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Kinder verstießen gegen Corona-Regeln: Polizeieinsatz umstritten | BR24

© BR/Achim Winkelmann

Eine Vielzahl von unerlaubten Treffen beschäftigt derzeit die Polizei in Unterfranken. 26 Einsätze wegen Verstößen gegen die Kontaktbeschränkungen zählte sie allein am vergangenen Wochenende. Ein Einsatz ist aber noch Tage später umstritten.

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Kinder verstießen gegen Corona-Regeln: Polizeieinsatz umstritten

Eine Vielzahl von unerlaubten Treffen beschäftigt derzeit die Polizei in Unterfranken. 26 Einsätze wegen Verstößen gegen die Kontaktbeschränkungen zählten Beamte allein am vergangenen Wochenende. Ein Einsatz ist aber noch Tage später umstritten.

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Von
  • Achim Winkelmann

Sie kamen mit vier Mannschaftswagen, einschließlich eines Hundeführers mit seinem Hund: Der Polizei-Großeinsatz in Höchberg im Landkreis Würzburg war jedoch keine Drogenrazzia. Stattdessen hatten sich rund 20 Kinder und Jugendliche am Sonntagnachmittag auf einem Kunstrasenplatz verabredet und gekickt.

Einige Jugendliche ergriffen die Flucht in ein nahegelegenes Wäldchen. Letztlich konnte die Polizei 14 Personen in Gewahrsam nehmen. Gegen acht Jugendliche und Erwachsene wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Vater wünscht sich mehr Fingerspitzengefühl

War der Einsatz - so wie er stattgefunden hat - verhältnismäßig? Darüber wird auch Tage danach im Ort und in sozialen Netzwerken diskutiert. Thomas Scheder wurde zum Sportplatz gerufen, weil sein 15-Jähriger Sohn unter den Zuschauern war.

In einem Facebook-Post hat er seine Verwunderung zum Ausdruck gebracht - was bisher überwiegend positiv kommentiert wurde. Nicht nur er, vor allem die Kinder und Jugendlichen seien über die vielen Polizeiautos und Beamte erschrocken gewesen, sagt er im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

Er sei alles andere als ein Kritiker der Corona-Maßnahmen, sagt Scheder. Die Art des Einsatzes finde er aber unverhältnismäßig. "Was die Jugendlichen gemacht haben war nicht rechtmäßig und die Polizei absolut im Recht, ich hätte mir etwas mehr Fingerspitzengefühl gewünscht." Gerade bei Jugendlichen sei es doch wichtig, dass sie Vertrauen gegenüber der Polizei hätten. Das solle man nicht mit so einer Aktion kaputtmachen.

Polizei will Einsatz nachbereiten

Die Polizei rechtfertigt den Einsatz, bei dem vier Streifenwagen zum Einsatz kamen damit, dass ihnen ein Fußballspiel auf einem regulären Fußballplatz mit 14 Teilnehmern und Zuschauern gemeldet worden sei. Der Hundeführer sei "zufällig in der Nähe gewesen", und habe sich kurzerhand dem Einsatz angeschlossen.

"Wenn uns gemeldet wird, dass fünf Kinder auf einem Spielplatz Fußball spielen, dann fällt so ein Einsatz natürlich kleiner aus", sagt Polizeisprecher Michael Zimmer. Er geht davon aus, dass der Einsatz noch einmal fachlich nachbereitet und dabei auch das Thema "Augenmaß" zur Sprache kommen wird.

Corona-Partys werden zur Belastung

Grundsätzlich aber werden die Einsätze wegen Corona-Beschränkungen für die Ordnungshüter zunehmend zur Belastung. Allein am vergangenen Wochenende musste die unterfränkische Polizei zu 26 Einsätzen ausrücken und insgesamt 168 Menschen kontrollieren.

In der Mehrzahl habe es sich dabei um private Treffen im öffentlichen Raum gehandelt. So versammelten sich in Sulzbach am Main 20 Personen an einem Grillplatz, an einem Lagerfeuer in Großheubach (beides Landkreis Miltenberg) feierten sieben Heranwachsende ohne Maske und mit reichlich Alkohol.

Ruhestörungen, Drogen, Pöbeleien

Daneben wird die Polizei immer wieder wegen Ruhestörung alarmiert. In Schweinfurt feierten 15 Beteiligte im Studentenwohnheim, in Würzburg in der Haugerpfarrgasse elf Personen aus verschiedenen Haushalten. Weil einige der Beteiligten Drogen konsumiert hatten und sich äußerst uneinsichtig zeigten, mussten mehrere Streifen anrücken und Platzverweise aussprechen.

Hohe Bußgelder drohen

Alle Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten werden jetzt in den betroffenen Landratsämtern und Städten geprüft, heißt es aus dem Landratsamt Würzburg. Nach einer schriftlichen Anhörung und einer Bewertung des Sachverhalts werde dann der Bußgeldbescheid zugestellt. Je nach Schwere des Verstoßes betrage das Bußgeld dabei 150 bis 25.000 Euro. Diese Regelsätze könnten bei schweren Verstößen und Wiederholungstätern sogar noch erhöht werden.

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