei sei und alles ein bisschen vergifte.

Härteres Durchgreifen gefordert

Doch was kann man tun, um psychische Gewalt gar nicht erst aufkommen zu lassen? Anke Ballmann vom Institut für kindgerechte Pädagogik fordert für die Zukunft ein hartes Durchgreifen: "Wenn bekannt wird, was selten genug bekannt wird, dass Kindern Gewalt angetan wird, dann werden stundenlang Gespräche geführt, und die Täterinnen bekommen immer noch eine Chance und noch eine Chance. Es sind mir entschieden zu wenig arbeitsrechtliche Konsequenzen." Irgendwann müssten einfach Menschen, die nicht gut zu Kindern sind, aus diesem Beruf raus.

Strengere Schutzvorschriften sind nötig

Auch Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, spricht sich für Konsequenzen aus. Er fordert "eine Verschärfung der bestehenden Schutzvorschriften und eine aktive Überprüfung durch die Landesjugendämter." Weiter sei die bundesweite Einrichtung von Trägern unabhängiger Ombuds- und Beschwerdestellen wichtig, sowie ein Beschwerdemanagement in den Kindertageseinrichtungen.

© BR

"Was auf den Tisch kommt, wird gegessen!" "Du stellst dich in die Ecke!" Viele sind mit solchen Aufforderungen aufgewachsen. Auch in einigen Kitas werden Kinder so "erzogen". Noch normale Erziehungsmethode oder psychische Gewalt?