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30 Jahre nach einem Brandanschlag in Kempten, bei dem ein fünfjähriger Bub ums Leben gekommen war, wird wieder ermittelt. Es gibt Hinweise auf ein rechtsextremes Motiv. "Allgäu rechtsaußen" beklagt, dass ein Bekennerschreiben lange ignoriert wurde.

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Kempten: Rechtsextremes Motiv bei Brandstiftung 1990?

30 Jahre nach einem Brandanschlag in Kempten, bei dem ein fünfjähriger Bub ums Leben gekommen war, wird wieder ermittelt. Es gibt Hinweise auf ein rechtsextremes Motiv. "Allgäu rechtsaußen" beklagt, dass ein Bekennerschreiben lange ignoriert wurde.

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Von
  • Viktoria Wagensommer
  • Johanna Kempter

Der 17. November 1990 wird bei der betroffenen türkischen Familie wohl für immer in schrecklicher Erinnerung bleiben: Nach einem gelegten Brand in einem Mehrfamilienhaus in Kempten stirbt der fünfjährige Sohn im Krankenhaus an den Folgen einer Rauchgasvergiftung. Weitere Familienmitglieder werden schwer verletzt. Jetzt, dreißig Jahre später, wird erneut der Vermutung nachgegangen, dass es sich um einen Anschlag Rechtsradikaler gehandelt haben könnte. Der Anstoß für die neuen Ermittlungen kam vom Portal "Allgäu rechtsaußen".

Monatelange Recherchen führen zu Neuaufnahme der Ermittlungen

Sebastian Lipp von "Allgäu rechtsaußen" kam der Fall verdächtig vor. Um der Frage nachzugehen, ob der Fall ein rechtsextremes Motiv haben könnte, hat er monatelang nach Hinterbliebenen des Anschlags gesucht und konnte schließlich Kontakt zu ihnen aufnehmen. Zusammen mit einer Redaktionskollegin hat er so erfahren, dass nach der Brandstiftung viel in Richtung der Betroffenen selbst ermittelt worden war.

Wurde das Bekennerschreiben der "Anti-Kanaken-Front Kempten" ignoriert?

Obwohl den Ermittlungsbehörden ein Bekennerschreiben der "Anti-Kanaken-Front Kempten" in Runenschrift und mit Hakenkreuz bekannt war, wurde ein rechtsradikales Motiv "Allgäu rechtsaußen" zufolge vermutlich – wie in anderen Fällen in dieser Zeit auch – schnell von den Behörden ausgeschlossen. Stattdessen gingen die Ermittler wohl dem Verdacht eines Rache- oder Wut-Motivs in den Reihen der Bewohner selbst nach. Denn im Vorfeld des Brandes soll es Streit wegen der Nutzung des Erdgeschosses gegeben haben. Nach zwei Jahren wurden die Ermittlungen ohne Ergebnis eingestellt.

Zentralstelle ermittelt wegen Mordes

Von der Generalstaatsanwaltschaft München heißt es jetzt, das Bekennerschreiben der "Anti-Kanaken-Front Kempten" sei keineswegs ignoriert worden. Es habe bei den ersten Ermittlungen eine Rolle gespielt. Im Oktober wurde laut Generalstaatsanwaltschaft eine Presseanfrage gestellt. Aus dieser habe sich ergeben, dass Menschen mit rechtsradikalem Hintergrund in der Nähe des Tatorts gewohnt haben. Dem gehe die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus, kurz ZET, nun nach. Der Tatvorwurf laute nun nicht mehr schwere Brandstiftung, sondern Mord.

Fall könnte Teil einer Brandstiftungs-Serie im Allgäu sein

Die Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag hat eine kleine Anfrage an das Innenministerium gestellt und wollte unter anderem wissen, ob angesichts der Hinweise auf weitere ungeklärte Brandanschläge in den 1990er Jahren eine generelle Überprüfung von möglicherweise übersehenen Anschlägen mit rechtsextremen und rassistischen Motiven geplant ist. In der Antwort von Innenminister Joachim Herrmann heißt es, auch mögliche Verbindungen zu Brandstiftungen in Kaufbeuren, Immenstadt und Kempten würden untersucht.

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