BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Keine Einreise für Au-pairs: Familien bricht Kinderbetreuung weg | BR24

© picture alliance/dpa/Nicolas Armer

Weder verreisen noch einreisen: Die Möglichkeiten für Au-pairs sind derzeit aufgrund von Corona eingeschränkt.

35
Per Mail sharen

    Keine Einreise für Au-pairs: Familien bricht Kinderbetreuung weg

    Das Abitur in der Tasche und dann als Au-pair in die weite Welt. So war das vor Corona. Und weil auch Au-pairs von außerhalb der EU nicht zu uns kommen dürfen, bekommen nun bayerische Gastfamilien Probleme - Stichwort Kinderbetreuung.

    35
    Per Mail sharen
    Von
    • Andreas Herz

    Der vierjährige Elias schaut gebannt auf ein Tablet. Das lehnt am PC-Bildschirm seiner Mutter. So sitzen sie nebeneinander. Sie arbeitet, er schaut fern. Es gab Tage, berichtet Vater Carsten Ebermann, an denen Elias zehn Stunden Kinderkanal oder Netflix geschaut hat, weil beide Eltern so viel Arbeit hatten.

    Um solche Situationen künftig zu verhindern, hat das Paar aus Feldkirchen bei München einen Vertrag mit Au-pair Luisa aus Kolumbien geschlossen. Im April hätte sie für ein Jahr kommen sollen, um bei der Betreuung von Elias und dessen 14-jährigem Bruder zu helfen. Doch wegen Corona wurde die Einreise aus Drittstaaten in die EU beschränkt. Luisa muss zuhause bleiben.

    Au-pair: offiziell Kultur-Austausch statt Kinderbetreuung

    Vermittelt wurde das Mädchen von der Agentur von Susanne Caudera-Preil. Dort liegt das Geschäft auf Eis: "Die Politik argumentiert, Au-pair ist ein Kulturaustausch-Programm. Die sind hier, um die deutsche Kultur und die Sprache kennenzulernen. Und das ist im Moment eingeschränkt."

    Demgegenüber stehe der Bedarf, so Caudera-Preil: "Wir haben viele Anrufe von Gastfamilien, die in einer verzweifelten Lage sind, weil sie die Kinderbetreuung nicht organisieren können." Dass nun für elf Nicht-EU-Staaten die Einreisebeschränkungen wegfallen, helfe dem Au-pair-Markt nicht weiter. "Unter diesen Staaten ist nur einer, der ein starkes Herkunftsland für Au-pairs ist: Georgien. Es hilft also nur sehr eingeschränkt."

    Rund 14.000 Au-pairs pro Jahr

    Rund 14.000 Au-pairs kamen zuletzt jährlich - vor Corona - nach Deutschland. Das zeigen Zahlen des statistischen Bundesamtes. Etwa die Hälfte davon aus Ländern außerhalb der EU. Das trifft Gastfamilien besonders, weil fast ausnahmslos Au-pairs aus Drittstaaten wie etwa Kolumbien ein ganzes Jahr bleiben, um in der Kinderbetreuung zu helfen.

    Neben den Gastfamilien hat Susanne Caudera-Preil aber noch andere Kunden, die sie vertrösten muss: etwa Lisa Wendling, 18 Jahre und das Abitur in der Tasche. Eigentlich wollte sie jetzt als Au-pair nach Australien, doch auch das klappt nicht.

    "Ich habe nur jetzt die Möglichkeit"

    "Ich habe nur jetzt die Möglichkeit, mir ein Jahr Pause zu nehmen und zu überlegen, was das Richtige für mich ist. Das haben mir auch andere Au-pairs meiner Gastfamilie erzählt: dass sie nach dem Jahr genau wussten, was sie machen wollen", sagt Lisa Wendling. Bis 31. August läuft die deutsche Reisewarnung. Lisa hofft, dass sich dann was tut. Sonst würde sie nach einem Praktikum suchen oder gleich ein Studium beginnen.

    Architekt Carsten Ebermann und seine Frau sind in ihrem Fall skeptischer. Wegen der vielen Corona-Infizierten in Lateinamerika wurde ihnen bedeutet, dass es wohl nichts wird mit dem Au-pair in diesem Jahr. Und auch wenn sie Elias wieder von 8 bis 17 Uhr in die Kita schicken könnten, würde die Betreuung nicht ausreichen, sagt Ebermann. Effektiv würden dann nur sechs Stunden für die Arbeit bleiben. Au-pair Luisa hätte etwa beim Ins-Bett-Bringen helfen können.

    Kein Au-pair: Muss der Job zurückstehen?

    Muss dann der Job zurückstehen? Für Agentur-Chefin Caudera-Preil würde das einen Rückschritt in Sachen Gleichberechtigung bedeuten: Der Mann arbeitet, die Frau kümmere sich ums Kind. "Das ist aber nicht mehr unsere Zeit. Jeder will sich im Job verwirklichen, oder muss es auch", so Caudera-Preil.

    Carsten Ebermann kann nicht verstehen, dass die Bundesliga wieder läuft, aber für Au-pairs kein Weg gefunden wird. Eine zweiwöchige Quarantäne könne man ohne Probleme gewährleisten. Das Zimmer fürs Au-pair stehe schließlich schon bereit.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!