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"KIES" - Künstler unterstützen Rosenheimer Jazzclub bei Corona | BR24

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Thomas Jonas im leeren Jazzclub "Le Pirat"

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"KIES" - Künstler unterstützen Rosenheimer Jazzclub bei Corona

"Kunst ist Ehrensache" – mit verschiedenen Aktionen unter diesem Motto versucht ein Rosenheimer Kulturförderverein derzeit, den weit über die Stadt hinaus bekannten Jazzclub Le Pirate zu retten. Der legendäre Club soll nach Corona wieder öffnen.

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"Kunst ist Ehrensache" oder kurz und mehrdeutig: "KIES"– mit Aktionen unter diesem Motto versucht ein Rosenheimer Kulturförderverein derzeit, den weit über die Stadt hinaus bekannten Jazzclub "Le Pirate" über die Corona-Zeit zu retten.

Musiker aus der ganzen Welt waren hier zu Gast – vor Corona. Derzeit sieht es aber düster aus: Wie viele anderen Clubs und Bars auch, steht das legendäre "Le Pirate“ kurz vor der Schließung.

Leer und totenstill ist es im Jazzclub

Dieser Anblick tut weh: Leere Stühle und Tische, der Deckel des Klaviers auf der kleinen Bühne: geschlossen. Und vor allem: absolute Ruhe.

"Es ist immer a Trauer, wenn ich hier reinkomme, wenn da koa Betrieb ned ist, es ist einfach schrecklich, i komm ab und zu mal rüber, hör bissl Musik an, aber da fühlt man sich einfach ned wohl, wenn da koa Leben ist." Thomas Jonas

Der Sternekoch Thomas Jonas hat den legendären Rosenheimer Jazzclub "Le Pirate" erst im Januar übernommen, im Februar hat er nach der Übergabe wieder aufgemacht – und im März kam der Lockdown. Das Geld, das er dafür investiert hat, seine Ersparnisse sind längst weg.

Und so geistert ein Gedanke immer wieder in seinem Kopf herum: Wenn es so weiter geht mit Corona, mit den Schließungen, Beschränkungen – dann kann er das Pirate nicht mehr lange halten.

"Des is des, was die Gastronomen der Regierung ankreiden. Sie haben ein Hygienekonzept erarbeitet, nachweislich gab es keine Infektionen in den Betrieben und dass da alles dicht gemacht wird, das verstehen viele nimmer." Thomas Jonas

Sternekoch füllt Supermarktregale auf

Denn er hat Fixkosten: rund 1.500 Euro muss er jeden Monat zahlen, für die Miete, Versicherungen, Telefon. Verdienen tut er derzeit – im Pirate – keinen einzigen Cent. Um wenigstens seine eigene Wohnung und sein Essen bezahlen zu können, wird Sternekoch Jonas Regale einräumen in einem Supermarkt. Stammkunden sorgen sich um den Betreiber des Jazzclubs. Einige wollen sich engagieren wie Irmi Lüers, aus Sorge um den Wirt und aus Sorge um die Künstler, die keine Auftrittsmöglichkeiten mehr haben.

"Die jungen Musiker, die da sonst a Auftrittsmöglichkeit ham, zum bekannt werden, die ham halt gar nix. Meine Befürchtung ist, wenn die Pandemie vorbei ist, dass die weg san vom Fenster, das dad mir sehr leid, weil da vui Musiker san, die sehr begabt san." Irmi Lüers

Irmi Lüers ist Stammkundin im "Le Pirate", zwei Mal die Woche war sie da, vor Corona, bei jedem Konzert. Gut für ihre Seele sei die Live-Musik, erzählt sie. Das Pirate darf nicht schließen, sagt sie – also hat sie – wie bereits viele andere – gespendet für ihre Stammkneipe. Rosenheim ohne Pirate, unvorstellbar, auch für Wolfgang Lentner.

"Ich wissat koa Lokal weit und breit, wo die Kunst, die Kultur so viel Raum kriegt, wie hier im Pirate. Wenn ma mit de Musiker redt, de sagen, es ist so wichtig, dass diese Clubkultur ned kaputt geht." Wolfgang Lentner

Rosenheimer Künstler stiften Bilder fürs "Le Pirate"

Und dafür hat Wolfgang Lentner, der Vorsitzende des Kulturfördervereins "Le Pirate Rosenheim" die Aktion KIES gestartet - Kunst ist Ehrensache. Erstens bittet er Freunde des Pirate um regelmäßige Spenden, zweitens haben drei Rosenheimer Künstler Bilder gestiftet, die ersteigert werden können und drittens versteigert er jede Woche Schallplatten auf ebay. Dabei geht es ihm um die Werbung, damit der Club im Gespräch bleibt und natürlich darum, dass Geld reinkommt. Denn es muss etwas passieren. Alle vier Wochen werden die Fixkosten fällig, gnadenlos, wie Lentner sagt.

Jazzclub mit Auflagen - schwierig auch nach dem Lockdown

Selbst wenn die Gastronomie bald wieder öffnen dürfte, im legendären Jazz-Wohnzimmer in Rosenheim wird noch lange nicht alles so sein wie vor Corona.

"Wir ham Abstände, nur zwei Musiker auf der Bühne. Jeder zweite Platz ist frei." Wolfgang Lentner

Das Auf und Ab mit dem Infektionsgeschehen und den Regeln. Das ist schwierig für die Betreiber. Alles ist sehr kurzfristig. Dann gibt es momentan keine internationalen Gruppen, die auf Europatour sind. Wolfgang Lentner vom Kulturverein schätzt, dass es noch mehr als ein Jahr geht, bis die Einschränkungen wieder verschwunden sein werden.

Es ist schwer, an die Corona-Hilfen zu kommen

Und bis dahin muss Wirt Thomas Jonas jeden Monat seine Fixkosten zahlen können. Sonst könnte die fast 50-jährige Ära des legendären Jazzclubs ein trauriges Ende finden.

© BR / Julia Binder

Rosenheimer Künstler stiften Bilder für den Jazzclub Pirate

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Thomas Jonas präsentiert eines der Bilder, die Rosenheimer Künstler gestiftet haben.

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Sonst gibt es im Le Pirate Livemusik ...

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Thomas Jonas, Irmi Lüers und Wolfgang Lentner.

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"Kunst ist Ehrensache" - mit verschiedenen Aktionen unter diesem Motto versucht ein Rosenheimer Kulturförderverein derzeit, den weit über die Stadt hinaus bekannten Jazzclub Le Pirate zu retten. Der steht wegen Corona vor dem Aus.

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