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Kinder unter Quarantäne: Wenn die Familie Kopf steht | BR24

© dpa-tmn

Ein Kind in Corona-Quarantäne.

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    Kinder unter Quarantäne: Wenn die Familie Kopf steht

    Bayern setzt bei der Quarantäne von Kindern auf "Trennung" - und ausdrücklich nicht auf "Isolierung". Dabei ist vielen Betroffenen der Unterschied nicht klar. Denn so oder so bleiben es harte Wochen für die ganze Familie.

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    Für Familien mit Kindern könne häusliche Quarantäne eine besondere Herausforderung darstellen, schreibt das Robert-Koch-Institut in einer Broschüre zum Thema. Wie das in der Praxis aussieht, hat Familie Clemmbach* aus München am eigenen Leib erfahren. Seit gestern ist ihr neunjähriger Sohn Franz ein so genannter K1-Fall. Der Junge könnte sich bei einer Mitschülerin in einer Grundschule in Pasing angesteckt haben.

    Gesundheitsamt meldet sich nicht

    Die Schule hatte sich gestern telefonisch bei Familie Clemmbach gemeldet, weil die Mutter einer Viertklässlerin positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Auch ihre Tochter wurde anschließend positiv getestet. Die Schule hat deswegen die gesamte Klasse in Quarantäne geschickt und alle betroffenen Familien informiert, so auch die fünfköpfige Familie Clemmbach. Laut Corona-Hotline der Stadt München soll sie sich 14 Tage getrennt von ihrem Sohn Franz daheim aufhalten. Das zuständige Gesundheitsamt hat bisher jedoch keinen Kontakt aufgenommen, bedauert die Familienmutter.

    "Es ist schon blöd, dass man vom Gesundheitsamt noch nichts gehört hat. Aber ich kann das verstehen, dass die jetzt auch extrem viel um die Ohren haben und hoffentlich melden die sich dann bald." Mutter Heike Clemmbach

    Was gilt jetzt?

    Seit gestern sind die Eltern der Familie Clemmbach im Homeoffice. Bei Heike Clemmbach war dies weniger problematisch, weil sie im Öffentlichen Dienst tätig ist und ihr Arbeitgeber entsprechend reagieren konnte. Beim Arbeitgeber von Vater Maximilian Clemmbach ist das nicht so einfach. Er wird nach dem Test gleich wieder zurück in den Lebensmittelhandel müssen. Homeoffice ist für den Familienvater kaum eine Option: "Wie genau die Regeln einzuhalten sind, ist uns auch nicht ganz klar. Was bedeutet Trennung und was ist da der Unterschied zur Isolierung?"

    Soll ihr neunjähriger Sohn sich tatsächlich komplett isolieren, Kontakt zu Eltern und Geschwistern meiden? Ist einem Kind das zuzumuten? Auch diese Fragen stellen sich die Clemmbachs seit gestern.

    Ganz ohne Kontakt geht es nicht

    Seit gestern sitzt Franz allein in seinem Zimmer. Denn nach den ersten Infos der Corona-Hotline soll er keinen Kontakt zu den anderen Familienangehörigen haben. Der Neunjährige hat deswegen jetzt ein eigenes Bad und eine eigene Toilette. "Das konnten wir bei uns so einrichten, aber Franz kommt dennoch ab und zu mit seiner Maske aus dem Zimmer und will halt mal gedrückt werden. Anders geht das auch nicht. Wir nehmen jetzt gemeinsam die Mahlzeiten draußen ein. Wir versuchen ein vernünftiges Maß zu finden“, sagt seine Mutter Heike Clemmbach. Franz findet die Quarantäne nach einem Tag doch schon etwas langweilig. Gestern habe er sich noch gefreut, dass er am Mittwoch sein Gedicht nicht auswendig vorsprechen muss, so Heike Clemmbach.

    Offiziell keine Isolation von Kindern in Bayern

    Gesundheitsämter in Bayern haben Eltern bislang nicht dazu aufgefordert, ihre Kinder in häuslicher Quarantäne getrennt von der Familie in einem Raum zu isolieren, wenn beim Kind ein Corona-Verdacht besteht. Das erklärt zumindest das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen auf BR-Anfrage. Das bayerische Gesundheitsministerium verweist im Zusammenhang mit einem Corona-Verdacht oder einer Covid19-Infektion bei einem Kind auf die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts. Diese sehen unter anderem "nach Möglichkeit" eine "zeitliche und räumliche Trennung der Kontaktperson von anderen Haushaltsmitgliedern" vor – zum Beispiel dadurch, "dass Mahlzeiten nicht gemeinsam, sondern nacheinander eingenommen werden". Wie das Ministerium auf BR-Anfrage schreibt, gelte diese "jedoch unabhängig vom Alter der Personen".

    *alle Namen von der Redaktion geändert.

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