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Bayern

Keine Versorgungsengpässe - aber Probleme für Produzenten | BR24

© dpa-Bildfunk/Uwe Anspach

Kartoffeln werden derzeit laut dem Bayerischen Bauernverband verstärkt nachgefragt.

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    Keine Versorgungsengpässe - aber Probleme für Produzenten

    Experten sind sich einig: Es sind keine Versorgungsengpässe bei Lebensmitteln durch die Corona-Krise zu erwarten. Dennoch werden Produzenten die Auswirkungen spüren. Die Pandemie zeigt aber auch die Vorzüge regionaler Lebensmittelversorgung.

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    Die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung ist gesichert – das ist zurzeit die einstimmige Botschaft von Politikern, Verbänden, Handel und Produzenten. Der Sprecher des Handelsverband Bayern, Bernd Ohlmann, geht zwar von einem Ansturm auf die Lebensmittelgeschäfte in den nächsten Tagen aus - doch dann würden die Menschen merken: "Die Lebensmittelversorgung ist ja gesichert, ich brauche mir keine Sorgen zu machen und dann wird sich das ganze normalisieren", so Ohlmann.

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    Ausreichend Grundnahrungsmittel vorhanden

    Auch der Sprecher des Bayerischen Bauernverbandes, Markus Drexler, sieht keinen Anlass zur Sorge bei der Lebensmittelversorgung. Vor allem Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Getreide, Obst und Gemüse sind laut Bauernverband in ausreichender Menge vorhanden.

    Dennoch könnten verarbeitende Betriebe wie etwa Schlachthöfe und Molkereien, wie viele andere Wirtschaftszweige auch, Schwierigkeiten bekommen, einen reibungslosen Betrieb aufrecht zu erhalten, wenn Mitarbeiter durch die Auswirkungen der Pandemie fehlen. Auch können Landwirte schließlich nicht im Home-Office arbeiten, wodurch Quarantänemaßnahmen gerade kleinere Betriebe vor Herausforderungen stellen könnten.

    Veränderungen in der Nachfrage von landwirtschaftlichen Produkten

    Im Einzelnen machen sich laut dem Sprecher des Bayerischen Bauernverbandes aber auch Veränderungen bei der Nachfrage bemerkbar, zum Beispiel bei Kartoffeln. Die vom Verbraucher gekauften und derzeit noch gelagerten Kartoffeln würden gerade zum Beispiel stärker nachgefragt.

    Auf der anderen Seite hätten viele Kartoffelbauern auch Exklusivverträge mit Pommes-frites-Produzenten. Pommes werden vor allem außer Haus, also bei Veranstaltungen und in der Gastronomie, verkauft. Aufgrund der Einschränkungen des öffentlichen Lebens dürfte die Nachfrage in diesem Bereich in den kommenden Wochen eher sinken, so Drexler.

    Krise zeigt Vorzüge regionaler Versorgung

    Doch die aktuelle Krise zeigt laut dem Bauernverbandssprecher auch die Vorzüge regionaler Lebensmittelversorgung – etwa beim Blick ins Nudelregal. Hier zeige sich, dass regional produzierte Produkte in den Supermärkten trotz der hohen Nachfrage besser verfügbar sind. Und zwar nicht, weil sie weniger nachgefragt würden, sondern weil Nachschub für die Regale schneller lieferbar sei, so Drexler.

    Um aufgrund der aktuellen Herausforderungen dennoch eine bestmögliche Versorgung in Bayern zu gewährleisten, Notfallpläne zu erarbeiten und Logistikketten sicherzustellen, bat der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl, bereits am vergangenen Freitag Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, rasch ein Gipfeltreffen von Agrarwirtschaft, Verarbeitern und Handel anzusetzen.

    Milchbauern fordern europäisches Vorgehen

    Sorgen um ihre wirtschaftliche Situation machen sich bereits die Milchbauern. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) teilte am Montag mit, die Auswirkungen des Corona-Virus könnten für den Milchmarkt und die Betriebe katastrophal werden. Die Sorge gilt den sinkenden Milchimporten Chinas und den unterbrochenen Lieferketten dorthin.

    Der Sprecher des BDM, Hans Foldenauer, betonte, auch durch die Schwierigkeiten beim Warenverkehr nach Italien könnte es zu einem geringeren Export von Milch aus Süddeutschland kommen. Auch könnten die Molkereien wegen begrenzter Lagerkapazitäten ihre Produkte billiger anbieten. "Das Minus landet dann bei uns", so Foldenauer. Der Verband fordert daher ein koordiniertes Vorgehen auf europäischer Ebene und eine Reduzierung der Milchmengen in Europa. Ein Problem für die Versorgung in Deutschland sei das aber nicht. Es gehe lediglich um die Chargen, die jetzt im Ausland weniger nachgefragt würden.

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