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Der Archäologe Matthias Leicht hat vor mehr als 20 Jahren den Keltenschatz in Manching gefunden.

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Keltengold-Entdecker: "Ich bin entsetzt und schockiert"

Keltengold-Entdecker: "Ich bin entsetzt und schockiert"

Vor mehr als 20 Jahren hat der Archäologe Matthias Leicht den Keltenschatz entdeckt, der nun aus dem Kelten-Museum in Manching gestohlen worden ist. Er sei "entsetzt und schockiert" – und befürchtet für die Münzen das Schlimmste.

26. August 1999. Der Archäologe Matthias Leicht untersucht die Baustelle eines Neubaugebiets in Manching mit seinem Team nach verborgenen Keltenschätzen. Dass hier welche zu finden sind, ist wahrscheinlich. Früher stand hier mal ein Oppidum, eine größere keltische Siedlung. Was er an diesem Tag finden würde, daran hätte er wohl im Traum nicht gedacht.

Münze zufällig entdeckt

Es ist kurz nach Feierabend an diesem Tag, erinnert sich Leicht im Gespräch mit BR24. Nur noch seine Assistentin und er sind an der Grabungsstelle. Auf einmal entdeckt er eine gelbliche Verfärbung im Boden, kaum größer als 30 Zentimeter. Mit dem Finger bohrt er in der Erde herum – und hat auf einmal eine Goldmünze in der Hand. Mit einem Metalldetektor geht er die Fundstelle ab und er erkennt: Hier ist noch mehr vergraben.

Weil es in Manching immer wieder Raubgrabungen gibt – Verbrecher, die illegal nach Keltenschätzen suchen – arbeiten Leicht und seine Assistentin bis in den Abend hinein: Sie graben, suchen und dokumentieren alles, was sie finden. Am Ende sind es 451 Goldmünzen – Experten bezeichnen das als größten keltischen Goldfund des Jahrhunderts.

Münzen sind "Teil meines Lebens"

Heute, gut 23 Jahre später, arbeitet Matthias Leicht noch immer als Archäologe. Derzeit für die Firma ADA Archäologie in Weißenburg. Von dem Diebstahl "seiner" Münzen aus dem Kelten-Museum in Manching hat er aus den Medien erfahren. "Ich bin entsetzt und schockiert und habe heute Nacht auch relativ schlecht geschlafen", sagt Leicht. Die Münzen seien "ein Teil meines Lebens, meiner Karriere", fügt er noch hinzu.

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Die aktuelle Grabungsstelle von Matthias Leicht in Weißenburg.

Einschmelzen wäre das "Schlimmste"

Er gehe davon aus, dass es sich bei dem Vorfall um eine "organisierte Geschichte handelt, vielleicht sogar um einen Auftrag". Leicht hofft, dass der Schatz wieder gefunden wird – oder dass er zumindest nicht eingeschmolzen wird. "Das wäre das Schlimmste".

Doch die Chance darauf ist wohl eher gering: Denn die Münzen seien so auffällig, dass man sie auf dem Kunstmarkt gar nicht verkaufen könnte. Eingeschmolzen sei ihr Wert zwar geringer, aber immer noch beträchtlich.

Soko ermittelt

Im Kelten-Museum Manching sind Unbekannte am Dienstag eingedrungen und haben die wertvollen Kelten-Münzen gestohlen. Aktuell ermittelt die Polizei mit einer 20-köpfigen Spezialeinheit. Zur selben Zeit sind in einem Verteilerzentrum der Telekom Glasfaserkabel durchtrennt worden. Die Ermittler gehen derzeit von einem Zusammenhang aus.

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