Carolin und Andreas Pflügler bauen einen komplett neuen Bauernhof
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Carolin und Andreas Pflügler bauen einen komplett neuen Bauernhof

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Keine landwirtschaftliche Förderung für Bau des neuen Hofs

Carolin und Andreas Pflügler wollen sich für die Zukunft rüsten und bauen einen komplett neuen Bauernhof. Was sie frustriert: Sie bekommen dafür keine landwirtschaftlichen Subventionen. Obwohl Familienbetriebe in Bayern gefördert werden sollen.

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

"Wir machen eigentlich alles, was gefordert wird, und wo Frau Kaniber sagt, das macht Bayern aus und soll erhalten bleiben", sagt die Bäuerin Carolin Pflügler, die aktuell in Neufahrn bei Freising einen komplett neuen Bauernhof baut. Deshalb hätten sie und ihre Familie gehofft, dass das von Michaela Kaniber (CSU) geführte Landwirtschaftsministerium den Bau des neuen Pflüglerhofs wegen seines landwirtschaftlichen Konzepts subventioniert. Um die bäuerlichen Strukturen zu bewahren, hat es sich der Freistaat zur Aufgabe gemacht, kleine und mittlere Familienbetriebe zu fördern. "Genau als solch einen Betrieb sehen wir uns", sagt Carolin Pflügler.

Landwirtschaftliche Bauprojekte subventioniert der Freistaat grundsätzlich mit verschiedenen Programmen. Im Rahmen des Agrarinvestitionsförderprogramms (AFP) zum Beispiel wurden vergangenes Jahr rund 23 Millionen Euro in 238 Förderfällen ausgezahlt. Die Mittel dafür kommen von der Europäischen Union, dem Bund und dem Freistaat. Die Pflüglers aber haben die Anforderungen für eine landwirtschaftliche Förderung nicht erfüllt.

Der neue Hühnerstall beispielsweise wäre zwar grundsätzlich förderfähig gewesen. Laut Begründung des Landwirtschaftsministeriums müssen Fördergelder aber sparsam und wirtschaftlich vergeben werden. Ziel sei es, sicherzustellen, dass mit öffentlichen Geldern keine "überteuerten Stallanlagen" gefördert werden. Deswegen vergleicht die Förderstelle die Baukosten für einen Standardstallplatz pro Huhn mit den beantragten Kosten. Mit ihrer Massivbauweise haben die Pflüglers aber vergleichsweise teuer geplant. Außerdem gab es Abzüge, weil sie den Unterbau des Stalls bei der Antragstellung schon beauftragt hatten. Am Ende blieb "kein bewilligungsfähiger Betrag mehr übrig".

Im Video: Ein Bauernhof zieht um - die Gerüchteküche brodelt

Viel Eigenkapital - aber alles wird teurer als geplant

Vor ein paar Jahren hat Familie Pflügler entschieden, die alte Hofstelle zu verkaufen und mit dem Erlös am Ortsrand von Neufahrn einen komplett neuen Hof zu bauen. Hier haben sie Platz, um neue Einnahmemöglichkeiten zu schaffen und ihren Betrieb breiter aufzustellen. "Wir müssen schauen, dass wir diese Landwirtschaft im Vollerwerb weiterführen können", sagt Carolin Pflügler. In vierter Generation haben sie und ihr Mann Andreas Pflügler den Familienbetrieb in Neufahrn im oberbayerischen Landkreis Freising übernommen. Auf 50 Hektar bauen sie Getreide, Kartoffeln, Zwiebeln und Gemüse an. Dabei versuchen sie, möglichst viel von ihren Produkten über den Hofladen selbst zu vermarkten.

Ein neues Standbein sollen die eigenen Hühner sein, außerdem bauen sie zwei Gewächshäuser und ein eigenes Bildungszentrum. Auch die Brauerei und der Hofladen sollen größer werden als bisher. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange, 2024 soll alles fertig sein.

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Am Ortsrand von Neufahrn bei Freising entsteht der neue Pflüglerhof

Gesellschaftliches Engagement wird honoriert

Ein Problem sind die gestiegenen Baupreise. Bisher haben die Pflüglers damit gerechnet, dass der neue Hof höchstens zehn Millionen Euro kosten wird. Aber am Ende könnte es doch mehr werden. Um über ihre Probleme ins Gespräch zu kommen, suchen die Pflüglers in der Serie "Mega Baustelle: Ein Bauernhof zieht um" den direkten Kontakt zum bayerischen Landwirtschaftsministerium. Sie wollen Michaela Kaniber persönlich einladen, damit sie sich ein Bild von ihrem Betrieb machen kann. Ob die Ministerin diese Einladung annimmt und die Baustelle individuell begutachtet? "Wenn es auch für uns nichts mehr bringt, wollen wir trotzdem einen Stein ins Rollen bringen", sagt Carolin, "damit wenigstens andere Betriebe eine Förderung kriegen, wenn sie viel Geld in die Landwirtschaft investieren."

Der BR begleitet die Pflüglers zwischen Hoffen und Bangen. Und dann gibt es doch noch eine positive Überraschung. Denn das gesellschaftliche Engagement der Familie ist dem Freistaat etwas wert: das Multifunktionsgebäude, in dem ein Saal für Bildungsveranstaltungen und die Brauerei untergebracht werden sollen, wird über das LEADER-Programm für ländliche Entwicklung mit 200.000 Euro gefördert.

Die komplette zweite Staffel gibt es ab sofort in der ARD Mediathek.

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