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Keine Beachtung für DenkOrt Deportationen | BR24

© BR/ Silva Schreiner

Im Juni wurde am Würzburger Hauptbahnhof ein DenkOrt eröffnet, der an die Deportation der unterfränkischen Juden im Holocaust erinnern soll. Das Problem: Einige Menschen erkennen die Gepäckstücke aus Beton nicht als Mahnmahl.

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Keine Beachtung für DenkOrt Deportationen

Im Juni wurde am Würzburger Hauptbahnhof ein Denkort eröffnet, der an die Deportation der unterfränkischen Juden im Holocaust erinnern soll. Das Problem: Einige Menschen erkennen die Gepäckstücke aus Beton nicht als Mahnmal.

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Eigentlich war er als Ort gedacht, der mahnen soll: Der DenkOrt Deportation am Würzburger Hauptbahnhof. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden Juden von der Stadt aus in die Vernichtungslager abtransportiert. Zurück blieb das Gepäck. Die 47 Koffer aus Beton, die jetzt vor dem Würzburger Hauptbahnhof stehen, sind symbolisch für jüdische Gemeinden in Unterfranken, aus denen Menschen deportiert wurden. Doch viele erkennen die Koffer nicht als Mahnmal. Immer wieder nutzen Menschen die Gepäckstücke aus Beton als Sitzgelegenheit.

Zu wenige Sitzgelegenheiten?

Sitzgelegenheiten am Mahnmal gibt es zwar – aber nicht sehr viele. Auf insgesamt drei Betonquadern können Besucher Platz nehmen. Benita Stolz, Mitglied des Vereins DenkOrt Deportationen, bezweifelt aber, dass die Menschen sich bei mehr Sitzgelegenheiten nicht mehr auf die Beton-Koffer setzen würden. Oft läge es an der Ahnungslosigkeit der Besucher, dass diese auf dem Denkmal Patz nehmen.

Mangelhafte Kennzeichnung des Denkorts?

Diese Ahnungslosigkeit könnte auf die ungenügende Kennzeichnung des Denkmals zurückzuführen sein. Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, wünscht sich deshalb eine deutlichere Kennzeichnung. "Es gibt auch Überlegungen, den Denkort deutlicher als einen Denkort zu charakterisieren. Ich denke auch, dass das kein Dauerthema sein wird", sagt er im BR-Gespräch.

© BR/Albrecht Rauh

DenkOrt im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld

Kritik am Umgang mit Denkmal in Schweinfurt

Auch in Schweinfurt gibt es ein Koffer-Gegenstück: Neben dem Denkmal für die ehemalige Synagoge in Schweinfurt. Neben diesem Denkmal, das es schon seit mehreren Jahrzehnten gibt, befindet sich sehr versteckt ein kleiner Beton-Koffer. Das Gepäckstück sieht vernachlässigt und verschmutzt aus, drum herum liegen mehrere Zigarettenstummel. Laut Oberbürgermeister Sebastian Remelé wird das Denkmal zwar zweimal die Woche gereinigt, aber ganz verhindern ließe sich das nicht. Insbesondere nach den Wochenenden sei es hier oft nicht so sauber, wie er sich das wünscht.

In Würzburg sind Macher mit der Umsetzung zufrieden

Die Initiatoren des DenkOrts Deportation am Würzburger Hauptbahnhof sind hingegen mit der Umsetzung des Gesamtkonzepts sehr zufrieden: "So gut habe ich mir das gar nicht vorgestellt", so Benita Stolz. Hier in Würzburg komme täglich um 7 Uhr das Gartenamt und räumt dort sämtlichen Schmutz weg, der über Nacht entstanden ist.

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