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Fleischmann und Meidinger zum Schulstart

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Keine Faschingsferien: Wieviel Unterricht war wirklich?

Die Faschingsferien in Bayern sind coronabedingt ausgefallen. Die Woche sollte genutzt werden, um Schulstoff nachzuholen. Einige Schulen versuchten dennoch die Zügel in der Faschingswoche etwas zu lockern. Das allerdings mit Gegenwind.

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Von
  • Adrian Dittrich

Ab Montag heißt es wieder für viele Grundschüler und die Schüler der Abschlussklassen zurück an die Schulen in den Wechselunterricht.

Von Faschingsferien keine Spur

Benedikt Lorenz besucht die 4. Klasse und dachte eigentlich, dass er in den Faschingsferien keinen Unterricht hat, doch es kam anders.

"Wir haben ja die letzten Wochen ziemlich viel gearbeitet und dann hat die Lehrerin gesagt, dass wir ziemlich gut mit dem Stoff schon zurechtkommen und schon alles haben - und dass wir jetzt eine Woche mal weniger machen dürfen. Und am Dienstagmorgen kam dann die Nachricht, dass wir jetzt doch mit dem Stundenplan wieder alles einzeln machen. " Benedikt Lorenz, 4.Klasse

Benedikt Lorenz geht in die 4. Klasse der Grundschule an der Werdenfelsstraße in München und musste, wie alle bayerischen Schülerinnen und Schüler, in diesem Jahr auf seine Faschingsferien verzichten. Und das, obwohl zusätzlicher Unterricht nach Einschätzung vieler Lehrer nicht unbedingt notwendig war, denn Benedikt und seine Mitschüler hatten die vergangenen Wochen einen durchorganisierten und zielgerichteten Distanzunterricht.

Erst ja - dann nein

Eigentlich sitzt der Stoff. Doch Anfang der Woche erhielt das bayerische Kultusministerium eine anonyme Beschwerde: Der Unterricht werde an Benedikts Schule in der Faschingswoche nicht konsequent durchgezogen. Solche Beschwerden gab es häufiger. Henrike Paede, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands, findet das sehr fragwürdig. "Das ist nicht die Art von Kommunikation, die man sich wünscht", meint sie.

Besser wäre es, wenn sich Eltern und Lehrer zusammensetzen würden, so die Lehrkraft. Auch eine offene Diskussion mit der Schulleitung sei ein guter Weg. So könnten beispielsweise für das Kind anspruchsvollere Aufgaben zusammengestellt werden, wenn es sich beispielsweise unterfordert fühlen sollte, erklärt Paede.

Schulen handelten eigenverantwortlich

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo hatte vor Beginn der Faschingswoche betont, dass an den Schulen der normale Distanzunterricht in gleicher Intensität durchgeführt werden solle. Auf Anfrage stellte das Kultusministerium jedoch klar, dass die Schulen allein weiterhin für die Unterrichtsgestaltung verantwortlich seien. Die Schulaufsicht würde erst bei einem Unterrichtsausfall einschreiten.

Diesen Spielraum nutzten die bayerischen Schulen in der Faschingswoche. Das bestätigt auch Michael Behnke. Er hat in München drei Kinder in unterschiedlichen Jahrgangsstufen.

"Es wurde ein bisschen Druck rausgenommen. Es haben allerdings die meisten Unterrichtsstunden stattgefunden. Auf Hausaufgaben wurde teilweise verzichtet. Bei einem Einzelfall war es dann so, dass der Lehrer am Vortag darauf hingewiesen hat, dass er am nächsten Tag nicht die Anwesenheit prüfen wird in der ersten Stunde." Michael Behnke, Vater von drei Kindern

Ab Montag steht für viele bayerische Schülerinnen und Schüler nun wieder der Wechselunterricht an und zwar in den Grundschulen und bei den Abschlussklassen der weiterführenden Schulen. Allerdings nur, wenn der Inzidenzwert unter 100 liegt. Sollte ein Mindestabstand von 1,5 Metern möglich sein, kann sogar Präsenzunterricht für die ganze Klasse stattfinden - natürlich weiterhin mit Maskenpflicht.

Lehrerverband fordert verlässliches Testkonzept

Auf lange Sicht gesehen, könnten auch regelmäßige Selbsttests wieder für einen normalen Schulalltag sorgen. Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, fordert dabei ein verlässliches Testkonzept, das auch umsetzbar ist.

"Wenn man jetzt sagt, Poolen, Gurgeln, PCR-Tests, was auch immer, Selbsttests, Stäbchen, Rachen, Nase, das muss es sein, dann ist das ein Konzept, wo wir mitgehen wollen. Aber bitte: Nicht wir Lehrer machen das, nicht die Schulleitungen sind verantwortlich, nicht die Verwaltungsangestellte macht die Häkchen, sondern wir müssen da gut überlegen, was ist machbar bei diesen Selbsttests." Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband

Fünf Millionen Schnelltests für die Schulen - jeden Monat

Das Kultusministerium gab an, dass Corona-Selbsttests regelmäßig zum Einsatz kommen sollen, sobald diese zugelassen und verfügbar sind. Zuständig für die Beschaffung der Antigen-Schnelltests für Laien ist dabei das bayerische Gesundheitsministerium. Das hat auf Nachfrage Anfang der Woche auf die Zulassung von Seiten des Bundes verwiesen. Sollte diese im Laufe des Märzes erfolgen, hat Bayern monatlich mehr als fünf Millionen Tests für den Schul- und Kitabereich bestellt.

Lehrer sollen bei Impfung höhere Priorität erhalten

Bis dahin soll es Reihentestungen für Lehrer und Schüler zur Wiederaufnahme des Wechselunterrichts geben. Für eine dauerhafte Sicherheit stellte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek jüngst eine vorrangige Priorisierung der Lehrkräfte bei der Corona-Impfung in Aussicht.

"Ich befürworte das ausdrücklich übrigens, dass wir Lehrerinnen und Lehrer und Kindergärtnerinnen und Kindergärtner da mit einbeziehen in diese Frage und dass wir auch eine klare Entscheidung fällen, wie die Mehrheit der Deutschen das auch heute nochmal in der Umfrage gesagt hat." Klaus Holetschek, bayerischer Gesundheitsminister

Genaueres zur neuen Priorisierung soll in der nächsten Gesundheitsminister-Konferenz besprochen werden.

Bis dahin freut sich Grundschüler Benedikt aber erstmal, endlich wieder seine Schulkameraden in der Schule treffen zu können. "Ich hab sehr nette und gute Freunde und ich freu mich schon sehr, die wieder zu sehen", meint der Viertklässler. "Und wir spielen in der Pause meistens coole Spiele", erklärt er weiter "und die kannst du halt nur als eine Klasse spielen."

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