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Hier rollt erstmal nichts - wegen des Teil-Lockdowns sind die Gaststätten geschlossen

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    Keine Zahlen über Rückverfolgung von Ansteckung bei Gästen

    Das bayerische Gesundheitsministerium weiß nicht, wie oft Ämter Gästelisten angefragt haben, um Infektionsketten zurückzuverfolgen. Das ergab eine Anfrage der FDP im Landtag. Welche Rolle spielen also Gaststätten beim Infektionsgeschehen?

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    Von
    • Rüdiger Kronthaler

    Oft bekommen es Wirte schlicht nicht mit, wenn bei ihnen ein mit Corona infizierter Mensch zu Gast war. Denn bei der Rückverfolgung von Infektionsketten im gastronomischen Bereich werden zunächst nur diejenigen informiert, die engen Kontakt zum Infizierten hatten. Das heißt: länger als eine Viertelstunde, ohne Maske und mit einem geringeren Abstand als 1,5 Metern.

    In den meisten Fällen sind die Kontaktpersonen Bekannte der infizierten Person und haben gemeinsam an einem Tisch gesessen. Die Telefonnummer ist also schnell gefunden, und das Gesundheitsamt ruft direkt bei der Kontaktperson an, ohne dass der Wirt das mitbekommt.

    Abfrage nur bei engem Kontakt mit unbekannten Gästen

    Wenn aber die infizierte Person mit einer ihr unbekannten Personen im Wirtshaus in engerem Kontakt war, dann benötigt die Gesundheitsbehörde die Gästeliste, um die Kontaktpersonen über das Ansteckungsrisiko informieren zu können. Statistisch wird dies aber nicht gesondert erfasst.

    Gesundheitsreferat München: gesonderte Wirtshaus-Statik zu aufwendig

    Um also für München herauszufinden, wie viele Menschen sich in Wirtshäusern angesteckt haben könnten, müssten alle Einzelinfektionen mit Kontaktpersonen gesondert ausgewertet werden. "Dieser Aufwand ist in der aktuellen Pandemie-Situation nicht zu leisten", teilte das Referat für Umwelt und Gesundheit in München mit.

    KVR München: Im Oktober rund 100 Hygiene-Verstöße in Gastronomie

    Voraussetzung dafür, dass es reicht, immer nur die unmittelbaren Kontaktpersonen zu informieren und nicht sämtliche Gäste, ist, dass in den Gaststätten die Hygieneverordnungen eingehalten werden. Das ist nicht immer der Fall: Laut Kreisverwaltungsreferat wurden in München im Oktober vor dem "Lockdown light" rund 100 Bußgeldverfahren wegen infektionsschutzrechtlicher Verstößen eingeleitet.

    US-Studie: Restaurants haben Ausbreitung stark begünstigt

    Derzeit ist die Ansteckungslage in Bayern diffus und nicht mehr auf einzelne Hotspots zurückführbar. Eine in dieser Woche erschienene Studie aus den USA legt jedoch nahe, dass die Gastronomie bei der Ausbreitung der Pandemie eine überproportional große Rolle gespielt hat.

    Denn die Studie hat mit Hilfe einer immensen Datenanalyse – vereinfacht gesagt – die Verweildauer von Infizierten ausgewertet, und festgestellt, dass überall dort das Infektionsgeschehen hoch war, wo sich viele Menschen in geschlossenen Räumen über längere Zeit aufhielten. Untersucht wurde das Verhalten von 98 Millionen Menschen zwischen März und Mai in Metropolen. Allerdings galten in den USA andere Hygienevorschriften als hier, und die Forscher räumen einige Unschärfen der Datengrundlage ein.

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