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Keine Lüftungsanlagen für Würzburgs Schulen | BR24

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Keine Lüftungsanlagen für Würzburgs Schulen

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    Keine Lüftungsanlagen für Würzburgs Schulen

    Je weniger Aerosole in der Luft, desto geringer das Infektionsrisiko. In Klassenzimmern ist das einfache Lüften für einige aber nicht genug, weshalb Lüftungsgeräte im Gespräch sind. Würzburgs Bürgermeisterin spricht sich jetzt deutlich dagegen aus.

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    Von
    • Carolin Hasenauer

    Ein Raum, etwa 35 Quadratmeter groß, 28 Schülerinnen und Schüler: Dass in einem vollgepackten Klassenzimmer die Luft nach kurzer Zeit nicht mehr frisch ist, lässt sich wie eins und eins zusammenzählen. Seit jeher war die einfache Lösung daher: Fenster auf, Stoßlüften. Für das kommende Corona-Winterhalbjahr jedoch sind immer wieder Lüftungsanlagen im Gespräch, die die verbrauchte Luft umwälzen und teilweise austauschen. Auch im Schul- und Sportausschuss im Würzburger Rathaus sind die Geräte nun Thema.

    Lüften hat Priorität für Würzburgs Bürgermeisterin

    "Diese Geräte und Anlagen sind für mich keine ernsthafte Option", so Judith Jörg, Bürgermeisterin und Schulreferentin in Würzburg. Diese Geräte würden nicht das leisten, was nötig wäre, um alle Aerosole als Corona-Infektionsüberträger zu entfernen, und erzeugten zudem eine gewisse Geräuschkulisse. "In allen Schulen hier in Würzburg kann man ordentlich lüften."

    Tests der Luftfilter noch nicht aussagekräftig

    Ohnehin fanden bisher nur einzelne Tests der Luftfilter im Labor statt. Wie gut das in vollen Klassenzimmern funktioniert, in denen 30 Personen sitzen, sei nicht untersucht. Und auch bei Geräten, die mit UV-Licht arbeiten, sei die Wirkung nicht abschließend geklärt. Deshalb warnen Virologen wie Ulrike Protzer von der TU München oder auch Oliver Keppler von der Ludwig-Maximilians-Universität München vor voreiligen Schlüssen. Laut Keppler gibt es noch keine endgültige wissenschaftliche Evidenz dafür, dass die Filter das Infektionsrisiko ausschließen. Er rät deshalb von großen Investitionen ab, weil sie am Ende vielleicht nicht sinnvoll sind.

    Hohe Kosten vs. Pragmatismus

    Natürlich verlange das strikte Lüften alle 20 Minuten den Lehrern einiges an Flexibilität ab. Aber sie und ihr Referat haben die Konsequenzen der Beschaffung solcher Lüftungsgeräte durchgerechnet und kommen zu dem Schluss: Neben den Anschaffungskosten von rund 17 Millionen Euro seien die Kosten während des Betriebs zu berücksichtigen, also die für Strom, Instandhaltung und Wartung. "Was außerdem dagegen spricht: Bis wir die Anlagen bestellen können und die lieferbar sind, ist der Winter längst vorbei", so Jörg. Sie sehe die Situation pragmatisch und wolle nachhaltig agieren. Einige Schulen hätten deshalb etwa den Vorschlag gemacht, einen extra Gong über die Schulsprechanlage zu läuten, der anzeigt, dass es Zeit zum Lüften ist.

    Zu viele Klassenzimmer, um alle auszustatten

    Gegen Co2-Ampeln in Form von Apps auf dem Smartphone spreche ihrer Meinung nach nichts. Einen Antrag der Grünen-Fraktion im Würzburger Stadtrat, Co2-Messgeräte anzuschaffen, sehe sie aber kritisch: "Wir haben mehr als 1.000 Klassenzimmer in Würzburg – wo sollen wir da denn anfangen?" Letztlich, so Jörg, seien Schulen mit Blick auf die vergangenen Monate ohnehin nicht die Infektionstreiber und Lösungen müssten eher woanders gefunden werden.

    Geld für Lüftungsanlagen kommt teilweise vom Freistaat

    Der Freistaat hat 36 Millionen Euro bereitgestellt, um für einige Klassen solche Anlagen anzuschaffen, aber nur für solche, in denen keine Fensterlüftung möglich ist. Das Geld würde für etwa 14.000 Geräte reichen. 75.000 Schulklassen gibt es im Freistaat. Jede mit einem Luftfiltergerät auszustatten, würde etwa 200 Millionen Euro kosten. Andere Lüftungsgeräte werden gar nicht bezuschusst. Kosten, die die Gemeinden und Kommunen dann selbst tragen müssten.

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