Dominik Benedens hat Cannabis als Therapie für Morbus Crohn verschrieben bekommen.
Bildrechte: BR / Peter Allgaier

Dominik Benedens hat Cannabis als Therapie für Morbus Crohn verschrieben bekommen.

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    Kiffen für die Forschung: Cannabis in der Wissenschaft

    Kiffen für die Forschung: Cannabis in der Wissenschaft

    Hanfblüten kommen seit Jahren als Arzneimittel in Deutschland zum Einsatz. Doch wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkung einzelner Cannabis-Sorten sind noch rar. Eine Leipheimer Firma will das zum Wohl der Patienten jetzt ändern.

    "Ich hatte wirklich gedacht, mein Leben sei vorbei", sagt Dominik Benedens. Er ist gerade Anfang 20, als eine Krankheit seine Zukunftspläne durchkreuzt: Morbus Crohn. Die Darmentzündung verursacht Schmerzen und dauerhafte Durchfälle. Immer wenn der nächste Schub kommt, kann er nicht mehr arbeiten.

    Cannabis als Alternative zu Cortison?

    Die Ärzte behandeln ihn zunächst mit Cortison, doch die Krankheit wurde dadurch kaum besser, erzählt Benedens und berichtet auch von Nebenwirkungen: "Die Mediziner haben festgestellt, dass meine Knochen spröder wurden." Er setzt schließlich Cortison ab und sucht nach Alternativen. Fündig wird er bei Cannabis.

    In Leipheim werden Cannabis-Blüten überprüft

    Das Pharmaunternehmen "Bavaria Weed" im Landkreis Günzburg importiert Blüten aus Kanada und verkauft sie dann an Apotheken. Auch wenn in den vergangenen Jahrzehnten viel über Cannabis debattiert wurde, ist die Studienlage zur medizinischen Nutzung noch eher dürftig.

    Wirkungsweise einzelner Sorten

    Es gibt zwar Erfahrungen von Nutzern, aber wenig gesichertes Wissen, wie zum Beispiel einzelne Sorten wirken. "Einige machen dich kreativer und fokussierter, andere beruhigen eher und sind schlaffördernd", sagt Stefan Langer, der Standortleiter in Leipheim.

    Mit einer groß angelegten Untersuchung will er ausreichend Daten sammeln, um wissenschaftlich fundierte Aussagen treffen zu können: "Wenn ein Patient diese oder jene Probleme hat, dann wollen wir ihm ganz gezielt mit einer bestimmten Sorte helfen können."

    Jahrtausende alte Heilpflanze

    Hanf ist schon seit Jahrtausenden als Heilpflanze bekannt und taucht bereits in den Schriften von Hildegard von Bingen auf. Er enthält Hunderte Wirkstoffe, von denen die Gruppe der Cannabinoide wohl am bekanntesten ist.

    THC ist eine psychoaktive Substanz und größtenteils verantwortlich für die berauschende Wirkung des Cannabis. Vor allem in der Lebensmittelindustrie hält CBD Einzug, das inzwischen Tees, Limonaden oder Kaugummis beigemischt wird, aber nicht "high" macht.

    CBD: Umstrittener Nutzen für die Gesundheit

    Der gesundheitliche Nutzen von CBD ist allerdings umstritten, Fragen zu Neben- und Wechselwirkungen, etwa mit Medikamenten, sind noch nicht ausreichend geklärt. "Was bislang eher noch unbeachtet ist, ist die Gruppe der Terpene", sagt Langer, die ätherischen Ölen ihren charakteristischen Duft verleihen. Sie kommen auch in Cannabis vor und sollen ebenfalls sehr gesundheitsfördernd wirken.

    Kasse übernimmt die Cannabis-Therapie nicht

    Dominik Benedens jedenfalls ist überzeugt vom medizinischen Nutzen des Cannabis: "Ich hab jetzt keine Schmerzen mehr, die Entzündung und die Durchfälle wurden weniger und ich kann jetzt einfach wieder am Leben teilnehmen". Obwohl ein Arzt ihm Cannabis verschrieben hat, übernimmt die Versicherung keine Kosten, der heute 29-Jährige trägt sie selbst.

    Er müsste erst "austherapiert" sein, also alle anderen gewöhnlichen Behandlungen versucht haben, schreibt seine Versicherung. Davon hatte ihm sein Arzt wegen möglicher Nebenwirkungen allerdings abgeraten, betont Benedens.

    Cannabis in der Schmerztherapie

    Seit 2017 dürfen Mediziner Cannabis verordnen, um damit verschiedenste Leiden zu kurieren, zuvor war dies nur im Einzelfall für Schwerstkranke möglich. Es kommt vor allem bei Schmerzpatienten zum Einsatz, wird aber auch gegen ADHS, Spastik oder Depressionen verschrieben.

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