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Keine Angst vorm Ruckeln: Junge Stotterer unter sich | BR24

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Der einzige fränkische Ableger der "Flow"-Sprechgruppen soll junge Stotterer in Nürnberg zusammenbringen. Jeden Monat treffen sich die Jugendlichen, um sich untereinander auszutauschen.

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Keine Angst vorm Ruckeln: Junge Stotterer unter sich

Sprechen ist für die meisten Menschen etwas ganz Selbstverständliches: Für Stotternde ist es aber oft ein Kampf. In Nürnberg bringt eine Selbsthilfegruppe ausschließlich junge Stotterer zusammen.

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Fünf junge Männer sitzen an einem Donnerstagabend zusammen, spielen ein Brettspiel. Einer hatte in der letzten Runde ein glückliches Händchen, er lächelt. "Glück gibt’s nicht, es gibt nur Schhhhhhhhhhhiicksal", sagt er. Das letzte Wort will nicht so recht aus einem Mund kommen, denn er stottert.

Ihn selbst und auch seine Mitspieler stört das nicht. Sie sind alle Stotterer. Jeden Monat kommen sie und andere junge Menschen mit dem gleichen Handicap in der Nürnberger Selbsthilfekontaktstelle zusammen. Sie nennen sich die "Flow-Sprechgruppe".

Einfach mal stottern dürfen

Es sei schön, "dass ich auch mal Stottern darf und ich nicht mehr darüber nachdenken muss, stottere ich jetzt oder stottere ich nicht", erzählt einer der Teilnehmer. Bei ihren Treffen erzählen sie von ihrem Alltag, tauschen Erfahrungen aus oder spielen gemeinsam. Sie ersetzen keine Therapie und sollen es auch nicht. Trotzdem ist das Zusammenkommen wichtig, sagt der Logopäde Niklas Forsthuber. Auch er ist nur zu Besuch bei der Gruppe.

"Sprechtechniken und Umgang im Sprechen ist das Eine. Das kann man in Therapien erwerben. Aber auch das Gefühl zu haben: Hey, ich brauche nicht nicht stottern. Das ist eben das, was die Flow-Sprechgruppe auch gut leistet." Niklas Forsthuber, Logopäde

Mithelfen und klarkommen

Organisiert wird die Gruppe von dem 32 Jahre alten Yasin Gül. Er stottert seit er vier Jahre alt ist. Zuerst hat er damit gekämpft, doch mittlerweile geht er mit seinem Handicap ganz offen um. Indem er sich ehrenamtlich engagiert, hilft er nicht nur anderen, sondern auch sich selbst.

"Ich habe mein Stottern bis dahin bloß als Last gesehen. Und dachte, ich wäre alleine damit. Seitdem ich bei Flow bin und aktiv mithelfe, weiß ich, dass ich es nicht bin. Das tut gut, sich mit Gleichgesinnten darüber auszutauschen." Yasin Gül

Selbsthilfe auch für Junge

Gerade junge Stotterer sind oft allein mit ihrem Defizit. Erst 2011 hat die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe ihr Projekt "Generationenwechsel" gestartet. Junge Betroffene machen zwar meistens eine Therapie, halten sich aber ansonsten von Selbsthilfeangeboten fern. Mit den Flow-Sprechgruppen soll sich das ändern. Mittlerweile gibt es elf im Bundesgebiet. Hier die Kontaktadressen des Bundesverbands und der bayerischen Filiale.

© BR-Studio Franken/Henry Lai

Flow-Sprechgruppe in Nürnberg