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Kies-Flut an der Isar: Anwohner und Fischer fordern Lösung | BR24

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An der Oberen Isar zwischen Krün und dem Sylvensteinspeicher liegt viel Kies herum. Er ist wichtig für die besondere Vegetation dort, doch zugleich auch ein Problem für die Anwohner und Fische.

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Kies-Flut an der Isar: Anwohner und Fischer fordern Lösung

An der Oberen Isar zwischen Krün und dem Sylvensteinspeicher liegt viel Kies. Er ist wichtig für die besondere Vegetation dort, doch zugleich auch ein Problem für die Anwohner und Fische.

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Solche Bilder tun jedem Naturfreund weh: das Isarwasser ist versickert. Ausgewachsene oder ganz kleine Fische liegen auf dem Trockenen. Hans-Peter Schanderl hat 40 dieser Austrocknungen in den letzten Jahren dokumentiert, die Trockenstellen ziehen sich teilweise über mehrere Kilometer.

"Das fürchterlich ist: Wenn Sie sehen, wie die Fische zappeln, wenn weiter unten die Krähen den Fischen die Augen auspicken, das machen sie als erstes, das ist einfach herzzerreißend." Hans-Peter Schanderl, Kreisfischereiverein Garmisch-Partenkirchen

Sinkt der Wasserspiegel, versickert die Isar im Kies - Fische sterben

Schuld am Verschwinden der Isar hat das Isarwehr in Krün. Dort wird ein Großteil des Isarwassers zum Walchensee für das Kraftwerk abgeleitet.

Im ursprünglichen Flussbett verbleibt ein Restwasser, mindestens drei Kubikmeter pro Sekunde, und das gesamte Kies-Geschiebe. Das ist offensichtlich zu viel für das wenige Wasser, immer wieder verschwindet es unter den Kiesmassen. Bei Hochwasser wird gerne ein ganzer Schwung Kies aus dem Stausee gespült. Sinkt danach der Wasserspiegel, versickert die Isar im lockeren Kies und die Fische sterben - obwohl das Versickern nach EU-Richtlinie eigentlich verboten ist, sagt Hans-Peter Schanderl vom Kreisfischereiverein Garmisch-Partenkirchen.

"So steht es eigentlich auch im Vertrag, so steht es in der Natura 2.000: Durchgängigkeit, Aufbau der Koppenpopulation, man will, dass seltene Fischarten hier leben können und ein Auskommen haben." Hans-Peter Schanderl, Kreisfischereiverein Garmisch-Partenkirchen
© Hans-Peter Schanderl, Kreisfischereiverein Garmisch-Partenkirchen

Sinkt der Wasserspiegel, versickert die Isar im Kies. Die Folge: Fische sterben.

© Hans-Peter Schanderl, Kreisfischereiverein Garmisch-Partenkirchen

Sinkt der Wasserspiegel, versickert die Isar im Kies. Die Folge: Fische sterben.

© Hans-Peter Schanderl, Kreisfischereiverein Garmisch-Partenkirchen

Sinkt der Wasserspiegel, versickert die Isar im Kies. Die Folge: Fische sterben.

Versickertes Isarwasser hebt Grundwasserspiegel

Ein weiteres Problem ist, dass die Menge an Kies immer wieder das Isar-Wasser aus dem Flussbett verdrängt, welches versickert und so den Grundwasserspiegel anhebt. Weil die gesetzliche Mindesttiefe aber neu festgelegt wurde, musste die Gemeinde Wallgau im Juni vorübergehend ihr Trinkwasser von der Nachbargemeinde beziehen. Dabei habe die Gemeinde schon seit Jahren in München auf die ungelöste Kiesproblematik hingewiesen, sagt Bürgermeister Hansjörg Zahler von der CSU.

"Uns hat der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer versprochen, das Problem mit nach München zu nehmen und zu lösen. Und uns wurde immer wieder zugesichert, dass durch ein Planfeststellungsverfahren Rechtssicherheit hergestellt wird. Das Ganze ist bis heute nicht passiert." Hansjörg Zahler, Bürgermeister von Wallgau

Kies für Vegetation wertvoll

Also einfach mehr Kies aus dem Flussbett baggern? Das ist bislang nur unter sehr strengen Vorgaben möglich. Denn der Kies ist für die Vegetation gleichzeitig sehr wertvoll.

Der Grund: Seit Bau des Walchenseekraftwerks vor fast 100 Jahren bis Anfang der 1990er-Jahre lag die Isar fast das ganze Jahr über trocken. Die Folge war, dass zwischen Krün und dem Sylvensteinstausee im trockenen Flussbett eine seltene Schuttvegetation Fuß fassen konnte. Und die ist jetzt gefährdet, seitdem nun wieder regelmäßig Restwasser fließt und Bäume und wuchern können.

Suche nach Lösungen

Vom Umweltministerium heißt es gegenüber dem BR, dass man an einem abgestimmten Gesamtkonzept zur Kiesproblematik arbeite, und die unterschiedlichen Interessenlagen bestmöglich berücksichtige. Bis wann dieses Konzept vorliegen soll, dazu gab das Ministerium keine Auskunft.

Eine Lösung wäre, oberhalb des Stausees einen Kiesfang zu bauen, und dort 30 Prozent des Kieses zu entnehmen. Doch der Wallgauer Bürgermeister ist gegen einen solchen Kiesfang, er will den Kies unten im Flussbett herausbaggern. Das liegt zwar im Naturschutzgebiet, aber ein örtlicher Kies-Unternehmer könnte gleich in der Nähe den Kies weiterverarbeiten.

Würde der hingegen den Kies oben am Stausee entnehmen, würde das viel Verkehr für die Orte Krün und Wallgau bedeuten.

"Es ist jetzt anzunehmen, nachdem der hiesige Unternehmer auch großen Bedarf an Kies hat, der wird dann wahrscheinlich sich da oben in der Hauptsache bedienen, und wenn er das tut, dann fährt er durch die Gemeinde Krün durch und an der Gemeinde Wallgau entlang." Hansjörg Zahler, Bürgermeister von Wallgau

Kreisfischerverein: "Isar ist keine Kiesgrube"

Die Fischer wollen unbedingt den Kiesfang oben und auf keinen Fall die Isar weiter belasten. Hans-Peter Schanderl:

"Die Fahrten der Lastwagen durch die Ortschaften, die kann man vermeiden, indem man einen anderen Weg sucht, und der ist zu finden. Für mich ist die Isar ein wertvoller Naturfluss für Mensch und Tier und nicht einfach nur eine Kiesgrube." Hans-Peter Schanderl vom Kreisfischereiverein Garmisch-Partenkirchen

Der Umgang mit dem vielen Isar-Kies wird sich nicht leicht lösen lassen.

© BR

Aus der oberen Isar wird viel Wasser in den Walchensee abgezweigt. So viel, dass das restliche Flussbett im Kies verlandet. Folge: einerseits Fischsterben, andererseits neuer Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen. Trotzdem muss der Kies raus.